Viele Jahre hätte ich nicht gesagt: „Ich bin introvertiert.“ Ich dachte eher: Mit mir stimmt was nicht – ich bin halt zu schüchtern, zu ruhig, zu wenig. Dabei habe ich als Kind genau das geliebt: abtauchen in Bücherwelten, träumen, Zeit für mich – und ich war damit völlig fein. Erst viel später (und ehrlich gesagt durch einen Satz im Coaching) ist bei mir der Groschen gefallen: Ah! Das hat einen Namen. Und ich bin nicht falsch. In diesem Beitrag erzähle ich dir meine Geschichte – und warum diese Erkenntnis für mich wie ein Befreiungsschlag war.
Jahrelang dachte ich: Ich bin einfach zu schüchtern
Viele, viele Jahre wusste ich nicht, dass ich introvertiert bin. Woher auch? Niemand hatte mir gesagt, dass ich eine stille Frau bin.
Meine Kindheit: Bücher, Träume und gerne meine Ruhe
Als Kind habe ich mich gerne in meine Karl May Bücher vertieft, in den wilden Westen „gebeamt“ und von den Weiten der Prärie geträumt.
Als Mädchen träumte ich wie so viele vom eigenen Pferd und das war für mich die schönste Art mir diesen Traum zu erfüllen.
Meine Mutter musste mich nachmittags nach den Hausaufgaben regelrecht „aus dem Haus jagen“, damit ich mich mit anderen Jugendlichen getroffen habe.
Ich weiß gar nicht, wie oft wir Jungs und Mädels im Wald ein „Lager gebaut“ haben, mit Blätterdächern und einem imaginären Lagerfeuer.
Unsere Fahrräder waren unsere Pferde und wir sind über die Feldwege „geritten“ als wenn eine ganze Horde Indianer hinter uns her wäre. 😊
Und wenn es mir nicht nach Gesellschaft war, dann bin ich zu meiner Oma, habe mich mit Kuchen und Kakao verwöhnen lassen oder war im Garten alleine auf der Schaukel. Und habe es genossen.
„Aus dir muss mehr rauskommen“ und was das mit mir gemacht hat
Damals wussten die Erwachsenen noch nichts von Introversion. Mir wurde immer gesagt ich sei zu schüchtern und soll mir doch mal was zutrauen und aus mir rausgehen.
Die hatten leicht reden. Keiner konnte mir sagen, wie das geht. Und als Reaktion auf solche Sätze habe ich mich nur noch mehr in meine Welt zurückgezogen.
Lasst mir doch einfach meine Ruhe, war oft meine Reaktion, je älter ich wurde.
Berufswahl: Was macht mir Spaß und was will ich auf keinen Fall?
Als es dann um einen Ausbildungsberuf ging, war ich überfordert. Was macht mir Spaß?
Von fremden Ländern träumen.
Also dachte ich mir Reiseverkehrskauffrau wäre etwas für mich.
Doch zum damaligen Zeitpunkt war keine Ausbildungsstelle zu finden.
Ich hätte es sogar auf mich genommen täglich 50 km mit der Bahn nach Würzburg zu fahren.
Keine Chance. Die Stellen waren einfach viel zu rar.
Ich machte einen Ferienjob in einem Industriebetrieb um mal in einen Betrieb reinzuschnuppern.
Nach 4 Wochen wusste ich, was ich definitiv nicht wollte. Kein großes Unternehmen, in dem ich mir vorkam wie eine „Nummer auf einer Stechkarte“.
Die gab es damals tatsächlich schon. Als mir dort nach meiner Bewerbung ein Ausbildungsplatz angeboten wurde, lehnte ich ab.
Ich hatte parallel ein Angebot einer kleinen Firma mit knapp 200 Mitarbeitern, da fühlte ich mich schon beim Vorstellungsgespräch wohler.
Komfortzone in der Ausbildung: Verantwortung, Respekt und Wachstum
Zuckerschlecken war die Ausbildung keine.
Einerseits war es sehr interessant, da ich viele Bereiche in kurzer Zeit kennenlernen durfte.
Andererseits durfte ich von Anfang an sehr viel Verantwortung übernehmen.
Das hat zwar meinen Selbstwert aufgebaut, aber ich hatte einen Heidenrespekt davor, wenn ich als „Stift“ mit viel Geld in der Tasche zur Bank gelaufen bin.
Die Gedanken, was machst du, wenn dich jetzt jemand überfällt oder dir nur ansieht, dass du tausende von Mark (war also vor dem Euro) in der Tasche hast, waren immer präsent.
Aber mit jedem Mal wurde es besser und ich wurde selbstbewusster.
Wenn ich so darüber nachdenke, bin ich damals das erste Mal mit meiner Komfortzone in Kontakt gekommen und durch die „Botengänge“ über mich hinausgewachsen.
Nach einigen Wochen fühlte es sich nicht mehr seltsam an und ich ging ganz stolz durch die Stadt zur Bank.
Sollten doch die Räuber kommen, ich schlag sie in die Flucht. 😉
Überlege mal, wann du das erste Mal in deinem Leben deine eigene Komfortzone als stille Frau verlassen hast.
Und wie hast du dich danach gefühlt?
Nach meiner Ausbildung wollte ich weiter lernen und bin in einen anderen Betrieb gewechselt, einem noch kleineren.
Dort lernte ich erneut viel dazu doch mir war gut nie gut genug.
Also fing ich an nebenberuflich meinen Betriebswirt zu machen.
Und dann kam der Knall: Die Baukonjunktur lag am Boden und ich war die einzig ledige Angestellte im Haus, also hieß es: Du darfst gehen.
Puhh, gerade 21 Jahre jung.
Eben die eigene Wohnung bezogen und plötzlich stehst du auf der Straße.
Da wurde mir erst mal ganz schön mulmig.
Aber ich bin eine Macherin und hadere nicht lange.
Nach dem ersten Schock nahm ich mein Leben wieder selbst in die Hand und bewarb mich.
Innerhalb von zwei Wochen hatte ich plötzlich zwei Angebote, nicht zuletzt wegen meiner Weiterbildung und das obwohl ich eine stille Frau bin. 🙂
Bei meinen Vorstellungsgesprächen hörte ich auf meinen Bauch und entschied mich für einen größeren Betrieb als bisher.
Dort konnte ich mich zunächst voll und ganz auf mein eingegrenztes Aufgabengebiet konzentrieren.
Die vielen neuen Gesichter und Namen kosteten mich schon Anstrengung genug.
Gesichter kann ich mir ja sehr gut merken.
Auch nach vielen Jahren checke ich sofort, wenn mir schon mal jemand begegnet war.
Aber die Namen dazu?
Das kostet viel Energie. Warum wusste ich nicht.
Nach Abschluss meiner Weiterbildung zog es mich zur nächsten Fortbildung und wieder zur nächsten.
Ich konnte nicht erklären, warum ich der Meinung war in jedem neuen Bereich eine Weiterbildung zu brauchen.
Es macht mir einfach Spaß Neues zu lernen. Interessante Menschen kennen zu lernen und nicht, wie viele andere Kollegen, auf dem „Stuhl zu kleben“ auf dem sie sich vor Jahren gesetzt haben und erstarrt sind.
Nachdem ich zwölf Jahre im Vertrieb gearbeitet hatte, davon alleine acht Jahre im Sekretariat der Vertriebsleitung, hatte ich Lust Neuland zu entdecken.
Ich wechselte in die Personalabteilung und dort blühte ich auf.
Ich konnte endlich meine Talente und Stärken richtig einsetzen.
Was soll ich sagen, auch hier wollte ich weiterkommen und bei meinem Praxisstudium zur Berufspädagogin kam ich das erste Mal mit Coaching in Berührung und war fasziniert.
Oder besser gesagt: Infiziert. 😊
„Ich bin was?!“ der Satz, der bei mir alles verändert hat
Ein Coach unterstützt dich dabei eine berufliche oder private Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten und durch prozessorientierte Fragen Anregungen zu neuen Lösungsansätzen zu finden.
Dabei bleibst du als Klient immer Experte für dein Anliegen und der Coach Experte für die Prozesssteuerung.
Ich ging auf die Suche nach einem guten Anbieter für eine Coachingausbildung.
Denn wenn ich von einer Idee begeistert bin, dann bleibe ich an dem Thema dran.
Nach wenigen Wochen sagte mein Coach zu mir:
„Brigitte, du darfst loslassen. Du musst nicht alles in der Hand haben. Du bist introvertiert, lass los.“
„Ich bin was?“ Ich habe meinen Coach angeschaut wie ein „Eichhörnchen, wenn es blitzt“.
ICH INTROVERTIERT ?
Eine stille Frau? Nee…(fränkisch für Nein)
Der Satz ließ mich das ganze Schulungswochenende nicht los und ich recherchierte, was hinter Introversion steckt.
Und endlich hatte ich die Lösung, die ich soooo viele Jahre gesucht hatte.
Es passte „wie die Faust auf’s Auge“.
Was ich über Introversion gelernt habe (und warum das so erleichtert)
Ich lernte, dass ich auch als introvertierte, also stille Frau, richtig bin, so wie ich bin und enorme Stärken habe, die mir bisher nie als Stärken bewusst waren.
Dass bei Introvertierten die neurobiologischen Abläufe anders laufen als bei Extrovertierten hat mich erstaunt.
Der Mensch, das unbekannte Wesen.
Unser Nervensystem, also das der Intros, ist auf Konzentration, Selbstreflexion und Lernen ausgerichtet.
Kein Wunder also, dass ich mir selbst nicht gut genug war und immer mehr dazu lernen will.
5 Stärken von Introvertierten
Stärke 1 – Konzentration
Wir fokussieren all unsere Energie gerne auf ein Thema, das gerade ansteht.
Da bleiben wir hartnäckig dran, bis es zu einem für uns guten Ergebnis kommt.
Wobei wir uns aber gerne mit unserem Hang zum Perfektionismus selbst im Weg stehen.
Stärke 2 – Zuhören
Wir sind gute Zuhörer und merken auch Zwischentöne, die andere Gesprächspartner nicht gleich merken.
Und auch hier ist es so, dass wir durch unsere Introversion die Dinge viel mehr durchdenken müssen.
Stärke 3 – Ruhepool
Introvertierte ruhen in sich.
Zumindest wirkt es nach außen so.
Auch wenn wir mal aufgeregt sind.
Das beruht darauf, dass wir uns besonders gut auf die Gespräche konzentrieren und wenn wir einen Beitrag zum Gespräch leisten, dann hat der „Hand und Fuß“ und ist gut durchdacht.
Stärke 4 – Einführungsvermögen
Wir können uns sehr gut in unser Gegenüber hineinversetzen.
Die Gefühle die dort entstehen, können wir sehr gut nachvollziehen.
Was zur Folge hat, dass wir gleichzeitig Konflikten eher aus dem Weg gehen und friedlich leben wollen.
Stärke 5 – Ausdauer
Wir Intros haben einen langen Atem.
Wenn wir etwas wollen, bleiben wir dran und lassen uns von Hindernissen nicht so schnell aus der Bahn werfen.
Geduld haben ist eine Gabe, die sehr stark wirkt.
Zu wissen, dass ich eine stille Frau bin, wie ich ticke und vor allem warum ich so ticke war für mich ein Befreiungsschlag.
„Mein Tanzbereich“ als Introvertierte
Ich wusste endlich, warum mir Krimis am Sonntagabend ein Gräuel sind und viel lieber mit einer romantischen Liebesgeschichte von Rosamunde Pilcher das Wochenende ausklingen lasse.
Kennst du noch den Satz von Patrick Swayze aus dem Film Dirty Dancing
„Das ist mein Tanzbereich und das ist dein Tanzbereich.“
Der hat mich 1987 schon fasziniert. Warum wusste ich damals nicht.
Für mich ist das inzwischen ein Symbol der Abgrenzung von anderen. In meinen Tanzbereich lasse ich Menschen, die mir gut tun.
Alle anderen müssen draußen bleiben.
Bis heute suche ich mir meine Freunde sehr sorgfältig aus und lasse nur diejenigen in „meinen Tanzbereich“, mit denen ich mich sehr verbunden fühle.
Meine echten Freunde lassen sich an zehn Fingern abzählen.
Das ist bei vielen Introvertierten so.
Wer aber eine stille Frau als Freundin hat, kann sich sehr glücklich schätzen.
Sie sind treu, hören zu und machen ab und an auch mal eine verrückte Idee der extrovertierten Freunde mit.
Wenn es der eigene Energielevel zulässt.
Auch wenn es nur aus dem Grund ist, damit ich als Intro wieder mal so richtig aus meiner Komfortzone komme.
Meine Einladung an dich: Genieße deine stille Art und wachse trotzdem
Genieße es eine introvertierte Frau zu sein und schau‘ mal, wo du heute deine Komfortzone erweitern kannst.
Denn daran wächst du. Viel Spaß dabei. 😊
Schreib mir gerne im Kommentar, wo du dich aus deiner Komfortzone getraut hast.
Das interessiert mich wirklich.
Lass deinen Schmetterling fliegen.
Deine Brigitte
Wenn du beim Lesen gemerkt hast: Ja, das bin ich. Introvertiert, sensibel für Stimmungen, schnell voll im Kopf und oft länger am Grübeln, als dir lieb ist, dann musst du da nicht alleine durch.
Im Balance-Gespräch schauen wir gemeinsam auf deine aktuelle Situation: Was bringt dich gerade aus dem Gleichgewicht? Wo passt du dich zu sehr an? Und was würde dir wirklich guttun, im Job und im Alltag?
Du bekommst erste Impulse, die zu dir passen (nicht zu irgendeinem „Du musst halt lauter sein“).
Hier geht’s zu deinem kostenfreien Balance-Gespräch. Ich freue mich auf dich.
Hallo, ich bin Brigitte,
Stärken Mentorin für berufliche Balance und systemischer Coach. Ich begleite Frauen, die merken, dass ihr Job nicht mehr ganz zu ihnen passt und unterstütze sie dabei, ihre leise, kraftvolle Seite neu zu entdecken. Gemeinsam gestalten wir ein Berufsleben, das Sinn macht, guttut und sich echt anfühlt. Schritt für Schritt, ohne alles auf den Kopf zu stellen.
Introvertiert im Beruf zu sein heißt nicht „zu leise“ oder „zu wenig“. Es heißt oft: Du denkst gründlich nach, arbeitest konzentriert und bist trotzdem schneller erschöpft von Meetings, Smalltalk oder Dauer-„On“-Modus. In diesem Beitrag zeige ich dir konkret, wie du deine Stärken sichtbar machst, dich in Gesprächen besser behauptest und deinen Arbeitsalltag so gestaltest, dass du nicht ständig über deine Grenzen gehst.
Introvertiert im Beruf in einer extrovertierten Arbeitswelt – und trotzdem geht es nicht ohne
Als introvertierter Mensch in einer extrovertierten Arbeitswelt bist du tagtäglich gefordert.
Auf der einen Seite sind die Aufgaben, die du gerne, kompetent und zügig erledigen willst.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch die Herausforderungen mit den lauten, extrovertierten Kollegen.
Wer sich mit Steve Wozniak, dem Mitbegründer von Apple schon mal näher beschäftigt hat, weiß, dass er introvertiert ist und sich selbst zusätzliche Ruhe und Privatsphäre gönnt, damit er Spitzenleistungen vollbringen kann.
Gerade in der heutigen, schnelllebigen Zeit brauchen wir entsprechende Räume, die es Menschen erlaubt, sich zeitweise in Interaktionen mit Kollegen zu bewegen.
Das findet aktuell zumeist lediglich in der Mittagspause in der Kantine statt.
Auf der anderen Seite muss es die Möglichkeit geben, sich in persönliche Arbeitsbereiche zurückzuziehen um konzentriert oder alleine arbeiten zu können.
Das ist bei den heutigen Großraumbüros so gut wie unmöglich.
Flexible Arbeitsräume und ruhige Zonen
Einige Firmen haben den Wert der Einzelarbeit aber bereits verstanden.
Sie schaffen „flexible“ Arbeitsräume die sich aus ruhigen Zonen, „Marktplätzen“ als Treffpunkte, Lounges aber auch Leseräumen und Digitalzentren zusammensetzen.
In denen können sich die Kollegen miteinander unterhalten, ohne den Arbeitsfluss der Stillen zu stören. Microsoft hat zum Beispiel für viele Angestellte ein eigenes Büro.
Sie können aber durch Schiebetüren und mobile Wände entscheiden, wann es jeweils notwendig ist mit anderen zusammen zu arbeiten, oder sich alleine zum Nachdenken zurückzuziehen.
Von diesen neuen Arbeitsformen profitieren nicht nur wir Introvertierten sondern auch Extrovertierte, die entsprechende Rückzugsmöglichkeiten bekommen.
Produktivität in Großraumbüros
Der Amerikaner Tom DeMarco, einer der Partner der Unternehmensberatungsfirma Atlantic Systems Guild und sein Kollege Timothy Lister haben eine Studie über die Produktivität von Mitarbeitern in Großraumbüros durchgeführt.
Demnach mindern Großraumbüros die Produktivität und beeinträchtigen das Gedächtnis.
Und nicht nur das, sie machen Menschen sogar krank, unmotiviert und unsicher.
Mitarbeiter in Großraumbüros leiden viel mehr unter hohem Blutdruck, erhöhtem Stress und sind anfälliger für Grippe.
Außerdem führen sie weniger persönliche oder vertrauliche Gespräche und befürchten, dass Kollegen ihre Telefongespräche belauschen.
Großraumbüros machen krank
Durch die Vielzahl an Mitarbeitern in Großraumbüros sind diese oft lautem und unkontrollierbarem Gesprächslärm ausgesetzt, die Herzfrequenz erhöht sich, das Stresshormon Cortisol wird vermehrt ausgeschüttet und Menschen werden aggressiv und weniger hilfsbereit.
Susan Cain beschreibt in ihrem Buch „Still“ von einer Untersuchung mit 38.000 Angestellten, quer durch alle Bereiche.
Der Umstand, in seiner Arbeit unterbrochen zu werden, sei demnach eines der größten Hindernisse für die Produktivität.
Viele Introvertierte scheinen das instinktiv zu wissen und wehren sich dagegen in Großraumbüros zu arbeiten.
Kreativität braucht kreatives Umfeld
Gerade kreative Menschen brauchen eine kreative Umgebung. Sie ziehen Winkel und Nischen vor, in denen sie sich zurückziehen und für sich sein können.
Reebok hat zum Glück vor dem Neubau seine Mitarbeiter gefragt, was sie sich wünschen und so erfahren, dass die Ruhe und Frieden brauchen um sich konzentrieren zu können.
Wenn persönlicher Freiraum eine zwingende Voraussetzung für Kreativität ist, so gilt das auch für die Freiheit vom „Gruppendruck“.
Oder ist es womöglich eine Temperaments-Sache, ob ich gerne alleine oder im großen Büro mit vielen Kollegen arbeite?
Professor Jerome Kagan, einer der großen Entwicklungspsychologen aus Harvard, hat die Gehirne von Introvertierten und Extrovertierten untersucht, um den Ursprüngen des menschlichen Temperaments auf die Schliche zu kommen.
Er widmete sich mit seiner Forschung der emotionalen und kognitiven Entwicklung von Kindern.
Er hat viele bahnbrechende Langzeitstudien gemacht vom Säugling bis zur Jugend und Persönlichkeitsmerkmale dokumentiert.
Die Persönlichkeit ist demnach ein sehr komplexes Gebilde, das sich erst herausbildet, nachdem persönliche Erfahrungen als Kind und Jugendlicher und auch gesellschaftliche Einflüsse dazukommen.
Demnach könnte man sagen: Temperament ist das Fundament und die Persönlichkeit das darauf gebaute Haus.
Introvertierte reagieren sensibler auf äußere Reize wie Lärm, Unterbrechungen oder auch auf eine Besprechung mit vielen Menschen.
Dabei brauchen Introvertierte und Extrovertierte oft einen verschieden hohen Grad an Stimulation, um in Höchstform zu kommen.
Geräuschempfindlichkeit sehr unterschiedlich
Bei einem sehr bekannten Experiment gab man Introvertierten und Extrovertierten eine schwierige Aufgabe und bat sie durch Ausprobieren das dahinterliegende Prinzip herauszufinden.
Während des Experiments trugen alle Versuchspersonen Kopfhörer über die Geräusche eingespielt wurden.
Sie durften die Lautstärke so einstellen, dass es für sie „genau richtig“ war. Interessanterweise wählten die Extrovertierten einen Geräuschpegel von 72 Dezibel.
Die Introvertierten dagegen einen Geräuschpegel von 55 Dezibel. Gleichzeitig wurden die Herzfrequenzen beider Versuchsgruppen gemessen.
Beide Gruppen schnitten gleich gut bei den Lösungen ab.
Danach wurden die Introvertierten und Extrovertierten mit den jeweiligen Geräuschpegeln der anderen Gruppe in der zuvor bevorzugten Stärke ausgesetzt.
Also der hohe Geräuschpegel bei den Introvertierten und der niedrigere bei den Extrovertierten.
Der hohe Geräuschpegel hatte bei den Introvertierten eine Leistungssenkung zur Folge und gleichzeitig brauchten sie im Schnitt 9,1 statt zuvor 5,8 Versuche, um die Lösung zu finden.
Die Extrovertierten dagegen brauchten 7,3 statt 5,4 Versuche, die sie bei der höheren Lautstärke gebraucht hatten.
Das zeigt sehr beeindruckend, dass sich Introvertierte ihre Energie aus der Stille holen.
Mitarbeiterbindung wichtiger denn je
Firmenbosse tun also gut daran, sich zu überlegen, wie sie künftig ihre Mitarbeiter positiv beeinflussen und stimulieren können und die dafür notwendigen Räume schaffen.
Denn so können beide, extrovertierte und introvertierte Mitarbeiter optimal arbeiten, ihre Kreativität zum Blühen und das Unternehmen vorwärts bringen.
Ich möchte behaupten, dass viele Fehltage reduziert werden, wenn Mitarbeiter in die Planungen neuer Arbeitsbereiche einbezogen und gefragt werden, was ihnen wichtig ist.
In Zeiten des Fachkräftemangels wird dies sicherlich noch wichtiger werden.
Also Ihr Chefs da draußen, wacht endlich auf und tut euren Unternehmen und Mitarbeitern etwas Gutes.
Aktuell läuft vom Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO die Studie »TEAMAS«. Mit Hilfe der Studienergebnisse wird erforscht, welchen Einfluss die Arbeitsumgebung auf Teams und Teamarbeit hat. Führungskräfte können so herausfinden, wie erfolgreich Ihre Teamarbeit war und wie gut Ihr Arbeitsumfeld für Teamarbeit geeignet ist.
Menschen die erkannt haben, wann sie sich energiegeladener und lebendiger fühlen, haben die Kraft, Jobs zu verlassen, die sie erschöpfen.
Sie werden etwas Neues beginnen, das ihnen mehr Spaß macht.
Es wäre doch schade wenn du deswegen deine guten Mitarbeiter verlierst.
Introvertierte Mitarbeiter sind wichtige Eckpfeiler deines Unternehmens.
Lass diesen „Schmetterling“, wie ich die Introversion gerne nenne, frei fliegen und nutze deren Stärken.
Hallo, ich bin Brigitte,
Stärken Mentorin für berufliche Balance und systemischer Coach. Ich begleite Frauen, die merken, dass ihr Job nicht mehr ganz zu ihnen passt und unterstütze sie dabei, ihre leise, kraftvolle Seite neu zu entdecken. Gemeinsam gestalten wir ein Berufsleben, das Sinn macht, guttut und sich echt anfühlt. Schritt für Schritt, ohne alles auf den Kopf zu stellen.
Du fragst dich, ob du introvertiert bist, weil du dich nach einem Arbeitstag oder Treffen mit Freunden oft ausgelaugt fühlst?
Und viel lieber zuhörst als redest und auch viel Zeit für dich brauchst?
In diesem Artikel erfährst du 11 typische Anzeichen für Introversion.
Damit du dich selbst besser verstehst und Frieden mit dir und deiner Persönlichkeit schließen kannst.
Was bedeutet es eigentlich, introvertiert zu sein?
Introvertiert zu sein heißt nicht, schüchtern oder unsozial zu sein.
Sondern dass man Energie aus der Ruhe, dem Alleinsein und dem Nachdenken zieht.
Während Extrovertierte aufblühen, wenn sie unter Menschen sind, brauchen Introvertierte Rückzug, um ihre Batterien aufzuladen.
Introvertierte Menschen beobachten oft erst, bevor sie sprechen.
Sie denken gerne tief über Dinge nach.
Mögen echte Gespräche statt Small Talk und fühlen sich in großen Gruppen schnell überreizt.
Es geht also weniger um „nicht können“, sondern um eine andere Art, die Außenwelt zu verarbeiten.
Introvertiert im Beruf
In der doch eher Männer dominierenden Arbeitswelt findest du auch heute noch Frauen meist als Sachbearbeiterin oder als Gruppenleiterin.
Wenn es eine Frau bis zur Abteilungsleiterin schafft, heißt es gleich „Die hat Haare auf den Zähnen“ oder sie muss doppelt so gut sein, wie ein männlicher Mitbewerber.
Warum ticken wir so?
Warum wird Frauen nicht das Potential zugestanden?
Und warum stellen wir Frauen unser Potential immer selbst „unter den Scheffel“, verkaufen uns unter Wert?
Oder ist das gar kein reines Frauenthema?
Extrovertierten Menschen, egal ob männlich oder weiblich, wird oft zugeschrieben, dass sie sich gut verkaufen können.
Aber wenn man hinter die Fassade blickt, ist es oft mehr Schein als Sein.
Viele Introvertierte verstecken sich vor sich selbst.
Wie also sollen sie in der Arbeitswelt als potentielle Kandidaten für Führungsaufgaben gesehen werden.
Wir leben heute nun mal in einem Wertesystem, das vom „Ideal der Extraversion“ geprägt ist.
Der Idealmensch einer Führungskraft soll gefälligst ein Alphatier sein, sich „auf der Bühne“ wohl fühlen und alle mitziehen.
Gesprächige oder redegewandtere Menschen werden meist als interessanter und klüger eingeschätzt.
Und auch die Lautstärke und Sprechgeschwindigkeit spielt hier eine entscheidende Rolle.
Und das, obwohl zwischen Redegewandtheit und guten Ideen keinerlei Zusammenhang besteht.
Wie soll ich da als ein introvertierter Mensch mithalten können?
Introvertierte Menschen werden in der Gesellschaft mit einem „Makel“ stigmatisiert.
Dabei hat Susan Cain hat in ihrem Buch „Still“ die enorme Kraft der Introvertierten aufgezeigt.
Wer heute Attribute wie Empfindsamkeit, Ernsthaftigkeit oder Schüchternheit mitbringt, gilt als leicht zu beherrschende Führungspersönlichkeit die von den extrovertierten Mitarbeitern als schwache Führungskraft gesehen wird.
Aber was wäre die heutige Welt ohne die Introvertierten, die Erfindungen und Ideen in die Welt gebracht haben, ohne die wir ärmer wären:
Die Gravitationstheorie von Newton und auch Einsteins Relativitätstheorie gäbe es nicht.
Die beiden Informatiker, die Google entwickelt haben.
Oder stellt euch mal vor, ohne Joanne K. Rowling hätte es Harry Potter nie gegeben.
Was wäre uns da verloren gegangen.
Und trotz, oder vielleicht auch gerade wegen ihrer Introversion haben Eleanor Roosevelt und Mahatma Gandhi das erreicht, was sie erreichten.
Heute werden populäre Youtube-Stars wie die deutsche Pamela Reif im Bereich Fitness und Workout gefeiert oder Bianca Heinicke mit ihrem Beauty- und Fashionkanal BibisBeautyPalace verehrt.
Viele weibliche Jugendliche wollen so sein wie sie.
Sie werden unglücklich und womöglich depressiv, weil sie als introvertierte Menschen gefühlt nicht die Chance haben, so zu sein wie ihre Lieblingsstars.
Und das nur, weil sie sich selbst und ihre enormen Stärken verleugnen.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich als junges Mädchen immer wieder aufgefordert wurde: „Lass deine Bücher liegen, geh‘ raus“ und „Du musst aus deinem Schneckenhaus kommen“.
Kein Wunder, dass ich mich irgendwie „fehl am Platz“ gefühlt habe und meinen sicheren Panzer nicht verlassen wollte.
Stärken von Introvertierten und warum du stolz auf dich sein kannst
Stärke Nummer 1:
Denken
Als Intro denkst du zunächst über ein Problem nach und willst es im Detail verstehen, bevor du mit einer Lösung kommst.
Das dauert zwar etwas länger als bei extrovertierten Kollegen, aber deine Lösung hat Hand und Fuß und ist gut durchdacht.
Stärke Nummer 2:
Reden
Introvertierte reden nur, wenn sie wirklich etwas zu sagen haben.
Und überlegen sich genau, wie sie es sagen.
Sie treiben damit ihren Chef schon mal in die Verzweiflung, wenn der in einer Teamrunde bereits drei Punkte weiter ist.
Oft drücken sich auch besser schriftlich als mündlich aus.
Stärke Nummer 3:
Zuhören
Intros sind hervorragende Zuhörer.
Sie hören auch zwischen den Zeilen und spüren die emotionalen Schwingungen.
Stärke Nummer 4:
Fragen
Intros lieben tiefgehende Gespräche.
Nicht den oberflächlichen Smalltalk der keine Ergebnisse bringt.
Sie können Fragen stellen, viele Fragen.
Bis sie wissen, was sie wissen wollen.
Stärke Nummer 5:
Konflikte
Intros gehen Konflikten gerne aus dem Weg und lieben Harmonie und eine angenehme Arbeitsumgebung.
Stärke Nummer 6
Selbsttreue
Intros bleiben sich und ihrem eigenen Stil treu.
Sie hauen nicht auf den Tisch, um ihre Ziele zu erreichen.
Sie machen es auf die leise Art.
Stärke Nummer 7
Energie
Intros lieben es Energie in Tätigkeiten zu stecken, die ihnen liegen und wachsen dabei über sich selbst hinaus.
Stärke Nummer 8
Perfektion
Intros sind ausgeprägte Perfektionisten.
Mit einer 80/20-Regel brauchst du ihnen erst gar nicht zu kommen.
Das ist für sie nicht gut genug.
Wenn andere schon längst sagen das ist perfekt, dann finden Intros immer noch etwas zu verbessern.
Gib ihnen eine Aufgabe und sie lösen sie einfach perfekt. Also gut für die Bereiche, in denen es auf Perfektion ankommt.
Stärke Nummer 9
Nachdenklich
Intros denken viel und lange nach.
Das ist ein essenzieller Bestandteil ihrer selbst.
Das Endlosband in ihrem Kopf, die neuronalen Feuerwerke sind dabei auch anstrengend.
Und abstellen lassen sie sich leider nicht.
Intros denken immer.
Stärke Nummer 10
Ruhe
Vor vielen Jahren habe ich gesagt bekommen „In der Ruhe liegt die Kraft“.
Dass das für uns Intros wortwörtlich gilt, war mir damals nicht bewusst.
Wir schöpfen unsere Kraft tatsächlich aus der Ruhe, die uns umgibt.
Wir können uns stundenlang nur mit uns alleine beschäftigen und brauchen keinen Menschen dazu.
Stärke Nummer 11
Schüchtern
Intros werden oft als schüchtern bezeichnet.
Oder schüchterne Menschen als Introvertierte.
Aber das stimmt nicht.
Hinter Schüchternheit steckt eine Angst, von anderen abgelehnt zu werden.
Dagegen ist bei einer introvertierten Person die Aufmerksamkeit eher nach innen gerichtet.
Schüchternheit tut immer weh.
Introversion dagegen nicht.
Schade, dass diese beiden Begriffe Introversion und Schüchternheit immer über einen Kamm geschert werden, weil sie sich teilweise überschneiden.
Die schüchterne Extrovertierte Barbara Streisand hat eine große Persönlichkeit, leidet aber unter lähmendem Lampenfieber.
Dagegen ist Bill Gates nicht schüchtern, aber introvertiert und bleibt lieber für sich und pfeift auf die Meinung der anderen.
Natürlich gibt es auch Introvertierte, die zusätzlich auch noch schüchtern sind, das will ich gar nicht bestreiten. Aber . . .
Wir dürfen nicht alle Intros in den gleichen Topf werfen
Auch nicht jeder Bücherwurm ist zwingend ein introvertierter Mensch, genauso wenig, wie jeder Partylöwe unbedingt extrovertiert sein muss.
Schon C. G. Jung hat bemerkt, dass es keine Reinform der Extraversion oder Introversion gibt sondern immer nur Mischformen.
Die Reinform würde seiner Ansicht nach im Irrenhaus landen.
Dass viele Introvertierte zusätzlich noch hochsensibel sind, ist eine weitere Ausprägung.
Diese Menschen haben ein ausgeprägtes Gewissen und wurden als Kinder oft als „schüchtern“ betrachtet.
Wenn sie im Mittelpunkt stehen, werden sie nervös.
Es ist gut so, dass wir sind, wie wir sind.
Und irgendeinen Grund wird es schon haben, dass es das Persönlichkeitsmerkmal Introversion gibt.
Du bist einzigartig, so wie du bist und was wäre die Welt ohne dich als Introvertierte?
Wir sollten diesen „Schmetterling“, wie ich die Introversion gerne nenne, viel positiver bewerten und unsere Stärken nutzen und auch selbstbewusst zeigen.
Also, lass deinen introvertierten Schmetterling fliegen und sei stolz darauf.
Deine Brigitte
Hallo, ich bin Brigitte,
Stärken Mentorin für berufliche Balance. Ich begleite Frauen, die merken, dass ihr Job nicht mehr ganz zu ihnen passt und unterstütze sie dabei, ihre leise, kraftvolle Seite neu zu entdecken. Gemeinsam gestalten wir ein Berufsleben, das Sinn macht, guttut und sich echt anfühlt. Schritt für Schritt, ohne alles auf den Kopf zu stellen.
Stärken Mentorin für berufliche Balance und systemischer Coach. Ich begleite Frauen, die merken, dass ihr Job nicht mehr ganz zu ihnen passt und unterstütze sie dabei, ihre leise, kraftvolle Seite neu zu entdecken. Gemeinsam gestalten wir ein Berufsleben, das Sinn macht, guttut und sich echt anfühlt. Schritt für Schritt, ohne alles auf den Kopf zu stellen.
Viel Spaß hier auf meinem Blog.
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