Introvertiert bedeutet: Du tankst Energie in Ruhe und Stille auf, nicht im sozialen Trubel. Und das ist auch definitiv keine Schwäche oder eine Krankheit, sondern ein stabiles, wertvolles Persönlichkeitsmerkmal.
Du hast nach Berufen für Introvertierte gesucht. Oder irgendjemand hat dich als „zu ruhig“ oder „introvertiert“ bezeichnet.
Und jetzt fragst du dich: Stimmt das überhaupt?
Bin ich wirklich introvertiert, oder bin ich einfach nur gerade platt?
Gute Frage. Und eine, die sich viel mehr Frauen stellen, als du denkst.
Denn Introversion wird im Alltag ständig mit etwas verwechselt: mit Schüchternheit, mit Erschöpfung.
Aber auch mit Hochsensibilität oder mit einem Burnout, der sich langsam einschleicht, bis du irgendwann im Bett liegst und denkst: Ich will einfach nur meine Ruhe.
Schauen wir also mal gemeinsam hin.
Was Introversion wirklich bedeutet und was nicht
Introvertiert zu sein ist keine Eigenschaft, die du im Lauf der Zeit „entwickelt“ hast, weil dein Job dich fertigmacht.
Es ist Teil deiner Persönlichkeit, vermutlich sogar, seit du denken kannst.
Das Knackpunkt und sozusagen der Kern ist: Introvertierte laden ihre Energie in Ruhe auf.
Nicht im Alltagstrubel, nicht in langen Besprechungen, nicht beim geselligen Feierabendbier mit dem ganzen Team.
Sondern alleine, in Ruhe, mit ein paar ausgewählten Menschen oder mit einer Aktivität, die sie wirklich interessiert.
Das hat auch nichts damit zu tun, ob du Menschen magst.
Viele introvertierte Frauen lieben ihre Kolleginnen, gehen gerne mit ihnen essen, lachen laut.
Sie merken danach nur: Sie brauchen Zeit für sich, um wieder sie selbst zu sein und innerlich zur Ruhe zu kommen.
Extrovertierte hingegen tanken auf, wenn viel um sie rum los ist.
Sie kommen aus einem langen Teamtag und haben mehr Energie als vorher.
Klingt erst mal einfach, ist es auch.
Und trotzdem bringt es unglaublich viel, wenn du das einmal klar für dich erkennst.
Der Selbsttest: Wie es sich bei dir anfühlt
Lies die folgenden Aussagen in Ruhe durch.
Es gibt kein Richtig oder Falsch.
Nur: Ja, das trifft auf mich zu, oder eher nicht.
Im Alltag
- Nach einem langen Tag mit vielen Menschen brauchst du Zeit alleine, bevor du dich wieder gut fühlst.
- Du denkst lieber länger nach, bevor du etwas sagst, besonders in Menschengruppen.
- Du arbeitest am besten, wenn du konzentriert und ohne Unterbrechungen arbeiten kannst.
- Smalltalk strengt dich an. Tiefe Gespräche mit Einzelnen dagegen nicht.
- Du hast lieber wenige, dafür echte Freundschaften als viele lockere Bekanntschaften.
Im Beruf
- In großen Besprechungen sagst du weniger. Nicht etwa, weil du nichts zu sagen hast, sondern weil der Moment seltener passt.
- Wenn du ein Problem durchdenken willst, brauchst du Ruhe und kein Brainstorming in der Gruppe.
- Du bereitest dich lieber schriftlich vor, als spontan zu reagieren.
- Nach einem Tag voller Telefonate oder Präsentationen bist du nicht nur müde, du fühlst dich innerlich leer, wie ein Akku.
- Du sprichst deine besten Ideen oft nicht laut aus, weil die Schnelleren schon weiterreden.
Wenn du bei den meisten Aussagen genickt hast, ja, dann bist du wahrscheinlich introvertiert.
Und keine Angst, das ist jetzt nichts Schlimmes, sondern schlicht die Art, wie dein inneres Energiesystem funktioniert.
Und wenn ich einfach nur erschöpft bin?
Das ist die Frage, die ich am häufigsten höre.
Erschöpfung und Introversion fühlen sich manchmal ähnlich an.
Du willst deine Ruhe, du magst grade keine Menschen um dich herum und brauchst Abstand.
Aber es gibt einen wichtigen Unterschied.
Introversion ist stabil.
Sie verändert sich nicht grundlegend, egal wie gut es dir geht.
Auch in deinen stärksten, kreativsten Phasen wirst du nach einem vollen Tag mit Menschen um dich herum Erholung brauchen.
Erschöpfung dagegen ist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt.
Dass du zu lange zu viel gegeben hast.
Dass der Job, die Rolle, die du im Beruf hast oder der Alltag an dir zehrt.
Wenn du nach zwei Wochen Urlaub wieder Lust hast, die Kollegen und Freunde zu treffen, dich auf keine Arbeitskollegen freust, auf Austausch, dann warst du vermutlich erschöpft und nicht introvertiert.
Oder wenn du auch nach einem echtem Erholen immer noch lieber alleine arbeitest und Energie in der Stille tankst: Das ist deine Persönlichkeit.
Und es kann auch beides gleichzeitig sein.
Du kannst introvertiert sein und gleichzeitig auch erschöpft und müde.
Dann verstärken sich die beiden Effekte und du hast das Gefühl, du möchtest dich in dein Schneckenhaus verziehen und grade niemandem begegnen.
Falls du gerade an dem Punkt bist, empfehle ich dir meinen Artikel über Reizbarkeit und Dünnhäutigkeit im Alltag.
Da geht es genau darum, was passiert, wenn du zu lange gegen deine Natur arbeitest.
Was ist mit Hochsensibilität?
Es gibt noch eine Verwechslung, die häufig vorkommt.
Hochsensibilität bedeutet, dass du Reize intensiver verarbeitest als andere: Geräusche, Stimmungen, Licht, die Gefühle der Menschen um dich herum.
Du merkst mehr, du fühlst intensiver und du brauchst danach mehr Erholung.
Das klingt auch nach Introversion und viele hochsensible Menschen sind tatsächlich auch introvertiert.
Aber das eine bedingt nicht das andere.
Es gibt hochsensible Extrovertierte, die Energie aus Kontakten mit anderen Menschen ziehen, aber trotzdem nach äußeren Reizen schneller überwältigt sind.
Wenn du das Gefühl hast, nicht nur von Menschen, sondern auch von Lärm, von vollen Räumen, von Konflikten oder emotional schnell überwältigt zu werden, dann könnte Hochsensibilität ein Thema für dich sein, das über Introversion hinausgeht.
Was ändert sich, wenn du weißt, wer du bist?
Vieles.
Wenn du weißt, dass du introvertiert bist, hörst du auf, dich für deine Pausen zu entschuldigen.
Du bittest nicht mehr um Verständnis, sondern planst Erholungszeit einfach ein.
Du bereitest Präsentationen so vor, dass du sicher bist und nicht weil du dich versteckst, sondern weil du so am stärksten in dir ruhst und rüber bringst, was wichtig ist.
Du weißt, welche Jobs und welche Arbeitsumgebungen zu dir passen.
Und auch, welche dich auf Dauer aufreiben.
Wenn du dazu mehr wissen möchtest, schau gerne in meinen Artikel Berufe für Introvertierte.
Er zeigt dir, wo deine Art zu arbeiten wirklich gut passt.
Auch, wie du besser darin wirst, deinen Bedürfnissen Ausdruck zu geben, ohne laut zu werden, sondern klar auf den Punkt.
Und auch nicht als Entschuldigung, sondern als Information für dein Team und deinen Chef: So arbeite ich am besten.
Und jetzt?
Falls du gerade das Gefühl hast: Okay, ich bin introvertiert, aber ich weiß trotzdem nicht so recht, ob mein Job noch zu mir passt, dann ist der nächste Schritt einfach.
Mach den kostenfreien Job-Test.
In vier Minuten siehst du, wie gut dein Job gerade wirklich zu dir und deiner Persönlichkeit passt.
Ohne langes Nachdenken und keiner großen Analyse, einfach als eine ehrliche Einschätzung und als Ausgangspunkt.
Denn manchmal ist das Gefühl „Ich pass da irgendwie nicht hin“ kein Anzeichen, dass du falsch bist, sondern dass du im falschen Arbeitsumfeld bist.
Das ist ein wichtiger Unterschied. Und ein großer.
Herzliche Grüße
Brigitte
Mehr zum Thema Introversion im Beruf findest du auch hier:
- Introvertiert sein: Warum deine Ruhe deine Stärke ist
- Introvertierte Frauen im Beruf: leise Stärken, große Wirkung
- Introvertiert oder extrovertiert? Finde deinen Persönlichkeitstypen im Job
Bilder und Grafiken mit einer Canva Pro Lizenz genutzt. ©Canva
Fotos: Sabine Kristan
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