Selbstwertgefühl im Job kippt oft wegen Kleinigkeiten: Blicke, Kritik, Funkstille. Hier bekommst du Mini-Übungen, klare Sätze und Einblicke in zwei Gastbeiträge, die zeigen, wie du wieder stabil bei dir bleibst.

 

Wie kann ich mein Selbstwertgefühl im Job stärken und warum ein Stirnrunzeln dir den Tag klauen kann

 

Du machst morgens die Bürotür auf, hängst den Mantel hin und setzt dich an den Rechner. Alles wie immer.

Und dann passiert eine Kleinigkeit:

Eine Kollegin murmelt nur leise „Morgen“ statt „Guten Morgen“.
Der Chef runzelt die Stirn bei deiner Präsentation.
Ein Kollege fällt dir ins Wort, als du grad was Wichtiges sagen willst.

Und plötzlich ist ein seltsamer Kloß im Bauch zu spüren, nicht übermäßig schwer, aber deutlich.

Dein Selbstwertgefühl im Job rutscht nach unten, obwohl objektiv nichts „Schlimmes“ passiert ist.

Genau hier wackelt nicht deine Kompetenz, sondern dein Selbstwert.

Dieses „Wieso trifft mich das so?“ zieht sich durch die Magazin-Ausgabe 12/2025 von Silent Passion mit dem Schwerpunkt „Selbstvertrauen & innere Stärke“.

 

Selbstwertgefühl im Job: Was da eigentlich wackelt

 

Selbstvertrauen und Selbstwert klingen wie Zwillinge, die sich ständig dieselben Klamotten ausleihen.

Aber im Alltag fühlen sie sich komplett anders an.

 

  • Selbstvertrauen ist: „Ich kann das.“ Projekt, Präsentation, Gehaltsgespräch.

 

  • Selbstwert ist: „Ich bin in Ordnung.“ Auch wenn was schiefläuft oder jemand mal komisch guckt.

 

Im Job passiert etwas ganz Gemeines, wir vergleichen uns dauernd und oft, ohne wir es merken.
Nicht nur einmal im Monat, sondern eher alle fünf Minuten.

„Die anderen sind schneller.“

„Die liefert mehr.“

„Warum wurde ihre Idee gelobt und meine nur abgenickt?“

Und ja, sogar an Blicken: ein Stirnrunzeln, ein Seufzer, ein „Mhm“ und zack, fühlt sich dein ganzer Tag anders an.

Wenn du als Kind vor allem für Leistung gelobt wurdest („toll gemacht“, „brav“, „gute Note“), dann lernt dein Kopf irgendwann

Wert = funktionieren.

Das heißt dann für deinen Kopf: Läuft’s rund, fühlst du dich sicher. Du bist „okay“.

Läuft’s nicht rund, kippt es, dann ist es nicht nur „ein Fehler“, sondern gleich „ich bin falsch“.

Und genau dann wackelt es so heftig, weil es nicht nur um die Arbeit geht, sondern um dich.

Und ja, das passiert auch in „guten“ Jobs.

Manchmal sogar eher dort, weil du die Leute magst und nicht die sein willst, die „es versaut“.

Du willst es ja wirklich gut machen und plötzlich hängt dein inneres Wohlgefühl an Dingen, die du nie komplett steuern kannst, wie die Stimmung im Team, den Tonfall vom Chef, das Timing und die Erwartungen.

Das ist ein erlerntes System und es erklärt, warum kleine Momente manchmal so rießig in dir nachhallen.

 

Warum dein Selbstwertgefühl im Job so empfindlich ist

 

Unser Selbstwert reagiert nicht nur auf große Ansagen, sondern vor allem auch auf Mini-Sachen wie Blicke, Worte und Gesten.

Stell dir kurz folgende Situation vor:

 

Du erzählst was und dein Gegenüber schaut auf die Uhr.

 

Du bist mitten im Satz und erklärst etwas, das dir wichtig ist. Vielleicht eine Idee oder ein Problem.

Und dann passiert’s: Der Blick deines Gegenüber wandert kurz zur Uhr.

Nicht lange, eine Sekunde.

Aber dein Körper merkt es sofort.

Du sprichst weiter, nur ein bisschen schneller und leiser.

Und innerlich läuft bei dir schon die Frage: „Langweile ich gerade? Bin ich zu viel?“

 

Du gibst was ab und der Chef verzieht kurz das Gesicht

 

Du legst die Unterlagen hin. Du hast dir Mühe gegeben, wirklich.

Und dann siehst du dieses Mini-Ziehen im Gesicht.

So ein kurzer „Hm“-Moment.

Vielleicht nur eine Falte zwischen den Augenbrauen oder ein winziger Seufzer.

Er sagt nicht mal was.

Und genau das macht’s schlimmer, weil dein Kopf die Lücke füllt: „War’s schlecht? Hab ich was übersehen? Jetzt denkt er bestimmt…“

Und plötzlich fühlt sich deine ganze Arbeit an, als wär sie für die Tonne.

 

Du teilst was Persönliches und die andere Person springt zum nächsten Thema.

 

Du sagst es im Vorbeigehen, so zwischen Tür und Angel an der Kaffeemaschine: „Puh, diese Woche war echt heftig… ich häng total hinterher.“

Die andere Person nickt kurz, schaut dabei schon auf den Laptop und tippt weiter.

Und dann kommt: „Ja, voll. Sag mal, hast du die Zahlen fürs Reporting schon rausgeschickt?“ oder: „Ah ok. Übrigens, der Besprechungstermin wurde auf morgen vorgezogen.“

Themawechsel. Einfach so.

Du stehst da, sagst automatisch „Ja klar, mach ich“, vielleicht sogar mit einem kleinen Lächeln, weil man im Büro halt funktioniert.

Aber innerlich klappt was zu, weil du für eine Sekunde gehofft hast: „Ah, da sieht mich grad jemand.“ Und dann war’s direkt wieder Business as usual.

Innerlich startet gleich ein ganzer Film: „Ich bin nicht wichtig.“ „Ich war nicht gut genug.“

Und dieser Film fühlt sich echt an, obwohl er nur eine Interpretation deines Gehirns ist.

Genau da liegt der Hebel, wenn du dein Selbstwertgefühl im Job stärken willst.

 

Praxisbeispiel 1: Kritik im Meeting, und zack bist du klein

 

Du stellst eine Idee vor.

Jemand sagt: „Die Struktur ist unübersichtlich.“

Zwei Wege:

1. Du hörst Leistung. „Ah ok, da ist was dran. Das kann ich verbessern.“

2. Du hörst Wert. „Andere sind halt besser wie ich, ich sollte lieber still sein.“

 

Der gleiche Satz. Zwei komplett verschiedene Auslegungen.

Im Magazin wird das super greifbar gemacht: Wenn mehrere Menschen dir spiegeln, dass etwas unklar war, ist das ein Hinweis, den kannst du nutzen.

Wenn eine Person aber ständig spitz ist, egal was du sagst, darfst du prüfen, was davon wirklich zu dir gehört.

Und wenn es nicht zu dir gehört, dann lass es auch bei der anderen Person.

 

Innere Grenze statt inneres Zusammenklappen

 

Eine innere Grenze ist wie ein kleiner Gartenzaun in dir.

Nicht gegen Menschen, sondern für dich.

Der fühlt sich dann so an: „Bis hier höre ich zu und nehme mir das raus, was mir hilft. Und ab da ist es nicht mehr meins.“

Ein Satz, der dabei richtig gut funktioniert, weil er dich nicht in die Verteidigung bringt ist:

„Spannend, wie du das siehst.“

Der Satz ist kein „Du hast recht“, und auch kein „Du liegst falsch“.

Sondern eher wie eine Pause-Taste.

Du gibst den Ball nicht sofort zurück und vor allem, du nimmst ihn auch nicht schluckend an.

Du lässt ihn erstmal beim anderen.

Und genau dadurch kannst du danach ruhig sortieren, was davon ist ein echter Hinweis, was davon ist nur Stimmung? Und was davon darf einfach da bleiben, wo es herkam?

 

Dein Kopf läuft auf „Ich bin schuld“-Modus

 

Unser Gehirn ist da leider ziemlich schnell.

Es sucht sofort nach deiner Rolle aus der Vergangenheit.

Es fragt nicht als erstes: „Was ist hier grad los?“, sondern eher: „Ok, was hab ich falsch gemacht?“

Und nein, das heißt auch nicht, dass du nie Verantwortung trägst. Natürlich nicht.

Es heißt nur: Vieles, was dich innerlich trifft, hat oft mehr mit dem Stress, der Unsicherheit oder der Angst der anderen zu tun als mit deinem eigenen Wert.

Manche Menschen haben einen schlechten Tag, andere sind überfordert und manche können nicht gut führen.

Du stehst dann daneben und denkst: „Oh Gott, ich bin zu viel, zu langsam, zu irgendwas.“

Dabei bist du vielleicht einfach nur die Nächste, die grad in deren Stimmung reinläuft.

 

Mini-Lösung: Drei Fragen am Feierabend

 

Am Ende eines Arbeitstages helfen diese drei Fragen, damit dein Selbstwertgefühl im Job nicht an jeder Kleinigkeit hängt:

1. Was war heute wirklich meins?

2. Was war eher Stimmung oder Stress von den anderen?

3. Was mach ich nächstes Mal anders?

Kurz innehalten und die drei kurzen Antworten reichen.

 

Selbstwertgefühl im Job stärken mit innerer Stärke

 

Gastbeitrag: Die „andere Stimme“ in dir, die sich wie ein mieser Chef anfühlt

 

Der Gastbeitrag von Elisabeth Dobesberger im Magazin 12/2025 von Silent Passion hat mich an einer Stelle richtig erwischt.

Sie erzählt von einer Lesung bei Alice Schwarzer und von der Begegnung mit einer Geschichte rund um Romy Schneider.

Außen glänzen, innen kämpfen. Perfekt wirken und innerlich erschöpft sein.

Und dann kommt diese „andere Stimme“.

Streng, fordernd, gnadenlos: „Reiß dich zusammen.“ „Mach es allen recht.“

Viele Frauen kennen diese Stimme.

Nur nennen sie sie oft nicht Stimme, sie nennen sie „Realismus“ oder „Anspruch“ oder „So bin ich halt“.

Im Beitrag geht es um einen ziemlich einfachen Shift.

Dazu gibt’s auch ein kostenfreies Workbook „Rede mit dir wie mit deiner besten Freundin“.

 

Gastbeitrag: Teilzeit heißt „weniger Wert“

 

Claudia Oidtmann kommt aus der Elternzeit zurück.

Großes Ingenieurbüro, vorher Fachbereichsleiterin.

Am ersten Tag liegt da ein Stapel Visitenkarten, darauf steht: „Projektleiterin“.

Keine Begrüßung, kein Gespräch, eine Degradierung auf dem Papier.

So ein Moment ist pures Selbstwertgefühl im Job.

Nicht etwa, weil so ein Titel alles ist, sondern weil zwischen den Zeilen steht: „Teilzeit heißt weniger Wert.“

Sie kündigt. Macht einen Umweg, merkt, das trägt finanziell nicht.

Und baut sich dann etwas, das zu ihr passt: als Technische Virtuelle Assistenz für Bau, Handwerk, Ingenieur- und Architekturbüros.

Remote, flexibel und mit Blick fürs Wesentliche.

Was daran so stark ist: Da ist kein „Und dann war alles super“, sondern eher ein: „Ich geh weiter, obwohl’s wackelt.“

Das ist dann Selbstwert in Bewegung.

 

Dein Gehirn baut mit, denn Gedanken werden zu Autobahnen

 

Im Magazin gibt es auch einen Einblick in Richtung Neurowissenschaft: Gedanken und Gefühle hinterlassen Spuren im Gehirn.

Dein Gehirn baut Verbindungen dein Leben lang um, je nachdem, was du denkst, fühlst und tust.

Wenn du seit Jahren Sätze denkst, wie „Ich darf mir keinen Fehler erlauben“, wird daraus eine Gedanken-Autobahn.

Da fährt dein System automatisch lang, auch wenn’s dir schadet.

Aber wir können auch neue Wege gehen, die nach und nach zu Gehirn-Autobahnen werden.

Nicht sofort, aber durch Wiederholung.

Manchmal reicht schon ein Satz wie: „Heute übe ich, nicht alles auf mich zu beziehen.“

Viele meiner Leserinnen sind angestellt, sehr kompetent und verantwortungsbewusst.

Und trotzdem innerlich oft in einer Habacht-Stellung.

Wenn das auf dich passt, helfen folgende drei Schritte, damit dein Selbstwertgefühl im Job stabiler wird:

1. Trenn Feedback von Stimmung. Nicht jede Laune ist dein Problem.

2. Wechsel den Ton im Kopf. Der innere Kommentar soll fair sein, nicht weichgespült.

3. Schütze deine Energie. Du musst nicht überall „mitgehen“, nur weil andere laut sind.

 

Und wenn du grad denkst: „Ich hab das verstanden, aber im Alltag rutsch ich immer wieder rein“, dann ist das vollkommen normal.

Das ist wie Zähneputzen. Man weiß, wie es geht, trotzdem muss man’s am Anfang üben und dann einfach immer wieder machen.

Alle Beiträge aus den Bereichen Silent ICH, Silent Beruf, Silent Leben und Silent Balance findest du ausführlich auf über 120 Seiten im kostenfreien Online-Magazin Silent Passion, Ausgabe 12.2025. Einfach holen und tiefer eintauchen in die Themen.

 

Und wenn du gerade feststeckst und merkst: So wie bisher will ich nicht weitermachen, aber ich weiß nicht, wie, dann lass uns sprechen.

In einem ersten Gespräch schauen wir gemeinsam, was dich blockiert, wo du dich selbst ausbremst und was dein nächster, machbarer Schritt ist.

Ohne Druck, kein „Du musst nur…“, sondern ein klarer Blick nach außen, der dich wieder in Bewegung bringt.

Ich freue mich auf dich.

 

FAQ: Selbstwertgefühl im Job

Was bedeutet Selbstwertgefühl im Job?

Selbstwertgefühl im Job heißt: Du fühlst dich als Mensch okay, auch wenn du Fehler machst oder Kritik bekommst. Dein Wert hängt nicht nur an Leistung und Funktionieren.

Warum trifft mich Kritik im Job so schnell?

Weil dein Kopf sofort nach deiner Rolle sucht und daraus oft einen Film macht. Häufig steckt in Kritik ein Hinweis zur Sache, aber dein Selbstbild macht daraus ein Urteil über dich.

Wie kann ich mein Selbstwertgefühl im Job stärken, ohne hart zu werden?

Mit inneren Grenzen: Nimm Feedback an, das dir hilft, und lass Stimmung beim anderen. Der Satz „Spannend, wie du das siehst“ gibt dir Zeit zum Sortieren.

Was hilft, wenn ich alles auf mich beziehe?

Sag innerlich: „Stopp. Das ist meine Interpretation, keine Tatsache.“ Frag dann: „Was könnte bei der anderen Person los sein?“ So kommst du raus aus der Ich-Falle.

Kann ein Job das Selbstwertgefühl kaputt machen?

Ja, vor allem wenn du dich dauerhaft klein, übersehen oder abgewertet fühlst. Das Umfeld wirkt leise, aber stark, und kann dich schwerer oder leichter machen.

Welche kleine Routine stabilisiert mich nach einem stressigen Tag?

Drei kurze Fragen helfen: Was war heute wirklich meins, was war eher Stress anderer, was mach ich nächstes Mal anders. Das trainiert Abstand und schützt dein Selbstwertgefühl im Job.

 

Brigitte Kleinhenz
Über die Autorin

Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach sowie Karriere Coach und Stärken Mentorin für berufliche Balance. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung – in einem männerdominierten Unternehmen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.

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Bilder und Grafiken mit einer Canva Pro Lizenz genutzt. ©Canva

Fotos: Sabine Kristan