Warum ich bewusst kein Coaching über die Arbeitsagentur anbiete und weshalb echte Veränderung oft dort beginnt, wo keine Maßnahme greift.

 

„Das zahlt doch die Arbeitsagentur.“

Den Satz hör ich immer wieder, meistens mit hochgezogener Augenbraue. So nach dem Motto: „Warum nimmst du das nicht mit?“

Und ganz ehrlich?

Vor ein paar Jahren hab ich selbst kurz drüber nachgedacht.

Schließlich klingt’s erstmal verlockend. Menschen bekommen Unterstützung. Das Coaching kostet sie nichts direkt. Viele Anbieter werben mit „100 % gefördert“. Klingt bequem, schnell und einfach.

Aber genau da liegt das Problem, das ich damit habe.

Coaching ist für mich keine Maßnahme zum Abhaken.

Es geht nicht darum, dass jemand nach 6 Wochen geschniegelt mit neuem Lebenslauf irgendwo sitzt und denkt: „Naja, Hauptsache wieder Arbeit.“

Ich arbeite anders.

Und genau deshalb biete ich bewusst kein Coaching über die Arbeitsagentur an.

 

 

Wie geförderte Coachings der Arbeitsagentur funktionieren

 

Die Arbeitsagentur oder das Jobcenter vergeben sogenannte AVGS Coachings.

AVGS bedeutet Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein.

Menschen bekommen diesen Gutschein oft dann, wenn sie arbeitslos sind, sich beruflich neu orientieren wollen oder Unterstützung bei Bewerbungen brauchen.

Mit diesem Gutschein können sie zu von der Arbeitsagentur zertifizierten Coaches oder Bildungsträgern gehen. Die Kosten übernimmt dann die Arbeitsagentur.

Das Grundprinzip dahinter ist eigentlich gut gedacht.

Menschen sollen schneller wieder in Arbeit kommen.

Und ja, es gibt Anbieter, die auch wirklich gute Arbeit machen, aber das System selbst bringt oft Probleme mit sich.

 

Das eigentliche Ziel dieser Coachings

Die meisten AVGS Coachings sind auf schnelle Vermittlung ausgelegt.

Das bedeutet:

  • Bewerbungsunterlagen erstellen
  • Vorstellungsgespräche üben
  • Stellen suchen
  • Bewerbungen schreiben
  • Lücken im Lebenslauf „schön“ erklären
  • möglichst rasch wieder in Arbeit kommen

Das Ziel ist also meist nicht: „Was passt wirklich zu dir?“

Sondern eher: „Wie bringen wir dich möglichst schnell wieder in ein Beschäftigungsverhältnis?“

Das ist ein großer Unterschied, vor allem für Menschen, die schon jahrelang funktionieren.

Die morgens mit Bauchweh aufstehen, die Sonntags schlecht schlafen und innerlich längst wissen: „So wie bisher geht’s nicht weiter.“

 

warum keine avgs coachings

KI-generiert

 

 

Wenn Menschen sich selbst aus den Augen verloren haben

 

Ich erinnere mich an eine Klientin, nennen wir sie Sandra.

Sandra war Anfang 40. Seit über 15 Jahren im gleichen Bürojob.

Von außen sah alles super stabil aus:

Ein fester Job, geregeltes Einkommen, nette Kolleg:innen.

Aber innerlich war sie komplett leer.

Sie saß irgendwann morgens vor ihrem Laptop und konnte es nicht mehr aufklappen.

Einfach nur, weil ihr Körper längst die Bremse gezogen hatte.

 

Im AVGS System wäre vermutlich schnell geschaut worden:

„Welche Stellen passen auf Ihren Lebenslauf?“

 

Ich hab mit ihr erstmal an ganz anderen Dingen gearbeitet.

 

  • Warum sie ständig über ihre Grenzen geht.

 

  • Warum sie sich selbst nie ernst nimmt.

 

  • Warum sie immer funktioniert hat, obwohl längst nix mehr ging.

 

Und erst danach kam die berufliche Frage.

Das dauert länger.

Aber genau deshalb verändert sich danach auch wirklich was.

 

Der größte Unterschied zu meinen Coachings

 

Ich arbeite nicht nach einem Maßnahmenplan.

Ich arbeite mit Menschen.

Das bedeutet: Wir schauen nicht nur auf Bewerbungen oder Lebensläufe.

 

Wir schauen auf das Leben dahinter.

 

  • Auf die Muster.

 

  • Auf den Druck.

 

  • Auf die Angst vor Veränderung.

 

  • Auf dieses ständige „Ich muss doch dankbar sein“.

 

Viele Menschen kommen zu mir, nachdem sie jahrelang versucht haben, sich irgendwo reinzupressen.

Sie haben Bücher gelesen, Seminare besucht, sich zusammengerissen.

Und trotzdem drehen sie sich im Kreis.

Und nicht etwa, weil sie zu wenig Wissen für den Job mitbringen, ganz im Gegenteil, sondern weil sie sich selbst unterwegs verloren haben.

Genau da setzt mein Coaching an.

Nicht bei der schnellen Lösung, sondern bei echter Veränderung.

 

Warum ich mich bewusst gegen Förderprogramme entschieden habe

 

Das hat mehrere Gründe.

 

1. Ich möchte frei arbeiten können

 

Geförderte Coachings sind oft stark reguliert.

Es gibt Vorgaben, Zeitfenster, Dokumentationspflichten mit Berichten und Nachweisen.

Teilweise muss jede Sitzung exakt begründet werden.

Das passt nicht zu meiner Arbeitsweise.

Manche Gespräche brauchen Raum.

Manchmal sitzt jemand erstmal 10 Minuten da und weint.

Manchmal entsteht der wichtigste Satz auch erst ganz am Ende.

Dafür brauchts Freiheit und definitiv keine Stoppuhr.

 

2. Veränderung passiert nicht im Formular

 

Viele Menschen haben schon genug Druck erlebt.

Noch mehr Listen, Ziele und Vorgaben helfen da oft nicht.

Wenn jemand seit Jahren nur funktioniert hat, dann braucht er nicht die nächste To-do-Liste, sondern erstmal wieder Zugang zu sich selbst.

Und das passiert selten zwischen Pflichtformularen und Vermittlungsquoten.

 

3. Ich möchte nur mit Menschen arbeiten, die wirklich wollen

 

Das klingt jetzt vielleicht hart, aber ein Coaching wirkt anders, wenn jemand selbst die Entscheidung trifft.

Nicht weil das Amt gesagt hat: „Da gehen Sie jetzt hin.“

Menschen gehen anders in Prozesse rein, wenn sie selbst investieren.

Mit Zeit, mit Energie und mit Verantwortung.

Dadurch entstehen oft viel tiefere Veränderungen.

 

„Aber dann können sich das doch viele gar nicht leisten“

 

Auch das höre ich oft.

Und ja, der Gedanke dahinter ist für mich sehr verständlich.

Trotzdem hab ich mich bewusst dafür entschieden.

Weil ich erlebt hab, wie wertvoll echte Eigenentscheidung ist.

Wenn Menschen sagen: „Ich nehme mich jetzt ernst.“

Dann verändert sich oft schon im ersten Gespräch etwas.

Nicht etwa, weil plötzlich alle Probleme weg sind, sondern weil sie zum ersten Mal wieder merken: „Ich darf mein Leben aktiv gestalten.“

Und genau das fehlt vielen nach Jahren des Funktionierens.

 

Der Unterschied spürt man oft schon im ersten Gespräch

 

Bei klassischen Maßnahmen sitzen Menschen oft da und denken:

„Okay, was muss ich tun?“

Bei mir geht’s eher um: „Was brauchst du wirklich?“

Das verändert die ganze Atmosphäre.

Plötzlich geht’s nicht mehr darum, Erwartungen zu erfüllen, sondern ehrlich hinzuschauen.

Auch auf Dinge, die lange verdrängt wurden.

 

Was mein Coaching stattdessen bieten

 

Meine Arbeit richtet sich an Menschen, die nicht einfach nur „einen neuen Job“ suchen, sondern ein Leben, das sich wieder nach ihnen selbst anfühlt.

 

Das bedeutet oft:

  • eigene Bedürfnisse ernst nehmen

 

  • Grenzen setzen lernen

 

  • alte Muster erkennen

 

  • berufliche Sackgassen verstehen

 

  • Entscheidungen treffen ohne Dauerzweifel

 

  • wieder Vertrauen in sich selbst aufbauen

 

Und ja, manchmal gehört dazu auch ein neuer beruflicher Weg, aber eben nicht als schnelle Flucht, sondern als bewusste Entscheidung.

 

Praxisbeispiel: Vom Dauerstress zur echten Entscheidung

 

Eine Klientin kam zu mir, nachdem sie bereits zwei AVGS Coachings gemacht hatte.

Lebenslauf? Top.

LinkedIn? Perfekt.

Bewerbungsmappe? Geht nicht besser.

Und trotzdem war sie komplett erschöpft.

Warum?

Weil niemand gefragt hatte, warum sie eigentlich ständig Jobs annimmt, die sie kaputt machen.

Wir haben nicht gleich Bewerbungen geschrieben, sondern erstmal verstanden, warum sie immer versucht hat, Erwartungen anderer zu erfüllen.

Ein paar Monate später hat sie sich beruflich neu aufgestellt.

Ruhiger und passender.

Ohne dieses dauernde innere Rennen.

 

Praxisbeispiel: Wenn „schnell wieder funktionieren“ nicht reicht

 

Eine andere Kundin kam direkt nach einem Burnout.

Sie hatte Angst, wieder „nicht belastbar genug“ zu sein.

In klassischen Maßnahmen wäre vermutlich schnell der Fokus auf Wiedereinstieg gelegt worden.

Bei uns ging’s erstmal darum, warum sie ihre Warnzeichen jahrelang ignoriert hat.

Heute arbeitet sie weniger Stunden.

Verdient dadurch weniger wie früher, aber sie schläft wieder ruhig.

Und das war ihr am Ende mehr wert als der nächste Karriereschritt.

 

Coaching ist für mich kein Reparaturbetrieb

 

Menschen sind keine Maschinen.

Man kann nicht kurz irgendwo draufdrücken und erwarten, dass danach alles wieder läuft.

Viele tragen Jahre am Druck, der ständigen Anpassung und Erschöpfung mit sich rum.

Das verschwindet nicht durch einen neuen Lebenslauf.

Deshalb arbeite ich langsamer.

Tiefer, persönlicher und nicht für Masse.

Sondern für echte Veränderung.

Und genau deshalb wirst du bei mir kein durch die Arbeitsagentur gefördertes Coaching finden.

 

Brigitte Kleinhenz
Über die Autorin

Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach sowie Karriere Coach und Stärken Mentorin für berufliche Balance. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung – in einem männerdominierten Unternehmen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.

Kontakt zu mir

Bilder und Grafiken mit einer Canva Pro Lizenz genutzt. ©Canva

Fotos: Sabine Kristan

 

FAQ: Arbeitsagentur Coaching vs. persönliches Coaching

 

Was ist ein AVGS Coaching?

Ein AVGS Coaching ist ein durch die Arbeitsagentur oder das Jobcenter gefördertes Coaching. Ziel ist meist die schnelle berufliche Vermittlung oder Unterstützung bei Bewerbungen.

Warum bieten nicht alle Coaches AVGS Coachings an?

Viele Coaches möchten frei arbeiten und ihre Inhalte individuell gestalten. Förderprogramme bringen oft feste Vorgaben, Berichte und zeitliche Grenzen mit sich.

Was ist der Unterschied zwischen AVGS Coaching und persönlichem Coaching?

Ein AVGS Coaching konzentriert sich häufig auf Arbeitsvermittlung und Bewerbungen. Persönliches Coaching schaut tiefer auf Muster, Belastungen, Entscheidungen und langfristige Veränderungen.

Für wen eignet sich ein persönliches Coaching besonders?

Vor allem für Menschen, die sich beruflich festgefahren fühlen, dauerhaft erschöpft sind oder merken, dass reine Bewerbungstrainings nicht mehr reichen.

Wird persönliches Coaching von der Arbeitsagentur bezahlt?

In den meisten Fällen nein. Persönliches Coaching wird oft privat bezahlt, weil es außerhalb klassischer Fördermaßnahmen stattfindet. Wenn es sich um ein berufliches Coaching handelt, ist das i.d.R. steuerlich als Weiterbildungskosten ansetzbar (in D)

Warum investieren Menschen trotzdem selbst in Coaching?

Weil sie bewusst etwas verändern wollen. Viele erleben gerade durch die eigene Entscheidung mehr Verbindlichkeit und tiefere Entwicklung.