Viele Bewerberinnen fragen sich, ob sie ihre Kinder in der Bewerbung angeben müssen. In diesem Artikel erfährst du, welche Angaben freiwillig sind, welche Fragen unzulässig sind und wie du selbstbewusst deine Rechte nutzt, ohne dich zu rechtfertigen.
Kinder in der Bewerbung angeben oder weglassen? So triffst du deine Entscheidung
Du sitzt abends vor dem Laptop. Die Kinder schlafen endlich.
Am Bildschirm die Stellenausschreibung, die seit Tagen in deinem Kopf rumspukt.
Der Job passt. Fachlich, menschlich, von den Aufgaben her, ein echtes „Ja“.
Du füllst das Online-Formular aus, bist fast fertig und dann kommt sie:
Die Frage nach Kindern.
„Haben Sie Kinder?“
Pflichtfeld mit Sternchen.
In deinem Kopf geht sofort das Kopfkino los:
Wenn ich „Ja“ schreibe, bin ich dann direkt raus?
Wenn ich es weglasse, bin ich unehrlich?
Darf ich das überhaupt?
Genau darüber sprechen wir und sortieren.
Die wichtigste Botschaft zuerst:
Du bist rechtlich nicht verpflichtet, deine Kinder im Bewerbungsprozess anzugeben.
Lass uns das jetzt mal Schritt für Schritt anschauen.
Warum dieses Thema so viele Bewerberinnen unter Druck setzt
Viele Mütter (und auch Väter) erleben Bewerbungen so:
Du bist schon voller Selbstzweifel, weil du vielleicht einige Jahre in Elternzeit warst.
Oder weil du weißt, dass die Kita um 16 Uhr schließt.
Oder weil du dich fragst, ob dich jemand noch „voll einsetzbar“ sieht.
Und dann steht da schwarz auf weiß:
„Bitte geben Sie Ihre Kinderzahl an.“
Oder im Lebenslauf-Feld: Familienstand, Kinder.
In deinem Bauch fühlt sich das an wie eine Falle.
Du willst fair sein.
Du willst nicht „tricksen“.
Gleichzeitig willst du nicht, dass dein ganzes Profil auf diese eine Info reduziert wird:
Kinder = weniger flexibel = zu riskant.
Genau hier liegt das Problem:
Nicht du bist „schwierig“.
Viele Strukturen sind es, die immer noch zu wenig auf echte Vereinbarkeit ausgelegt sind.
Rechtliche Grundlage: Kinder sind Privatsache, du hast Schutz
Bevor wir tiefer einsteigen, atme einmal durch: Deine Kinder sind Teil deines Privatlebens. Und genau dieser Bereich ist rechtlich geschützt.
Lass uns die rechtliche Seite einmal in Ruhe sortieren, ohne Paragrafen-Dschungel, ohne Juristen-Deutsch.
Es geht nur darum, dass du verstehst:
- Was ein Arbeitgeber fragen darf.
- Was er eben nicht fragen darf.
- Und welche Rechte du hast, wenn sich doch jemand in dein Privatleben einmischt.
Du musst dafür kein Gesetzbuch auswendig können.
Es reicht, wenn du grob weißt: Ich habe Rechte. Ich darf meine Grenzen ziehen. Und das Gesetz steht dabei auf meiner Seite.
Keine Pflicht, Kinder im Lebenslauf oder Anschreiben zu erwähnen
Es gibt keine gesetzliche Pflicht, in der Bewerbung Kinder oder deinen Familienstand anzugeben.
Niemand kann verlangen, dass du diese Infos preisgibst.
Weder im Lebenslauf noch im Anschreiben musst du schreiben, ob du Kinder hast, wie alt sie sind oder ob du verheiratet bist.
Diese Angaben sind freiwillig.
Das bedeutet:
Du darfst sie nennen, wenn es sich für dich gut anfühlt, aber du musst es nicht.
Du machst deswegen nichts falsch, bist auch nicht unehrlich, wenn du diesen Teil einfach weglässt.
In deinen Unterlagen darf der Fokus ganz klar auf dir als Fachkraft liegen: auf deinem Können, deiner Erfahrung und dem, was du in den Job einbringen möchtest.
Das heißt:
- Du darfst deinen Lebenslauf einfach auf Qualifikationen, Erfahrungen und Fähigkeiten fokussieren.
- Kinder, Familienstand, Religionszugehörigkeit, Staatsangehörigkeit gehören zu den freiwilligen Angaben.
Und freiwillig heißt:
Du entscheidest. Nicht das Formular, nicht der mögliche Arbeitgeber.
Im Gespräch: Fragen nach Kindern sind unzulässig
Im Vorstellungsgespräch sieht es ähnlich aus wie in der schriftlichen Bewerbung.
Auch hier gilt: Deine Kinder gehören zu deinem Privatleben.
Fragen wie
- „Sind Sie schwanger?“
- „Haben Sie Kinder?“
- „Wie alt sind Ihre Kinder?“
- „Ist die Betreuung sicher?“
- „Planen Sie noch weitere Kinder?“
sind in der Regel unzulässig, weil sie keine Rolle dafür spielen, ob du den Job fachlich gut machen kannst.
Es geht im Gespräch darum, ob deine Erfahrung, deine Art zu arbeiten und deine Fähigkeiten zu der Stelle passen und nicht darum, wie dein Familienalltag aussieht.
Du bist nicht verpflichtet, solche Fragen zu beantworten.
Du darfst ausweichen, die Frage zurück auf deine Qualifikation lenken oder freundlich darauf hinweisen, dass dieser Bereich privat ist.
Und wichtig: Wenn solche Fragen trotzdem gestellt werden, hast nicht du etwas falsch gemacht, die Frage deines Gesprächspartners ist das Problem, nicht du.
Der rechtliche Hintergrund ist das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Es schützt insbesondere Frauen vor Benachteiligung wegen Schwangerschaft, Mutterschaft und Familienplanung.
Niemand ist verpflichtet, in seinem Bewerbungsschreiben zu erwähnen, dass er oder sie Kinder hat. „Es kann Ihnen keiner einen Strick daraus drehen, wenn Sie das nicht erwähnen“, sagt Volker Görzel. Er ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln und Mitglied im Verband deutscher Arbeitsrechtsanwälte (VDAA).
Unzulässige Fragen im Vorstellungsgespräch: Kinder, Schwangerschaft und Familienplanung
„Dein Recht zur Lüge“, was das heißt
Klingt heftig, ist aber wichtig:
Bei unzulässigen Fragen hast du laut Rechtsprechung sogar ein „Recht zur Lüge“.
Das heißt für dich:
- Fragt jemand nach Schwangerschaft oder Kinderwunsch, obwohl das nicht erlaubt ist, darfst du aus Schutzgründen eine unzutreffende Antwort geben, ohne dass dir später daraus rechtliche Nachteile entstehen.
Das ist ein Schutzmechanismus, weil die Frage schon nicht ok war.
Was du wirklich angeben musst und was ganz klar Privatsache ist
Pflichtangaben: Was in die Bewerbung gehört
Bevor wir über all die Dinge sprechen, die du nicht erzählen musst, lass uns kurz schauen, was wirklich in jede Bewerbung gehört.
Das gehört in jede deiner Bewerbungen:
- Dein Name und deine Kontaktdaten
Also Anschrift, E-Mail-Adresse, Telefonnummer. So kann dich das Unternehmen erreichen, wenn sie dich einladen möchten.
- Dein beruflicher Werdegang
Welche Jobs hast du bisher gemacht? In welchem Zeitraum? Welche Aufgaben hattest du dort?
Das zeigt, was du schon kannst und wo du Erfahrung gesammelt hast.
- Deine Ausbildung und Abschlüsse
Schule, Ausbildung, Studium, Weiterbildungen. Alles, was für die Stelle wichtig ist.
Es geht nicht darum, alles aufzuzählen, sondern das, was zu dem Job passt, den du jetzt willst.
- Relevante Kenntnisse und Fähigkeiten
Zum Beispiel Programme, Sprachen, Fachwissen oder besondere Schwerpunkte.
Also das, was dir im Alltag im Job wirklich hilft und dem Arbeitgeber zeigt: „Die Person kann direkt loslegen.“
- Ein stimmiges Anschreiben (wenn gewünscht)
Hier erklärst du kurz:
Warum passt diese Stelle zu dir?
Was bringst du mit, wovon das Unternehmen profitiert?
Es muss kein Roman sein, sondern einfach, ehrlich und auf den Punkt.
Wichtig ist:
Diese Infos müssen stimmen und dürfen keine Lücken oder Täuschung enthalten.
Wenn dieses Grundgerüst steht, ist deine Bewerbung vollständig.
Auch dann, wenn du nichts zu Kindern oder Familienstand schreibst.
Denn genau das ist der Kern: Deine Qualifikation. Und die darf im Mittelpunkt stehen.
Familienstand in der Bewerbung: Welche Angaben wirklich nötig sind
Familienstand und Kinder: gehören nicht zur Eignung
Familienstand und Kinder gehören zu den privaten Informationen. Sie sagen nichts darüber aus, ob du:
- strukturierte Prozesse aufbauen kannst
- ein Team führen kannst
- Kunden gut betreuen kannst
- Verantwortung übernimmst
Deshalb gelten sie als freiwillige Angaben.
Du kannst sie nennen, musst es aber nicht.
Wann Arbeitgeber die Infos später brauchen und warum das in Ordnung ist
Jetzt zum Alltag-Part:
Ja, irgendwann wird dein Arbeitgeber merken, dass du Kinder hast.
Und das ist vollkommen in Ordnung.
Spätestens wenn es um so Dinge geht wie Urlaubsplanung in den Schulferien, spontane Anrufe aus der Kita oder den klassischen „Der kleine Mensch hat Fieber“-Tag, wird klar: Du hast Familie.
Auch dann taucht das auf:
- bei der Steuerklasse und Kinderfreibeträge
- wenn du Teilzeit oder ein bestimmtes Arbeitszeitmodell wählst
- wenn du mal früher gehen musst, weil kein anderer einspringen kann
Das ist nichts, wofür du dich schämen oder klein machen musst.
Es zeigt nur: Du bist ein Mensch mit Leben außerhalb des Büros, so wie viele andere auch.
Wichtig ist nur der Zeitpunkt:
Für die Entscheidung, ob du den Job bekommst, müssen deine Kinder nicht im Vordergrund stehen. Da geht es um deine Qualifikation.
Wenn ihr dann später zusammenarbeitet, darf deine Familiensituation ganz normal Teil der Abstimmung werden.
Kurz gesagt, diese Infos werden erst nach Vertragsschluss relevant für den Arbeitgeber.
Dann geht es um Verwaltung, Lohnabrechnung, Organisation und nicht mehr darum, ob du „es wert“ bist, eingestellt zu werden.
Typische Situationen und mögliche Antworten
Schauen wir uns jetzt ein paar Szenen an, wie sie im echten Leben passieren.
In Online-Portalen, in echten Gesprächen, mit echten Menschen auf der anderen Seite des Tisches.
Also genau die Momente,
- in denen du plötzlich ins Stocken kommst,
- in denen sich in deinem Bauch alles zusammenzieht,
- in denen du später auf dem Heimweg denkst: „Darauf hätte ich gern anders geantwortet.“
Genau diese Situationen schauen wir uns an.
Und ich gebe dir ein paar mögliche Antworten mit an die Hand, die du dir innerlich „abspeichern“ kannst, als kleine Stütze, wenn es ernst wird.
Online-Formulare und Pflichtfelder: Wie du mit Fragen nach Kindern umgehst
Du bist im Bewerbungsportal und dort steht: „Bitte geben Sie Anzahl und Alter Ihrer Kinder an.“
Du hast jetzt mehrere Optionen:
- Option 1: Feld freilassen, sofern es nicht technisch erzwungen ist.
- Option 2: „Keine Angabe“, wenn du etwas eintragen musst.
- Option 3: Nur „Familienstand“ angeben, Kinder weglassen, wenn beides in einem Feld steht.
Wenn du dich dabei innerlich unruhig fühlst, dann noch mal für dich zur Erinnerung: Du hältst dich an deine Rechte. Du bist nicht unfair.
Du schützt einfach deine Chancen davor, dass jemand vorschnell urteilt.
Wenn im Gespräch direkt nach Kindern gefragt wird
Du sitzt im Gespräch, es läuft rund.
Die Chemie passt gut, du hast ein paar starke Antworten gegeben, ihr lacht sogar zwischendurch.
Und dann kommt sie. Diese eine Frage, die dir den Boden kurz wegzieht:
„Haben Sie Kinder?“
„Wie alt sind Ihre Kinder?“
In deinem Kopf rattert es sofort:
Was sage ich jetzt?
Wenn ich ehrlich bin, bin ich dann direkt raus?
Wenn ich nichts sage, wirkt das komisch?
Genau an diesem Punkt darfst du erst mal innerlich einen kleinen Stopp setzen.
Du musst nicht sofort lossprudeln.
Du darfst kurz atmen, dir bewusst machen: Das ist eine private Frage.
In solchen Momenten hast du mehrere Möglichkeiten:
Je nach Tagesform und Bauchgefühl kannst du so reagieren:
Variante 1: freundlich zurückspielen
„Darf ich kurz nachfragen, ob das für die Stelle relevant ist?“
So machst du deutlich: Du hast verstanden, dass das privat ist. Und du erwartest eine faire Begründung.
Variante 2: Humorvolle Antwort
„Ich wusste gar nicht, dass das eine Anforderung für diese Position ist. Habe ich diesen Punkt im Stelleninserat etwa überlesen?“
Variante 3: auf den Job lenken
„Organisatorisch bin ich sehr gut aufgestellt, mir ist vor allem wichtig, dass wir über meine Aufgaben und Verantwortung in dieser Rolle sprechen.“
Du beantwortest nicht direkt die Kinderfrage, sondern die verborgene Sorge des Arbeitgebers: Ist diese Person verfügbar und verlässlich?
Wenn so eine Frage auftaucht, heißt das nicht, dass du „schuld“ bist oder etwas falsch gemacht hast.
Es zeigt nur, wie normal solche Fragen leider immer noch gestellt werden.
Und genau deshalb ist es so wertvoll, wenn du ein, zwei Sätze parat hast, mit denen du dich und deine Grenze schützen kannst.
Wenn nach Familienplanung oder Kinderwunsch im Bewerbungsgespräch gefragt wird
Fragen wie:
- „Planen Sie in nächster Zeit Kinder?“
- „Sind weitere Kinder geplant?“
sind so ziemlich der Klassiker bei ungeschulten Gesprächspartnern.
Sie sind nicht zulässig und du dürftest hier theoretisch sogar bewusst eine ungenaue Antwort geben.
Wenn du dich damit aber unwohl fühlst, kannst du auch so reagieren:
„Meine aktuelle Planung passt sehr gut zu dieser Position. Mir ist besonders wichtig, dass ich mich hier fachlich einbringe und langfristig Verantwortung übernehmen kann.“
Damit sagst du im Grunde:
Ich bin da, ich bin motiviert, Fokus bitte auf meine Qualifikation.
Wenn du dich überrumpelt fühlst und wann du hellhörig werden solltest
Wenn dir jemand im Gespräch so eine unzulässige Frage stellt, musst du auch nicht brav schweigen.
Schweigen wirkt oft wie ein „Okay, erwischt“. Und genau das ist es nicht.
Du darfst in so einem Moment lügen, ohne dass du später Ärger befürchten musst.
Wichtiger Punkt ist ein anderer:
Häufen sich solche nicht zulässigen Fragen, ist das ein großes Warnsignal für dich.
Denn dann zeigt sich schon im Gespräch, wie dort mit Grenzen umgegangen wird.
Frag dich lieber:
Will ich wirklich in einem Unternehmen arbeiten, das schon im Bewerbungsgespräch so in mein Privatleben reingreift?
Deine Zeit und Energie sind kostbar und du darfst sehr genau hinsehen, wem du deine Arbeitskraft, Energie und Zeit gibst.
Wenn du überrumpelt wurdest
Es gibt Momente, da ist man einfach platt.
Du gehst aus dem Gespräch und denkst:
Warum habe ich darauf geantwortet?
Selbst wenn du mehr erzählt hast, als du wolltest, heißt das nicht, dass du „schuld“ bist.
Es zeigt eher, wie normalisiert solche Fragen leider noch sind.
Was du tun kannst:
- Für das nächste Gespräch zwei, drei Sätze vorbereiten, mit denen du zurück auf deine Stärken lenkst.
- Nach dem Gespräch kurz aufschreiben, welche Fragen sich nicht gut angefühlt haben. Als Erinnerung für später.
So wächst Stück für Stück deine innere Sicherheit.
Nicht, weil du „perfekt“ antwortest, sondern weil du deine Grenzen besser kennst.
Eltern im Bewerbungsprozess: So schützt du deine Privatsphäre und deine Chancen
Innerer Konflikt: Kinder in der Bewerbung verschweigen, ist das unehrlich?
Viele Mütter kämpfen nicht nur mit den Strukturen, sondern auch mit sich selbst.
Typische Gedanken:
- „Wenn ich meine Kinder nicht erwähne, wirke ich nicht authentisch.“
- „Wenn ich auf die Frage ausweiche, bin ich nicht ehrlich.“
- „Ich will doch, dass man mich mit allem sieht.“
Warum so viele sich fast entschuldigen, dass sie Kinder haben
Wir leben in einer Arbeitswelt, in der volle Verfügbarkeit oft noch als Ideal gilt.
Überstunden, kurzfristige Einsätze, lange Dienstreisen, das ist in vielen Köpfen noch die Norm.
Als Mutter sendest du – ob du willst oder nicht – das Signal:
„Ich habe auch noch ein Leben außerhalb dieses Jobs.“
Und weil uns so oft vermittelt wurde, dass das ein Problem ist, entsteht schnell Scham und Angst nicht zu genügen.
Der Unterschied: Lügen aus Angst gegenüber Schutz deiner Privatsphäre
Es ist ein Unterschied, ob du:
- bei beruflichen Fakten trickst (falsche Abschlüsse, erfundene Jobs) Das ist absolut keine gute Idee und ein No-Go.
- oder ob du private Infos schützt, die rechtlich gar nicht abgefragt werden dürfen.
Dein Privatleben gehört dir. Auch im Bewerbungsprozess.
Wenn jemand in einen Bereich geht, der laut Gesetz geschützt ist, ist es nicht deine Aufgabe, mit radikaler Offenheit zu „retten“, was das Gesetz eigentlich verhindern will.
Bewerbung als Mutter: Kinder nicht angeben und trotzdem authentisch bleiben
Dein Perspektivwechsel ist wichtig: Du schützt dich
Statt „Ich täusche“, kannst du innerlich sagen: „Ich setze einen Filter.“
- Ein Filter gegen Arbeitgeber, die Eltern als Risiko sehen.
- Ein Filter gegen Strukturen, die nur 24/7 verfügbar denken.
- Ein Filter zugunsten von Jobs, in denen man dich als ganze Person sieht.
Das ist nicht Egoismus, sondern deine gesunde Selbstachtung.
Die Vorteile, wenn du deine Grenzen schützt
Was passiert, wenn du deine Rechte kennst und sie auch wirklich nutzt?
Du gehst ganz anders in einen Bewerbungsprozess.
Du sitzt nicht mehr wie „bitte, nehmt mich, ich brauch den Job“, sondern viel mehr wie „wir schauen jetzt beide, ob wir zueinander passen“.
Wenn du deine Grenzen schützt, verschiebst du den Fokus: weg von deiner Familiensituation, hin zu deiner Kompetenz.
Der Arbeitgeber sieht zuerst deine Erfahrung, deine Art zu arbeiten, deine Ergebnisse und nicht deine Sorge, ob Kinder „zu viel“ sein könnten.
Du gewinnst innere Ruhe, weil du weißt, du musst dich nicht erklären.
Du darfst entscheiden, was du teilst.
Und du merkst viel schneller, ob ein Unternehmen dich als erwachsene Person ernst nimmt oder ob du dort ständig damit rechnen musst, dich rechtfertigen zu müssen.
Auf den Punkt gebracht: Deine Grenzen zu schützen heißt nicht, eine Mauer hochzuziehen, sondern deinen Wert zu achten.
Und genau das strahlst du dann nach außen aus.
In deinem Anschreiben, im Gespräch und am Ende auch in deinen Chancen.
Fokus auf deine Stärken
Wenn du Kinder aus der Bewerbung rauslässt, bekommt der Arbeitgeber zuerst das zu sehen, was eigentlich zählt:
- deine Erfahrung
- deine Kompetenzen
- deine Ergebnisse
Du gibst dir selbst die Chance, erst mal fachlich zu überzeugen, bevor alte Bilder über „Mütter im Job“ dazwischenfunken.
Du erkennst früher für dich, wie familienfreundlich ein Unternehmen wirklich ist
Ein spannender Nebeneffekt:
Wenn ein Unternehmen sehr früh sehr neugierig auf dein Privatleben ist, ist das ein Hinweis.
- Wird nach Betreuungszeiten gebohrt, ohne dass es wirklich relevant ist?
- Wird die Frage nach Kindern fast vor die fachlichen Fragen gestellt?
Das sind Signale, die sollten dich aufhorchen lassen.
Das heißt nicht, dass du dort nie glücklich werden kannst, aber sie zeigen dir, wo der Schwerpunkt liegt.
Besseres Standing in Gehaltsverhandlungen
Wer sich selbst nicht klein macht, verhandelt anders.
Wenn du innerlich schon das Gefühl hast:
- „Ich bin wegen der Kinder ein Risiko.“
- „Ich sollte dankbar sein, dass mich überhaupt jemand will.“
dann gehst du automatisch mit weniger Selbstwert im Bewerbungsgespräch in die Gehaltsverhandlung.
Wenn du dagegen weißt:
„Ich bringe starke Leistung und meine Kinder sind privat organisiert.“
dann fällt es leichter zu sagen:
- „Das ist mein Marktwert.“
- „Dieses Gehalt passt zu meiner Verantwortung.“
Wann Offenheit über Kinder trotzdem sinnvoll sein kann
Es geht nicht darum, Kinder grundsätzlich zu verschweigen oder so zu tun, als gäbe es diesen Teil deines Lebens nicht.
Kinder sind wichtig, sie prägen deinen Alltag, deine Werte, oft auch deine Art zu arbeiten.
Die Frage ist eher: Wann fühlst du dich sicher genug, um offen darüber zu sprechen und wem gegenüber?
Am Anfang eines Bewerbungsprozesses darf der Fokus ganz klar auf deiner Qualifikation liegen.
Auf deinem Können, deiner Erfahrung, deiner Art, Aufgaben zu lösen.
In dieser Phase ist es völlig okay, wenn du deine Familie aus dem Bild rauslässt.
Nicht, weil sie dir peinlich ist, sondern weil sie für die Entscheidung „passt du fachlich auf diese Stelle?“ erst einmal keine Rolle spielt.
Offenheit kann dann sinnvoll werden,
- wenn du das Gefühl hast: Hier werde ich als Mensch gesehen, nicht nur als Arbeitskraft.
- wenn klar wird, dass das Unternehmen wirklich familienfreundlich arbeitet und nicht nur damit wirbt.
- wenn es um konkrete Arbeitszeiten, Homeoffice oder Teilzeitmodelle geht und du schauen willst, ob ihr euch da gut einigen könnt.
Dann kann ein Satz wie
„Ich habe Kinder und mir ist wichtig, dass Job und Familie nebeneinander gut laufen können“
sogar helfen, ein ehrliches Gespräch zu führen.
Es geht also weniger um „geheim halten“ oder „alles auf den Tisch legen“, sondern um bewusste Entscheidungen:
- Was teile ich wann?
- Was fühlt sich für mich stimmig an?
- Wo werde ich mit meiner ganzen Lebensrealität willkommen sein und wo eher nicht?
Genau diese innere Haltung macht den Unterschied.
Wenn ein Arbeitgeber echte Familienfreundlichkeit lebt
Manche Unternehmen leben Vereinbarkeit wirklich.
Nicht nur als Text auf der Karriereseite.
Hinweise können sein:
- flexible Arbeitszeitmodelle, die auch wirklich genutzt werden
- offene Kommunikation über Teilzeit, Homeoffice, Gleitzeit
- Führungskräfte, die selbst Familie haben und sichtbar dazu stehen
In so einem Umfeld kann es sich gut anfühlen, später im Prozess offen über Familie zu sprechen.
Nicht als Rechtfertigung, sondern als Teil deines Lebens, das mitgedacht werden darf.
Wie du Kinder später im Prozess positiv einfließen lassen kannst
Beispiele, wie du das später einbringst:
- „In den letzten Jahren habe ich Familie und Beruf gut organisiert. Diese Erfahrung hat meine Planungs- und Priorisierungs-Fähigkeiten massiv geschärft.“
- „Durch meine Kinder habe ich eine neue Art Gelassenheit und Konfliktfähigkeit gelernt. Das hilft mir im Umgang mit Kunden und Teams.“
Du machst damit eins deutlich:
Kinder sind kein „Defekt“, sie haben dich auch fachlich wachsen lassen.
Mir fällt dazu immer ein ganz alter Werbespot ein, bei dem eine Frau im Vorstellungsgespräch saß und sagte: „Ich führe sehr erfolgreich ein feines, kleines Familienunternehmen.“
Warnsignale, dass Offenheit gegen dich genutzt werden könnten
Wenn ein Arbeitgeber auf Sätze wie:
- „Mein Kind ist in der Kita“
- „Ich habe fixe Abholzeiten“
nur mit Stirnrunzeln, Sprüchen oder Druck reagiert, sollte dich das aufhorchen lassen, denn das ist ein deutliches Zeichen.
Dann ist die Frage nicht:
Wie kann ich mich noch mehr verbiegen?
Sondern eher:
Will ich meine Energie wirklich in genau dieses Umfeld geben?
Mini-Leitfaden für deinen nächsten Bewerbungsprozess
Zum Schluss noch etwas ganz Praktisches.
Ein kleiner Leitfaden, den du wie eine innere Checkliste bei dir tragen kannst.
Egal ob du gerade erst wieder einsteigst oder schon mitten in Bewerbungen steckst.
So etwas wie dein persönlicher „roter Faden“:
- Was ist mir wichtig?
- Wo setze ich meine Grenzen?
- Welche Infos gehören wirklich in die Unterlagen und welche bleiben erst mal bei mir?
Du kannst diese Checkliste vor jeder neuen Bewerbung kurz durchgehen.
Einmal tief durchatmen, alles sortieren und dann sehr bewusst entscheiden:
- Was schreibe ich in den Lebenslauf?
- Wie formuliere ich mein Anschreiben?
- Wie reagiere ich, wenn im Gespräch Fragen kommen, die mir zu nah gehen?
So gehst du nicht nur fachlich gut vorbereitet in den Prozess, sondern auch innerlich stabiler, mit dem Gefühl:
Ich weiß, was ich darf.
Ich weiß, was ich will.
Und ich darf danach handeln.
Vor dem nächsten Anschreiben
- Lebenslauf checken: Nur Infos, die für die Stelle relevant sind.
- Kinder & Familienstand: Wenn du unsicher bist, weglassen ist absolut erlaubt.
- Anschreiben: Fokus auf deine Stärken, Ergebnisse, Motivation für genau diese Stelle.
Drei Sätze für unzulässige Fragen
Leg dir drei Sätze zurecht, die sich für dich stimmig anfühlen.
Zum Beispiel:
1. „Für die Rolle selbst bin ich sehr gut aufgestellt, fachlich und organisatorisch. Mir ist wichtig, dass wir darüber sprechen.“
2. „Das gehört zu meinem privaten Bereich, den ich gut geregelt habe. Gerne erzähle ich mehr zu meiner Erfahrung im Projekt XY.“
3. „Meine Verfügbarkeit passt zu den Anforderungen dieser Stelle, sonst hätte ich mich nicht beworben.“
Diese Sätze holen dich aus der Falle „Ich muss mich rechtfertigen“ raus.
Sie bringen das Gespräch zurück dahin, wo du glänzt.
Ermutigender Abschluss für dich
Du bist keine Bittstellerin.
Du klopfst nicht schüchtern an irgendeine Tür und hoffst, dass dich „jemand nimmt“.
Du bringst Erfahrung mit. Und Tempo. Und Herz.
Du hast schon tausend Dinge gleichzeitig jongliert: Job, Kinder, Alltag und stehst trotzdem wieder auf, wenn es eng wird. Das ist kein kleines Extra, das ist echte Stärke.
Im Bewerbungsprozess geht es deshalb nicht darum, ob du „gut genug“ bist.
Es geht darum, ob ihr zueinander passt: du und das Unternehmen.
Du suchst eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Ein Umfeld, in dem man dich ernst nimmt, dir zuhört, deine Zeit respektiert.
Einen Job, bei dem du dich einbringen darfst, ohne dich zu verbiegen oder ständig erklären zu müssen, warum du neben der Arbeit auch noch ein Leben hast.
Du bewirbst dich also bitte nicht als Bittstellerin.
Du gehst in diesen Prozess als Partnerin auf der Suche nach einem fairen Gegenüber.
Mit dem klaren Gefühl: Ich habe etwas Wertvolles zu geben und ich darf mir sehr genau aussuchen, wem ich das gebe.
Du darfst:
- deine Kinder lieben und deinen Beruf ernst nehmen
- deine Privatsphäre schützen
- Jobs ablehnen, die dich nur als Problemfall sehen.
Und du darfst Bewerbungen so schreiben, dass zuerst das sichtbar wird, was du alles kannst, nicht, was andere in deine Situation hineinlesen.
Dein Alltag fühlt sich an wie ein Jonglier-Act mit zu vielen Bällen?
Lass uns einen Ball nach dem anderen wieder in die richtige Bahn bringen, ohne, dass einer auf deinen Kopf fällt.
Hol dir jetzt dein Balance-Gespräch und gönn deinem Leben ein kleines Upgrade.
Disclaimer
Dies ist keine rechtsverbindliche Auskunft, da ich keine Rechtsanwältin bin. Die in diesem Artikel veröffentlichten Rechtsgrundlagen wurden sorgfältig zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Aktualität, sachliche Richtigkeit oder Vollständigkeit. Eine entsprechende Gewähr wird nicht übernommen. Insbesondere übernehme ich als Brigitte Kleinhenz keinerlei Haftung für eventuelle Schäden oder Konsequenzen, die durch die direkte oder indirekte Nutzung der bereitgestellten Inhalte entstehen.
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FAQ: Kinder in der Bewerbung angeben und deine wichtigsten Fragen
- Muss ich meine Kinder in der Bewerbung angeben?
Nein, du musst deine Kinder in der Bewerbung nicht angeben. Kinder sind Privatsache und gehören nicht zu den Pflichtangaben im Lebenslauf oder Anschreiben.
- Gehören Kinder in den Lebenslauf?
Nein, Kinder gehören rechtlich nicht in den Lebenslauf, du kannst sie aber freiwillig nennen. Wenn du unsicher bist, lass die Angabe zu Kindern in der Bewerbung weg und fokussiere dich auf deine beruflichen Stärken.
- Darf im Vorstellungsgespräch nach Kindern oder Familienplanung gefragt werden?
Fragen nach Kindern, Schwangerschaft oder Familienplanung sind in der Regel unzulässig. Sie haben keinen Bezug zu deiner fachlichen Eignung und du bist nicht verpflichtet, darauf zu antworten.
- Was mache ich, wenn das Online-Formular nach Kindern fragt?
Wenn möglich, kannst du das Feld leer lassen oder „keine Angabe“ eintragen. Du bist nicht verpflichtet, Kinder in der Bewerbung anzugeben, nur weil ein Formular das fragt.
- Ab wann muss ich meinem Arbeitgeber sagen, dass ich Kinder habe?
Wirklich relevant wird die Information erst nach der Einstellung, zum Beispiel für Lohnsteuer, Sozialversicherung oder organisatorische Fragen. Für die Entscheidung, ob du den Job bekommst, musst du deine Kinder nicht vorab offenlegen.
- Bin ich unehrlich, wenn ich meine Kinder in der Bewerbung nicht erwähne?
Nein, du nutzt dein Recht auf Schutz deiner Privatsphäre. Unehrlich wäre es, berufliche Qualifikationen zu erfinden, nicht, Kinder in der Bewerbung wegzulassen.








