Nach dem Urlaub hast du keine Lust auf Arbeit? Vielleicht vermisst du nicht nur die Sonne und die freie Zeit. Diese 6 Ideen helfen dir herauszufinden, was dir im Berufsalltag fehlt und was du konkret verändern kannst.
Nach dem Urlaub hast du keine Lust auf Arbeit? So rettest du mehr als nur dein schönes Urlaubsgefühl
Du kommst aus dem Urlaub zurück, stellst den Koffer in die Ecke und findest noch Sand in irgendeiner Seitentasche, von der du nicht mal wusstest, dass sie existiert.
Die Fotos auf dem Handy erinnern an wunderschöne, lange Abende, gutes Essen und Tage, an denen du nicht ständig auf die Uhr geschaut hast.
Und dann ist er wieder da, der erste Arbeitstag.
Du öffnest dein Postfach und während die Mails nur so reinrauschen, ist die Erholung gefühlt schon auf dem Rückflug verloren gegangen.
Im Kalender stehen die ersten Meetings, eine Kollegin braucht dringend etwas von dir und die Aufgabe, die du vor dem Urlaub nicht mehr geschafft hast, wartet natürlich auch noch.
Vielleicht denkst du in diesem Moment: „Ich will Urlaub.“
Zurück ans Meer, in die Berge, auf den Balkon oder einfach dahin, wo morgens niemand etwas von dir wollte.
Wenn du nach dem Urlaub keine Lust auf Arbeit hast, bedeutet das nicht automatisch, dass du plötzlich den falschen Job hast.
Der Wechsel von freien Tagen zurück in einen vollen Arbeitsalltag ist nun mal eine Umstellung.
In meinem Artikel zum Stress abbauen vor und nach dem Urlaub habe ich deshalb schon einige Ideen gesammelt, wie du dir genau diesen Übergang leichter machen kannst.
Spannend wird es aber noch an einer anderen Stelle: Was ist, wenn das ungute Gefühl nach zwei oder drei Tagen immer noch nicht verschwindet?
Was ist, wenn du nach jedem Urlaub denkst: „So möchte ich eigentlich nicht noch Jahre weitermachen“?
Dann würde ich nicht nur versuchen, das Urlaubsgefühl länger zu bewahren, sondern auch mal genauer hinschauen, was dir dein Urlaub über deinen Job verraten hat.
Warum dir nach dem Urlaub die Motivation für die Arbeit fehlt
Im Urlaub verändert sich viel mehr als nur dein Aufenthaltsort. Du bestimmst häufiger selbst, wann du aufstehst, was du machst, mit wem du Zeit verbringst und wann du einfach mal gar nix machst.
Vielleicht liest du morgens eine Stunde, während du zu Hause schon beim ersten Kaffee deine Mails checkst.
Du läufst durch eine fremde Stadt, wo du sonst acht Stunden am Schreibtisch sitzt.
Du redest beim Abendessen zwei Stunden mit deinem Partner, statt zwischen Einkauf, Haushalt und dem nächsten Arbeitstag noch schnell die Todo’s des nächsten Tages durchzugehen.
Vor allem aber bist du für eine Weile raus aus deinen üblichen Routineabläufen.
Genau deshalb fällt dir nach dem Urlaub manchmal etwas auf, das du vorher gar nicht mehr richtig wahrgenommen hast.
Du bist nicht zwingend unzufrieden, weil der Urlaub vorbei ist, vielleicht merkst du genau dann viel deutlicher, wie wenig dir dein normaler Arbeitsalltag inzwischen guttut.
Bevor du allerdings montagmorgens um 8:12 Uhr deine Kündigung schreibst, würde ich mir sechs Dinge genauer anschauen.
1. Finde heraus, was du aus dem Urlaub wirklich vermisst
Wenn ich dich frage, was im Urlaub schön war, fallen dir wahrscheinlich sofort Dinge ein. Die Sonne, das Meer, angenehme Temperaturen, einfach mal ausschlafen, gutes Essen, keine Termine und endlich mal Zeit.
Das Problem dabei ist nur: Damit lässt sich im Berufsalltag relativ wenig anfangen. Die wenigsten Arbeitgeber werden wegen deinem Fernweh eine Strandbar neben der Kaffeemaschine in der Abteilungsküche eröffnen.
Frag dich deshalb genauer: Was hat mir im Urlaub so gutgetan?
Vielleicht war es gar nicht das Ausschlafen, sondern die Tatsache, dass du morgens nicht schon mit einer langen To-do-Liste im Kopf aufgewacht bist.
Oder du vermisst gar nicht den Strand, sondern die Bewegung und die viele Zeit draußen. Oder dir fehlt dieses schöne Gefühl, einen Tag selbst gestalten zu dürfen.
Nehmen wir mal an, du bist Teamleiterin und dein Arbeitstag besteht aus Terminen, Rückfragen und spontanen Problemen.
Im Urlaub bist du jeden Morgen erst mal eine Stunde spazieren gegangen. Niemand wollte etwas von dir, du konntest deinen Gedanken einfach mal freien Lauf lassen, den Duft der Natur einatmen und die Augen schweifen lassen.
Dann brauchst du nicht zwingend den nächsten Urlaub, womöglich brauchst du in deinem normalen Alltag mehr Zeiten, in denen du nicht dauernd auf andere reagieren musst.
Du könntest z. B. zwei Vormittage pro Woche für konzentriertes Arbeiten in deinem Kalender blockieren oder deine Mittagspause tatsächlich draußen verbringen, statt nebenbei am Schreibtisch zu essen oder in der Kantine gleich noch ein Gespräch mit einem Kollegen zu führen.
Klingt vielleicht zu einfach, verändert aber etwas an genau dem Punkt, der dir fehlt.
2. Beobachte, was dich nach dem Urlaub sofort wieder stresst
In meinem Blogbeitrag zum Thema Stress abbauen schreibe ich darüber, wie schnell die Erholung verpufft, wenn du direkt wieder mit einem überfüllten Postfach, zu vielen Aufgaben und einem Kalender voller Termine startest.
Deshalb plane ich meine Abwesenheitsmeldung im E-Mail-Tool übrigens immer einen Tag länger und halte mir meinen ersten Arbeitstag möglichst frei.
So kann ich mich um die Dinge kümmern, bei denen während meiner Abwesenheit grade der Topfdeckel hochgeploppt ist, ohne gleichzeitig schon wieder von einem Termin zum nächsten zu hetzen.
Aber trotz diesem Zeitpuffer lohnt es sich genauer darauf zu schauen, was dich nervt.
Nimm dir in deiner ersten Arbeitswoche zehn Minuten und schreib auf, wann du innerlich denkst: „Och nö, nicht schon wieder.“
Vielleicht passiert das bei der dritten Besprechung, in der du eigentlich gar nicht gebraucht wirst. Oder immer dann, wenn dein Chef jede Kleinigkeit kontrolliert. Oder auch, wenn du wieder eine Aufgabe übernimmst, weil eine Kollegin fragt und du automatisch Ja sagst.
Außerdem schreibst du auf, was dir überraschend gutgetan hat. Das Gespräch mit einer bestimmten Kollegin, eine Aufgabe, bei der du völlig die Zeit vergessen hast oder ein Problem, das du lösen konntest.
Nach ein paar Tagen hast du dann keine allgemeine „Mein Job nervt mich“-Liste mehr vor dir liegen, sondern ganz konkrete Punkte und damit lässt sich viel besser arbeiten.
3. Hol dir ein Stück Urlaubsgefühl in deinen normalen Arbeitsalltag
Nach dem Urlaub sind wir meistens Weltmeisterinnen im Pläneschmieden.
Ab sofort machen wir jeden Morgen Sport, kochen frisch, lesen abends ein Buch, gehen pünktlich ins Bett und verbringen natürlich viel weniger Zeit mit den Lieben.
Zwei Wochen später stehen wir um 18:30 Uhr in der Küche, essen Käsebrot und scrollen nebenbei durchs Handy.
Deshalb würde ich auch nicht versuchen, dein komplettes Urlaubsleben in deinen ganz normalen Alltag zu quetschen. Such dir lieber eine Sache raus, die einen spürbaren Unterschied macht.
Angenommen, du hast im Urlaub gemerkt, wie gut dir die Bewegung getan hat. Dann plane nicht sofort drei Sporteinheiten pro Woche, sondern geh an drei Tagen nach dem Mittagessen 15 Minuten raus und um den Block.
Oder du hast es sogar genossen, dass dein Handy beim Essen irgendwo im Hotelzimmer lag. Dann lass es auch zu Hause beim Abendessen in einem anderen Raum.
Vielleicht hast du auch festgestellt, wie gut es dir tut, nicht jede Minute zu verplanen. Dann block dir jeden zweiten Freitagnachmittag und verteidige diesen Termin genauso wie ein wichtiges Meeting.
Solche kleinen Änderungen haben den großen Vorteil, dass du sie auch noch umsetzt, wenn der Koffer längst wieder im Keller oder auf dem Dachboden steht.
4. Hör genauer hin, wenn du denkst: „Eigentlich hab ich doch einen guten Job“
Dieser Satz begegnet mir bei Frauen sehr oft.
„Eigentlich hab ich doch einen guten Job. Ich verdiene ordentlich, meine Kolleginnen sind nett und sicher ist die Stelle auch.“
Und trotzdem kommt danach häufig ein Aber.
„Aber ich bin abends völlig fertig.“
„Aber ich langweile mich inzwischen.“
„Aber ich hab das Gefühl, nur noch abzuarbeiten und zu funktionieren.“
„Aber ich freu mich schon montags Mittag aufs Wochenende.“
Auf dem Papier kann dein Job wunderbar klingen und trotzdem nach einiger Zeit nicht mehr zu dir passen.
Vielleicht bist du seit zehn Jahren im selben Unternehmen. Du hast dich in dieser Zeit verändert und weiterentwickelt.
Mehr Erfahrung gesammelt und andere Dinge sind dir heute wichtig als mit 25. Dein Job ist aber zum großen Teil der selbe geblieben.
Ein Urlaub schafft Abstand zum Joballtag und genau dieser Abstand macht manchmal sichtbar, was du länger schon weggeschoben hast.
Eine meiner Kundinnen hat z. B. jahrelang sehr zufrieden in einer Fachposition gearbeitet. Dann merkte sie, dass ihr der Austausch mit Menschen fehlt und sie viel lieber ihr Fachwissen weitergeben würde.
Im Urlaub besucht sie spontan einen Workshop und ist danach völlig begeistert, weil sie wieder etwas Neues gelernt und mit anderen Menschen gearbeitet hat.
Das heißt nicht, dass sie deswegen gleich Trainerin werden muss.
Es zeigte ihr aber etwas über sich, das sie für ihre nächsten beruflichen Schritte nutzen konnte.
5. Unterscheide zwischen Urlaubsblues und echter Unzufriedenheit im Job
Nach zwei Wochen Italien sieht der Montagmorgen im Büro selten verlockender aus als ein Frühstück mit Blick aufs Meer.
Ein bisschen schlechte Laune bei der Rückkehr würde ich deshalb noch nicht als Anlass sehen, dein komplettes Berufsleben infrage zu stellen.
Gib dir ein paar Tage Zeit und beobachte, was passiert.
Kommst du wieder rein, freust du dich auf deine Kolleginnen und findest deinen Rhythmus, dann war es vermutlich einfach der normale Übergang zurück in den Alltag.
Wenn du dagegen nach zwei oder drei Wochen immer noch morgens mit Widerwillen aufstehst und dich durch jeden Arbeitstag schleppst, würde ich genauer hinschauen. Erst recht, wenn du dieses Gefühl schon vor dem Urlaub hattest.
Vielleicht hast du gehofft: „Ich brauche einfach mal zwei Wochen Ruhe, danach geht es wieder.“
Du kommst erholt zurück und merkst trotzdem ziemlich schnell, dass dieselben Dinge dir wieder ganz schnell „auf den Wecker“ gehen.
Dann liegt es vermutlich nicht mehr nur an der fehlenden Erholung.
Frag dich deshalb nicht gleich: „Soll ich kündigen?“
Sondern lieber:
Welche Aufgaben kosten mich ständig Kraft?
Welche Aufgaben mache ich wirklich gern?
Was nervt mich an meinem Job und was an den Bedingungen drumherum?
Was würde meinen Arbeitstag spürbar besser machen?
Und ganz besonders: Was davon könnte ich tatsächlich verändern?
Denn zwischen „Ich halte das irgendwie weiter aus“ und „Ich kündige morgen“ gibt es verdammt viele Möglichkeiten.
6. Nutze dein Urlaubsgefühl als Hinweis für eine berufliche Veränderung
Stell dir mal eine spannende Frage nach deinem Urlaub: Was habe ich über mich gemerkt, als mein normaler Alltag mal eine Weile nicht da war?
Manche Frauen stellen fest, dass sie viel mehr Ruhe brauchen. Andere merken, dass ihnen im Job der Kontakt mit Menschen fehlt. Die nächste genießt es, im Urlaub ständig Neues zu sehen und erkennt plötzlich, wie sehr sie sich bei der Arbeit langweilt.
Eine andere Frau stellt fest, dass sie im Urlaub jeden Tag fotografiert, kleine Ausflüge plant und mit Begeisterung Restaurants für die ganze Familie raussucht. Im Job bearbeitet sie dagegen seit Jahren immer wieder dieselben Tabellen und Prozesse.
Dann wäre es ziemlich voreilig zu sagen: „Dann wird‘ doch Fotografin oder Reiseleiterin.“
Interessanter ist die Frage, was genau ihr daran Freude macht.
Ist es das Gestalten? Das Planen? Das Recherchieren? Die Abwechslung? Der Kontakt mit Menschen? Oder das sichtbare Ergebnis am Ende?
Wenn sie das weiß, ergeben sich plötzlich ganz andere Möglichkeiten.
Vielleicht gibt es in ihrem jetzigen Unternehmen Projekte, die besser dazu passen. Oder es gibt eine Weiterbildung, die sich lohnt. Es gibt vielleicht intern die Möglichkeit zu wechseln oder langfristig doch einen neuen Arbeitgeber suchen.
Eine berufliche Veränderung muss nicht bedeuten, dass du dein bisheriges Leben einmal komplett auf links drehst.
Besser startest du damit, dass du genauer verstehst, was du brauchst und wo du davon in deinem jetzigen Job mehr bekommen kannst.
Was du tun kannst, wenn die Erholung nach dem Urlaub sofort wieder weg ist
Es kann gut sein, dass dein eigentliches Problem gar nicht dein Job ist. Du startest nach dem Urlaub einfach jedes Mal so heftig durch, dass deine Erholung innerhalb von zwie bis drei Arbeitstagen schon wieder futsch ist.
Dann helfen dir die Dinge, die ich auch in meinem Artikel zum Stressabbau empfehle: Plane Puffer ein, räum deinen Kalender am ersten Tag möglichst frei, sortiere deine Aufgaben nach Wichtigkeit und übernimm nicht automatisch jeden „Affen“, den dir jemand auf die Schulter setzen möchte.
Und bitte versuch nicht, 87 liegen gebliebene Dinge gleichzeitig zu erledigen. Schreib dir morgens die drei Aufgaben auf, die an diesem Tag wirklich dran sind. Alles andere kommt danach.
Ich starte übrigens gerne selbst mit der Aufgabe, die ich am wenigsten mag. Ja, genau mit der, die seit Tagen auf der Liste steht und bei der du jedes Mal hoffst, sie möge sich über Nacht von selbst erledigen.
Wenn das Ding weg ist, fühlt sich der Rest des Tages meistens schon deutlich leichter an.
Nach dem Urlaub keine Lust auf Arbeit: Nimm das Gefühl ernst, aber mach kein Drama draus
Nach dem Urlaub wieder in den Arbeitsalltag zu finden, dauert manchmal einfach ein paar Tage. Das allein ist noch lange kein Grund, gleich den ganzen Job infrage zu stellen.
Wenn du allerdings nach jedem Urlaub merkst, wie schwer dir die Rückkehr fällt und wie schnell der alte Frust wieder da ist, würde ich genauer hinschauen. Denn auf Dauer hilft dir ein „Ist halt Arbeit“ auch nicht weiter.
Dir fehlt möglicherweise mehr eigener Spielraum, du wünschst dir andere Aufgaben oder möchtest endlich bessere Grenzen ziehen. Vielleicht übernimmst du auch zu oft Aufgaben und Verantwortung, die eigentlich andere übernehmen könnten. Und manchmal ist es ganz einfach so: Du hast dich weiterentwickelt, dein Job aber nicht.
Du musst heute noch nicht wissen, was daraus wird.
Nimm dir nach deinem nächsten Urlaub lieber ein paar Minuten und schreib dir drei Dinge auf, die du gern mit in deinen Alltag nehmen möchtest. Danach notierst du drei Dinge, auf die du dich bei der Arbeit so gar nicht freust. Und dann schau genauer hin: Was steckt eigentlich hinter diesen Punkten und was sagt dir das über deinen Job?
Aus „Ich will zurück in den Urlaub“ wird dann eine ganz andere Frage: Was fehlt mir in meinem normalen Alltag, damit ich mich auch zwischen zwei Urlauben wieder wohler fühle?
Und wenn du dabei merkst, dass es gar nicht nur um mehr Erholung oder weniger Stress geht, sondern dein Job schon länger nicht mehr so richtig zu dir passt, lohnt es sich, dort genauer hinzuschauen, bevor du dir weiter den Kopf zerbrichst.
Mit meinem 4-Minuten-Jobtest bekommst du eine erste Einschätzung, wo du gerade stehst und an welchen Stellen sich ein zweiter Blick lohnt.
Über die Autorin
Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im Personalbereich und der Personalentwicklung. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.
Warum habe ich nach dem Urlaub keine Lust auf Arbeit?
Nach dem Urlaub fällt der Unterschied zwischen freier Zeit und deinem normalen Arbeitsalltag besonders stark auf. Hält die Unlust länger an, lohnt sich ein Blick darauf, welche Aufgaben oder Bedingungen dir im Job dauerhaft Energie rauben.
Ist ein Motivationstief nach dem Urlaub normal?
Ein paar Tage ohne große Lust auf Arbeit sind nach einer längeren Auszeit völlig normal. Wenn du nach zwei oder drei Wochen immernoch unzufrieden bist oder das Gefühl bereits vor dem Urlaub hattest, steckt möglicherweise mehr dahinter.
Was hilft gegen Stress direkt nach dem Urlaub?
Plane deinen ersten Arbeitstag möglichst ohne Meetings, sortiere deine Aufgaben nach Wichtigkeit und versuche nicht, alles Liegengebliebene gleichzeitig abzuarbeiten. Ein zusätzlicher Puffertag zwischen Reise und Arbeitsbeginn macht den Wiedereinstieg ebenfalls leichter.
Wann ist Unzufriedenheit nach dem Urlaub ein Zeichen für einen Jobwechsel?
Wenn deine Unzufriedenheit über Wochen anhält und du immer wieder dieselben Aufgaben, Bedingungen oder fehlenden Möglichkeiten als Belastung erlebst, lohnt sich eine berufliche Standortbestimmung. Ein Jobwechsel ist dabei nur eine von mehreren Möglichkeiten.
Wie finde ich heraus, ob mein Job noch zu mir passt?
Beobachte, welche Aufgaben dir Energie geben, welche dich regelmäßig auslaugen und was dir in deinem Berufsalltag fehlt. Besonders hilfreich ist der Vergleich mit Situationen, in denen du dich lebendig, interessiert und zufrieden fühlst.
Wie kann ich mein Urlaubsgefühl länger erhalten?
Übernimm nicht den kompletten Urlaubsalltag, sondern eine oder zwei Gewohnheiten, die dir besonders gutgetan haben. Das können regelmäßige Bewegung, freie Zeiten, weniger Handy oder bewusst eingeplante kleine Auszeiten sein.
„Du musst …“ Wie oft hab ich diesen Satz schon gehört und mir selbst erzählt? Als Personalentwicklerin und Coach sehe ich das heute anders. Was ich definitiv nicht mehr muss und warum mein allererster Blogartikel erstaunlich gut dazu passt.
Zwischen all den „Du musst“: Wann hab ich eigentlich aufgehört zu fragen, was ich will?
Ich mag diese Sätze heute nicht mehr mit anhören, die zunächst mal recht harmlos „ums Eck“ kommen:
„Das macht man eben so.“
„Da solltest du dich noch ein bisschen zurückhalten.“
„Als Führungskraft musst du …“
„Wenn du nebenberuflich selbstständig bist, musst du …“
„Als Coach solltest du unbedingt …“
Ich hab viele Jahre gebraucht, um zu merken, wie viel Kraft in so einem einzigen kleinen Wort steckt.
MUSS.
Ich muss funktionieren.
Ich muss erreichbar sein.
Ich muss Verständnis haben.
Ich muss mich anpassen.
Ich muss mich weiterbilden.
Ich muss sichtbar sein.
Ich muss mehr aus meinem Business machen.
Ich muss mich entscheiden, was ich denn nun eigentlich bin.
Personalentwicklerin oder Coach?
Und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich dann dachte:
Denn mein allererster Blogbeitrag überhaupt hieß tatsächlich:
„Einen Scheiß muss ich …“
Damals ging es allerdings um etwas ganz anderes.
Um die verflixte Technik hinter einem E-Mail-Tool.
Ich weiß noch, wie riesig mir dieser Berg damals vorkam. Ich wollte doch eigentlich nur ein E-Mail-Tool einrichten. Wie schwer konnte das denn bitte sein?
Tja.
Irgendwann saß ich vor irgendwelchen Einstellungen, Verknüpfungen und technischen Dingen, von denen ich vorher noch nie gehört hatte und wollte wahrscheinlich am liebsten alles zum Fenster rausschmeißen. Aber Aufgeben: Ich doch nicht.
Heute muss ich darüber lächeln.
Und sicher nicht, weil ich inzwischen zur Technik-Queen geworden bin und jedes Problem eben mal so nebenbei löse. Ganz bestimmt nicht. Aber vieles, was mich damals völlig überfordert hat, gehört heute einfach dazu. Ich hab‘s ausprobiert, Fehler gemacht, geschimpft und geflucht und es irgendwann dann doch hinbekommen.
„Mit Geduld und Spucke, fängt man eine Mucke“, hat meine Oma immer gesagt.
Was mir damals wie ein riesig großer Berg vorkam, ist heute eher so’n Maulwurfshügel, bei dem ich denke:
„Ach ja, und darüber hast du dich damals so aufgeregt.“
Und irgendwie passt genau das ziemlich gut zu Silkes Blogparade.
Denn manche Dinge, die uns heute den letzten Nerv rauben, sind ein paar Jahre später nur noch alte Geschichten, über die wir schmunzeln.
Bei anderen merken wir irgendwann: Der Berg ist gar nicht mehr so hoch.
Und genau um diese „Muss ich‘s“ geht es dieses mal.
Wenn ich heute auf meine Arbeit als Personalentwicklerin, mein Coaching für Frauen und auch auf mich selbst schaue, gibt es einiges, von dem ich mich inzwischen verabschiedet habe.
Ich kann nur unterstützen, wenn jemand wirklich etwas verändern will
Niemand „lässt sich entwickeln“ und ich will das auch gar nicht.
Was ich kann: Eine Frau unterstützen, die selbst spürt, dass sie etwas verändern möchte.
Die vielleicht noch nicht genau weiß, wie sie es angehen soll, aber merkt:
So wie bisher, möchte ich in meinem Job nicht weitermachen.
Genau da kann ich helfen.
Ich kann ihr zuhören und nachfragen, einen anderen Blick auf die Situation werfen und manchmal auch eine Frage stellen, bei der meine Kundin erst mal schluckt und sagt:
„Puh. Darüber muss ich jetzt mal nachdenken.“
Aber der Wunsch, etwas zu verändern, muss von ihr selbst kommen.
Wenn jemand im Gespräch sitzt, mit verschränkten Armen und dem Gesichtsausdruck eines Menschen, dem gerade mitgeteilt wurde, dass der Kaffeeautomat abgeschafft wird, dann denke ich heute nicht mehr „ich muss“ demjenigen helfen, ich denke anders darüber.
Erwachsene Menschen dürfen Nein sagen, auch zu ihrer eigenen Weiterentwicklung.
Ich kann niemanden überreden, sich mit sich selbst zu beschäftigen.
Und ich muss auch niemandem erklären, dass sie mit einem Coaching schneller vorwärts kommt.
Wenn eine Frau zu mir kommt, möchte ich, dass sie innerlich spürt:
„Ich will etwas verändern und ich glaube, mit Brigittes Hilfe komme ich weiter, als wenn ich mich noch drei Monate alleine im Kreis drehe.“
Dann können wir miteinander arbeiten.
Vielleicht findet sie am Ende eine Lösung, an die sie vorher noch gar nicht gedacht hat.
Oder sie trifft endlich eine Entscheidung, die schon lange in ihr rumort.
Oder sie sagt ganz bewusst: „Wenn ich diese kleinen Punkte verändere, dann passt es wieder.“
Auch das darf ein Ergebnis sein, denn es ist ihr persönlicher Weg.
Ich geh ein Stück mit . . . aber laufen muss sie selbst.
Ich muss nicht für die Motivation anderer zuständig sein
„Wie motivieren wir unsere Mitarbeitenden?“
Diese Frage taucht auch bei mir als Personalerin sehr gerne auf.
Am liebsten hätte man dann wahrscheinlich einen Knopf, auf den man nur drücken muss.
Push, und alle schreien laut Hurra: „Motivation“
Schön wär’s.
Menschen sind aber keine Kaffeemaschinen, bei denen man oben eine Kapsel einwirft und unten kommt das gewünschte Ergebnis raus.
Motivation hat mit verdammt vielen Dingen zu tun.
Mit Führung, mit Sinn in der Arbeit, mit dem Arbeitsumfeld und den Aufgaben.
Aber auch mit echter Wertschätzung und mit dem Gefühl, ernst genommen zu werden.
Und manchmal sogar schlicht und einfach damit, dass jemand einen schlechten Tag hat.
Ich muss nicht jeden motivieren.
Und Führungskräfte müssen das übrigens auch nicht.
Was wir tun können, sind Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen wieder gerne arbeiten.
Wir können zuhören, nachfragen und Hindernisse aus dem Weg räumen.
Wir können Verantwortung abgeben, den Mitarbeitenden etwas zutrauen und vor allem akzeptieren, dass ein erwachsener Mensch trotzdem seine eigene Entscheidung trifft.
Ich muss auch nicht mehr für jedes Problem sofort eine Lösung haben
Das war für mich lange echt schwer.
Wenn jemand zu mir kommt und sein Problem schildert, springt in meinem Kopf ziemlich schnell mein „Unterstützungs-Schalter“ an.
„Da könnte man doch …“
„Hast du schon …“
„Vielleicht wäre …“
Ich denke in Lösungen und mag es, Dinge direkt anzupacken.
Nur braucht mein Gegenüber nicht immer sofort meine Lösung, sondern manchmal einfach nur eine Kollegin, die erst mal wirklich ehrlich zuhört.
Manchmal muss eine Führungskraft den eigenen Gedanken selbst zu Ende denken.
Und manchmal sitzt im Coaching eine Frau vor mir, die ihre Antwort längst kennt.
Sie traut sich nur noch nicht, laut darüber nachzudenken und sie auch auszusprechen.
Wenn die Kundin ihre Antwort eigentlich schon kennt
Ich hatte eine Kundin im Coaching, nennen wir sie Maja, die mit ihrer beruflichen Situation unzufrieden war.
Eigentlich war ihr Job nicht wirklich schlecht.
Die Kollegen waren wirklich nett, das Gehalt passte und auch sonst gab es keinen triftigen Grund zu sagen:
„Ich muss hier unbedingt weg.“
Und trotzdem hatte Maja dieses komische Gefühl, dass beruflich etwas nicht mehr richtig bei ihr passte.
Wir haben darüber gesprochen, was sie an ihrem Job stört, was ihr fehlt und was sie sich stattdessen wünscht.
Und klar, ich hätte ihr dann erzählen können, was sie meiner Meinung nach tun soll.
Hab ich aber nicht.
Denn je länger wir gesprochen haben, desto mehr hatte ich das Gefühl: Sie weiß es längst.
Also hab ich weiter nachgefragt und sie intensiv denken und reden lassen.
Und dann sind einige Tränen gekullert und sie sagte:
„Eigentlich weiß ich schon länger, dass ich was anderes machen möchte. Aber ich habe immer das gemacht, was von mir erwartet wurde.“
Da war sie.
Nicht meine Erkenntnis, sondern ihre eigene.
Und genau solche Momente liebe ich an meiner Arbeit.
Ich muss meiner Kundin nicht sagen, was ihr im Weg steht.
Ich kann ihr helfen, das ganze Gedankenknäuel im Kopf auseinanderzuwirren, bis sie selbst wieder sieht, was für sie passt.
Denn am Ende muss nicht ich mit ihrer Entscheidung leben, sondern sie.
Ich muss Frauen nicht sagen, wie sie ihr Leben leben sollen
Frauen bekommen von allen Seiten gesagt, was sie tun sollten.
Im Job sollen sie selbstbewusster auftreten, sich besser verkaufen und auch mal den nächsten Karriereschritt wagen.
Gleichzeitig sollen sie aber bloß nicht zu fordernd rüberkommen, an die eigene Familie denken und am besten alles locker unter einen Hut bekommen.
Ganz schön viele Erwartungen für ein einziges Frauenleben, oder?
Und dann komme ich als Coach um die Ecke und erzähle meiner Kundin auch noch, was für sie das Richtige ist?
Nee, genau das mache ich nicht!
Ich weiß schließlich nicht besser als meine Kundin, welcher Weg zu ihr und ihrem Leben passt.
Auch wenn ich manchmal ziemlich schnell eine Idee im Kopf hab, was sie verändern könnte. Die behalte ich dann erst mal für mich und frage gezielter nach.
Denn oft höre ich im Coaching Sätze wie:
„Eigentlich würde ich ja gern …“
Und kaum ist der Satz ausgesprochen, kommt hinterher:
„. . . aber das geht ja nicht, weil …“
Dann werde ich hellhörig und wir schauen uns gemeinsam an, was hinter diesem „aber“ steckt.
Ist das wirklich ein Grund, der gegen ihren Wunsch spricht?
Oder ist es vielleicht eine Erwartung, die sie schon so lange mit sich rumschleppt, dass sie gar nicht mehr weiß, woher sie eigentlich kommt?
Ich möchte meiner Kundin nicht meine Lösung überstülpen.
Sondern sie dabei unterstützen, ihre eigene Lösung zu finden und sich dann auch zu trauen, ihrer eigenen Intuition zu vertrauen.
Das kann bedeuten, den Job zu wechseln.
Es kann genauso gut heißen, zu bleiben und dort etwas zu verändern. Vielleicht möchte sie weniger arbeiten, mehr Verantwortung übernehmen oder beruflich nochmal ganz neu anfangen.
Welche Entscheidung am Ende rauskommt, muss nicht die sein, die ich getroffen hätte.
Sie muss zu meiner Kundin passen.
Denn sie ist diejenige, die am Montagmorgen mit dieser Entscheidung aufsteht und damit lebt. Nicht ich.
Sie darf sich wieder auf ihre Arbeit freuen und gerne auf die Arbeit gehen.
Ich muss nicht aus jeder Frau eine Karrierefrau machen
Wenn eine Frau beruflich etwas verändern möchte, heißt das für mich nicht automatisch: höher, schneller, weiter und mehr.
Nicht jede Frau möchte die nächste Stufe auf der Karriereleiter nehmen.
Nicht jede möchte Führungskraft werden, ein größeres Team leiten oder noch mehr Verantwortung übernehmen.
Und nur weil sie das Zeug dazu hätte, muss sie es noch lange nicht wollen.
Vielleicht möchte sie ihren Job weiterhin gut machen, aber endlich pünktlich Feierabend haben. Oder sie möchte ihre Stunden reduzieren, weil ihr neben der Arbeit auch noch andere Dinge wichtig sind. Oder sie merkt nach vielen Jahren:
„Ich hab das lange gern gemacht, aber jetzt reicht’s mir.“
Auch das ist berufliche und persönliche Entwicklung.
Ich hatte selbst schon Gespräche mit Frauen, bei denen mit dem Blick von außen, alles ziemlich gut ausgesehen hat. Sicherer Job, gutes Gehalt, Anerkennung und die Aussicht auf den nächsten Schritt.
Eigentlich müsste sie doch ganz zufrieden sein.
Nur lässt sich dieses „eigentlich“ nicht so leicht austricksen.
Wenn eine Kundin zu mir sagt, dass sie gar nicht mehr Verantwortung möchte, werde ich ihr nicht einreden, sie müsse nur mutiger sein, dann schaffst sie das schon.
Vielleicht ist es für sie sogar viel mutiger, eine Führungsposition abzulehnen, obwohl alle um sie herum sagen:
„So eine Chance kannst du doch nicht ausschlagen.“
Ich möchte mit ihr rausfinden, was sie will.
Vielleicht ist das tatsächlich der nächste Karriereschritt, oder sie möchte lieber auf 80 % gehen und mittwochs um 14 Uhr den Rechner zuklappen. Dann hat sie endlich wieder Zeit für Sport oder sitzt um 15 Uhr mit einem Kaffee auf der Terrasse und liest ein Buch, ohne dabei aufs Geschäftshandy zu schauen.
Ist das weniger ehrgeizig? Ich finde definitiv nicht.
Vielleicht hat sie einfach aufgehört, Erfolg mit dem Lebensentwurf anderer Menschen zu verwechseln.
Eine andere Frau möchte lieber fachlich arbeiten, statt Menschen zu führen. Und wieder eine andere fängt beruflich noch mal was ganz anderes an, obwohl ihr Umfeld erst mal die Hände über dem Kopf zusammenschlägt.
Für mich gibt es da kein „Das solltest du aber“.
Eine Frau muss nicht möglichst weit oben auf der Karriereleiter stehen, damit ich ihre berufliche Entwicklung als Erfolg sehe.
Viel schöner finde ich, wenn sie irgendwann sagen kann:
„So wie es jetzt ist, passt es zu mir, ich bin glücklicher.“
Und wenn das ein freier Mittwochnachmittag statt noch mehr Überstunden ist, dann ist das genauso richtig.
Ich muss aus meinem nebenberuflichen Coaching kein großes Business machen
Ich bin Personalentwicklerin und arbeite nebenberuflich als Coach für Frauen.
Und ja, manchmal hab ich das Gefühl, allein das Wort „nebenberuflich“ löst schon die ersten gut gemeinten Ratschläge aus.
Wenn ich mit meinem Coaching erfolgreich sein möchte, müsste ich doch irgendwann mehr daraus machen.
Mehr Kundinnen gewinnen, mehr Umsatz machen, ständig sichtbar sein und am besten schon mal drüber nachdenken, wie ich das Ganze noch größer aufziehe.
Aber warum eigentlich?
Ich mag meinen Beruf als Personalentwicklerin.
Gleichzeitig mag ich die Arbeit mit meinen Kundinnen im Coaching. Für mich muss das eine das andere nicht ersetzen.
Natürlich möchte ich mit meinem Coaching Frauen erreichen, Kundinnen gewinnen und damit auch Geld verdienen. Schließlich betreibe ich mein Coaching nicht nur, damit ich nach Feierabend noch ein weiteres Hobby hab.
Aber ich muss daraus kein Business machen, das immer weiter wachsen muss, so im Sinne von „Höher, schneller, weiter“.
Ich möchte selbst entscheiden, wie viel Platz mein Coaching in meinem Leben bekommt. Und dieser Platz darf sich auch verändern.
Vielleicht möchte ich irgendwann mal mehr Zeit dafür haben, oder es passt auch weiterhin gut, beides miteinander zu verbinden.
Was ich nicht mehr möchte, ist mir einreden zu lassen, dass mein Coaching nur dann erfolgreich ist, wenn daraus irgendwann mein Hauptberuf wird.
Für mich sieht Erfolg anders aus.
Wenn eine Kundin nach unserem Coaching eine Entscheidung trifft, die sie schon ewig vor sich herschiebt, wenn sie sich endlich traut, im Job für sich selbst mehr einzustehen oder nach unserem Gespräch sagt:
„Jetzt weiß ich, was ich als Nächstes tun will“, dann weiß ich wieder ziemlich genau, warum ich diese Arbeit so liebe.
Und wenn ich danach am nächsten Morgen wieder als Personalentwicklerin an meinem Schreibtisch sitze und unsere Mitarbeitenden, Azubis und Studenten dabei unterstütze, sich weiterzuentwickeln, dann ist das für mich persönlich kein Widerspruch.
Das ist im Moment genau MEIN Weg, zu dem ich stehe.
Ich muss nicht überall sichtbar sein
Wenn man sich nebenberuflich selbstständig macht, dauert es nicht lange, bis man das Gefühl bekommt, überall auftauchen zu müssen.
Auf Instagram sollte ich regelmäßig posten, LinkedIn wäre für meine Zielgruppe ideal und einen Newsletter sollte ich natürlich auch schreiben.
Ach ja, und bloggen will ich ja auch noch.
Ganz schön viel für ein Business, das neben meinem Hauptjob stattfindet.
Und Social Media ist da der beste Trigger dafür, das ist dir vielleicht auch schon mal aufgefallen.
Natürlich möchte ich sichtbar sein. Wie sollen Frauen sonst erfahren, dass es mich und mein Coaching gibt?
Und ich freu mich, wenn eine Frau über einen Blogartikel oder einen Beitrag auf mich aufmerksam wird und denkt:
„Die versteht, was mich gerade beschäftigt.“
Aber dafür muss ich nicht auf jeder Plattform tanzen.
Ich hab für mich gemerkt, dass mir Schreiben liegt, hier kann ich meine Gedanken so ausdrücken, wie sie mir durch den Kopf gehen. Ich kann Geschichten erzählen, von meinen Erfahrungen berichten und Themen auch mal von einer anderen Seite betrachten, über die man nicht in drei Sätzen hinwegwischt.
Deshalb schreibe ich meinen Blog, meinen Newsletter und deshalb gibt es auch viermal im Jahr mein Silent Passion Magazin.
Was ich dagegen nicht möchte: ständig überlegen, was ich heute noch posten müsste, nur damit irgendein Algorithmus merkt, dass ich noch da bin.
Ich möchte auch nicht aus jedem Gedanken, jedem Kaffee und jedem schönen Erlebnis sofort einen Beitrag machen.
Wenn ich mal ein paar Tage nichts veröffentliche, bin ich nicht plötzlich vom Erdboden verschwunden. Mein Coaching gibt es trotzdem noch.
Mir ist es lieber, eine Frau liest einen meiner Texte und fühlt sich wirklich angesprochen, als dass ich jeden Tag irgendwas veröffentliche, nur um sichtbar gewesen zu sein.
Ich möchte dort sichtbar sein, wo es für mich passt und wo ich mich auch gern zeige.
Denn mein nebenberufliches Coaching soll auch mir Freude machen. Wenn ich irgendwann mehr Zeit damit verbringe, Inhalte für fünf verschiedene Kanäle zu produzieren, als mit meinen Kundinnen zu arbeiten, läuft für mich was schief.
Ich muss kein perfekter weiblicher Coach sein
Nur weil ich Coach bin – ich mag übrigens diese Verweiblichung des Wortes zu „Coachin“ echt nicht – hab ich nicht für jede Situation in meinem eigenen Leben sofort die passende Lösung parat.
Ich zweifle manchmal, ärgere mich über Dinge, schiebe Entscheidungen auch mal vor mir her und drehe genauso mal eine Extrarunde im Gedankenkarussell.
Und ja, manchmal weiß ich sogar ganz genau, was ich einer Kundin in derselben Situation sagen würde. Nur heißt das noch lange nicht, dass ich meinen eigenen Rat immer sofort umsetze.
Ich bin eben nicht nur Coach, sondern auch ein Mensch mit meinen eigenen Themen.
Früher dachte ich eher, ich müsste als Coach mit gutem Beispiel vorangehen. Schließlich begleite ich Frauen dabei, berufliche Entscheidungen zu treffen, für sich einzustehen und etwas zu verändern.
Da sollte ich doch gefälligst mein eigenes Leben selbst im Griff haben.
Nenn es Altersweisheit, aber heute sehe ich das anders.
Ich muss meiner Kundin nicht vorspielen, dass bei mir immer alles rund läuft. Im Gegenteil, ich glaube, meine eigenen Erfahrungen helfen mir dabei, manche Situationen meiner Kundinnen besser zu verstehen.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Kopf längst eine Entscheidung getroffen hat und der Rest von einem noch nicht hinterherkommt.
Ich kenne dieses ewige Abwägen, die Zweifel und die Frage:
„Soll ich wirklich oder lass ich es doch lieber?“
Dafür kenne ich als Coach heute die entsprechenden Tools, die ich auch gerne bei mir selbst anwende und so viel schneller vorwärtskomme.
Deshalb steht im Coaching meine Kundin mit ihrem Thema immer im Mittelpunkt.
Aber ich muss dafür nicht der Coach sein, der auf alles eine Antwort hat und selbst immer genau weiß, wo es langgeht.
Viel wichtiger ist mir, meiner Kundin wirklich zuzuhören, die richtigen Fragen zu stellen und auch mal auszuhalten, wenn die Antwort nicht nach fünf Minuten auf dem Tisch liegt.
Denn genau das erlebe ich ja selbst immer wieder: Manche Entscheidungen brauchen einfach ein bisschen länger.
Und manchmal hilft es schon hervorragend, wenn da jemand sitzt, der nicht sofort sagt: „Ich weiß, was du jetzt tun solltest.“
Ich muss nicht immer stark sein, nur weil andere mich so sehen
Ich gehöre ja eher zu den Frauen, bei denen andere denken:
„Die kriegt das schon hin.“
Und meistens stimmt das ja auch. Ich organisiere, suche nach einer Lösung und wenn irgendwo etwas schiefläuft, überlege ich erst mal, wie ich es wieder auf die Reihe bekomme.
Nur bedeutet das nicht, dass mir immer alles leichtfällt.
Auch ich hab Tage, an denen mir etwas zu viel wird, an denen ich zweifle oder mir wünsche, dass sich einfach mal jemand anderes kümmert.
Trotzdem fällt es mir nicht immer leicht, das zu zeigen.
Wenn man lange diejenige war, die vieles schafft und irgendwie eine Lösung findet, wird genau das irgendwann auch von einem erwartet.
Das erlebe ich auch bei Frauen in meinen Coachings.
Nach außen läuft ihr Leben eigentlich ganz gut, sie machen ihren Job, kümmern sich um vieles und sind oft die Person, auf die sich andere verlassen.
Von außen gibt es deshalb vielleicht gar keinen echten Grund, etwas zu ändern.
Nur fühlt es sich für die Frau selbst längst anders an.
Vielleicht merkt sie, dass sie ständig über ihre eigenen Grenzen geht.
Manche sind es einfach auch leid, immer die Vernünftige zu sein.
Oder sie stellt irgendwann fest, dass sie zwar alles hinbekommt, aber dabei ihre eigenen Wünsche schon ziemlich lange weit hinten anstellt und der Körper langsam anfängt zu motzen.
Und dafür muss definitiv nicht erst alles zusammenbrechen.
Eine Frau darf auch mal sagen: „Ich will das so nicht mehr“, obwohl sie theoretisch noch weitermachen könnte.
Sie darf um Hilfe bitten, obwohl sie es vermutlich auch allein schaffen würde.
Und sie darf eine Aufgabe abgeben, ohne vorher beweisen zu müssen, dass sie wirklich nicht mehr kann.
Das gilt übrigens auch für mich.
Ich muss nicht immer die Starke sein, nur weil andere mich so erleben. Ich darf sagen, wenn mir etwas zu viel ist, Unterstützung annehmen und auch mal etwas liegen lassen.
Denn nur weil ich etwas schaffen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch immer schaffen muss.
Auch ich durfte das erst schmerzhaft lernen.
Ich muss mich nicht zwischen Personalentwicklung und Coaching entscheiden
Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, fällt meine Antwort meistens ein bisschen länger aus.
Ich bin Personalentwicklerin und nebenberuflich arbeite ich als Coach für Frauen.
Lange hatte ich das Gefühl, ich müsste mich irgendwann für eine Seite entscheiden. Entweder bleibe ich angestellt oder ich mache mich ganz selbstständig.
Als wäre mein Coaching nur eine Zwischenlösung und das eigentliche Ziel müsste sein, irgendwann meinen Hauptjob an den Nagel zu hängen.
Aber warum sollte ich?
Ich arbeite gerne als Personalentwicklerin. Dort beschäftige ich mich jeden Tag mit Menschen, ihren beruflichen Themen und ihrer Entwicklung.
Ich erlebe, was Mitarbeitende beschäftigt, wo Führung gut funktioniert und wo es ordentlich hakt.
Und ich sehe, wie unterschiedlich Menschen mit Veränderungen umgehen.
Viele dieser Erfahrungen nehme ich ganz automatisch mit in mein Coaching.
Dort geht es dann nicht um eine ganze Abteilung oder darum, was ein Unternehmen braucht.
Mir sitzt eine einzelne Frau gegenüber, die gerade an einem Punkt in ihrem Berufsleben steht, an dem sie nicht so recht weiter weiß.
Vielleicht fragt sie sich, ob sie ihren Job noch machen möchte, ob sie sich eine Führungsrolle zutraut oder warum sie seit Monaten unzufrieden ist, obwohl auf dem Papier doch alles passt.
Diese Gespräche mag ich, weil ich mir Zeit für genau diese eine Frau und ihr Thema nehmen kann.
Und andersrum nehme ich auch aus meinen Coachings einiges mit in meine Arbeit als Personalentwicklerin.
Ich höre genauer hin, stelle vielleicht eine Frage mehr und weiß, dass hinter einem scheinbar einfachen beruflichen Problem oft noch ganz andere Gedanken stecken.
Für mich passen diese beiden Seiten deshalb ziemlich gut zusammen.
Ich muss mich nicht für eine davon entscheiden, nur damit mein beruflicher Weg schön gerade aussieht oder ich auf die Frage „Was machst du?“ mit einem einzigen Satz antworten kann.
Im Moment möchte ich beides.
Ich möchte weiterhin als Personalentwicklerin arbeiten und gleichzeitig Frauen in meinem Coaching begleiten.
Und solange sich das für mich richtig anfühlt, darf das genau so bleiben.
Was bleibt, wenn ich weniger muss?
Je länger ich über Silkes Blogparade nachdenke, desto mehr merke ich, dass ich gar nicht weniger machen möchte.
Ich möchte nur öfter selbst entscheiden, warum ich etwas mache.
Ich möchte weiterhin als Personalentwicklerin arbeiten und Menschen begleiten.
Ich möchte Frauen coachen, meinen Blog und mein Silent Passion Magazin schreiben, meinen Newsletter verschicken und mein kleines Business weiter aufbauen.
Ich möchte Neues ausprobieren, mich weiterentwickeln und bestimmt auch noch die eine oder andere Entscheidung treffen, bei der ich hinterher denke:
„Na, das hätte ich mir jetzt auch sparen können.“
Gehört einfach auch zum Leben dazu.
Was ich weniger möchte, ist dieses ständige Gefühl, etwas tun zu müssen, nur weil „man“ das eben so macht.
Vielleicht ist genau das für mich der Unterschied, den ich heute viel stärker spüre als früher.
Will ich das wirklich?
Passt es zu meinem Leben?
Ist es mir meine Lebenszeit wert?
Oder steht es nur noch auf meiner inneren „Das macht man eben so“-Liste?
Meine Lebenszeit ist mir inzwischen zu schade für Dinge, die ich nur mache, weil irgendjemand irgendwann beschlossen hat, dass man das eben so macht.
Und wahrscheinlich hat das auch ein bisschen mit dem Älterwerden zu tun. Ich weiß heute viel schneller, was mir wichtig ist. Ich weiß aber auch besser, worauf ich keine Lust mehr hab.
Meine innere „Muss ich noch“-Liste ist deshalb schon kürzer geworden.
Die „Will ich wirklich“-Liste dagegen wird definitiv bleiben.
Und wenn ich dabei irgendwann wieder vor einem Berg stehe, der mir riesig vorkommt, denke ich vielleicht an mein erstes E-Mail-Tool.
Manche Berge werden irgendwann ziemlich klein und bei manchen merkt man zum Glück rechtzeitig: Einen Scheiß muss ich …
Über die Autorin
Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach sowie Karriere Coach und Stärken Mentorin für berufliche Balance. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung – in einem männerdominierten Unternehmen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.
Manchmal braucht es nur eine Frage, und plötzlich kommen Geschichten zum Vorschein, die in keinem Lebenslauf stehen.
Genau das ist bei meiner allerersten Blogparade passiert.
Ich wollte wissen: Was hättest du gern früher über dein Berufsleben gewusst?
Fünf Frauen haben meine Einladung angenommen und ihre ganz persönliche Antwort darauf geschrieben. Beate Mader, Doris Schuppe, Melanie Merz, Anja Krüger und Sandra Schwertfeger haben zurückgeblickt auf Entscheidungen, Umwege, Erfolge, schwierige Zeiten und Neuanfänge.
Und dafür möchte ich euch zuerst ganz lieben Danke sagen.
Denn so einen Beitrag schreibt man nicht mal eben zwischen zwei Terminen. Man schaut zurück, kramt alte Situationen wieder aus dem Gedächtnis, die vielleicht längst in einer hinteren Schublade schlummern. Und man entscheidet ganz bewusst: Ja, darüber möchte ich öffentlich schreiben.
Genau diese Offenheit hat mich beim Lesen eurer Beiträge sehr berührt.
Was ich aus meiner Blogparade mitnehme?
Vor allem die Erkenntnis, dass Berufswege von Frauen eher selten einer geraden Linie folgen und auch wie gut das ist.
Da ist die Entscheidung, die damals richtig war und heute vielleicht anders ausfallen würde. Da ist ein Job mit gutem Titel und gutem Gehalt, der sich trotzdem wie ein goldener Käfig anfühlt. Es sind die Erwartungen von Eltern, die man als Frau nicht enttäuschen möchte.
Aber auch Erwartungen von Vorgesetzten oder dem Umfeld. Es gibt Überstunden, Erschöpfung, fehlende Förderung, Selbstzweifel und berufliche Brüche.
Aber da ist noch viel mehr.
Der Mut, noch mal neu anzufangen. Die Erfahrung, dass ein vermeintlicher Umweg plötzlich doch noch ziemlich nützlich war.
Das Wissen, dass ein Scheitern nicht alles auslöscht, was vorher da war. Und der Moment, in dem eine Frau ihre Stimme erhebt und merkt: „Hoppla, die wird ja gehört.“
Und die Entscheidung, Erfolg irgendwann nach den eigenen Regeln zu messen.
Genau deshalb finde ich die fünf Beiträge so wertvoll. Keine Geschichte gleicht der anderen. Und viele Frauen die sie lesen, werden sich wiedererkennen.
Vielleicht ist das für mich auch einer der schönsten Effekte dieser Blogparade, denn wir lernen neue Sichtweisen kennen und es entsteht ein Netz aus Erfahrungen.
Und vielleicht merkst du beim Lesen auch einfach: Mein eigener Berufsweg ist gar nicht so schräg, wie ich immer dachte.
Genau davon erzählen diese fünf Frauen.
Beate, Doris, Melanie, Anja und Sandra, danke für eure Zeit, eure Offenheit und euren Mut, eure Erfahrungen mit uns zu teilen.
Jetzt bekommen eure Geschichten hier den Platz, den sie verdient haben.
Berufswege von Frauen: 6 Geschichten über Umwege und Neuanfänge
Diese wunderbaren Beiträge sind während der offiziellen Laufzeit entstanden:
Beate Mader greift in ihrem Beitrag die Frage auf, ob sie in ihrem Leben und vor allem bei ihrer Selbstständigkeit anders entschieden hätte, wenn sie damals schon gewusst hätte, wie sich alles entwickelt. Ihr Fazit: vermutlich meistens nicht. Denn auch Umwege, Fehlversuche und schwierige Phasen haben dazu beigetragen, dass sie heute da steht, wo sie steht.
Besonders prägend war ihr eher ungewöhnlicher Start in die Selbstständigkeit. Sie bekam die Chance, beim Aufbau eines Formel-1-Teams mitzuarbeiten. Dafür musste sie gründen und eigene Rechnungen stellen. Obwohl dieses Abenteuer schon nach weniger als einem Jahr vorbei war, würde sie auf diese Erfahrung nicht verzichten wollen.
Heute geht Beate mit Entscheidungen deutlich gelassener um. Sie entscheidet mit dem Wissen, das ihr in diesem Moment zur Verfügung steht, und steht dazu. Ändern sich die Fakten oder passt der eingeschlagene Weg nicht mehr, trifft sie eben eine neue Entscheidung. Statt sich lange mit der Frage „Was wäre gewesen, wenn …?“ aufzuhalten, sieht sie ihre bisherigen Entscheidungen als Teil ihrer Entwicklung.
Ich finde, Beates Geschichte zeigt sehr schön, dass wir manche Entscheidungen vermutlich gar nicht getroffen hätten, wenn wir vorher alle Schwierigkeiten gekannt hätten. Und genau deshalb wären uns vielleicht auch Erfahrungen, Chancen und Entwicklungen entgangen, die uns heute ausmachen.
2. Doris Schuppe: Wenn dein Lebenslauf nicht „passt“ – vom Mut noch mal anzufangen
Im Blogbeitrag von Doris Schuppe erzählt sie von einem Berufsweg, der auf dem Papier nicht immer so schön geradlinig aussieht, wie Personalabteilungen es gern hätten. Nach ihrem Studium der Biologie und Informatik führte ihr Weg über Journalismus und PR bis hin zur Selbstständigkeit. Dabei gab es große Karriereschritte, Neustarts und Erfahrungen, die von außen ganz anders ausschauten, als sie sich für Doris angefühlt haben.
Ein gutes Beispiel ist ihre Zeit als PR-Chefin bei CompuServe. Ein toller Titel, gutes Gehalt, viel Verantwortung. Doch für Doris wurde diese Position zum „goldenen Käfig“. Sie hatte immer weniger Freiraum und merkte, dass der vermeintliche berufliche Erfolg nicht zu der Art passte, wie sie arbeiten und leben wollte. Später machte ihr genau dieser erfolgreiche Lebenslauf den Wechsel schwer: Für andere Stellen galt sie plötzlich als „überqualifiziert“.
Bereut sie deshalb ihre frühere PR-Karriere? Nein. Sie sieht diese Jahre heute als wertvolles Startkapital. Sie lernte viel über Menschen und Kommunikation und nahm vor allem eine Haltung mit: ausprobieren, aus Fehlern lernen und neu anfangen. Das führte sie schließlich auch in die Selbstständigkeit.
Ihrem jüngeren beruflichen Ich würde Doris heute unter anderem raten, weniger Angst vor einer Selbstständigkeit zu haben, mit anderen über die eigene Arbeit zu sprechen, sich ein gutes berufliches Umfeld zu suchen, sichtbar zu werden und nie aufzuhören zu lernen. Beruflichen Erfolg misst sie heute weniger an Titeln. Für sie zählt es mehr, ob Menschen durch die Zusammenarbeit mit ihr weiterkommen und ihre eigene Art zu arbeiten finden.
Ein aalglatter Lebenslauf lässt mich als Personalerin immer erst mal aufhorchen, denn den gibt es nicht. Doris’ Geschichte zeigt, wie vermeintliche Umwege, ein freiwilliger Abschied von angesehenen Positionen und mehrere Neuanfänge zu einem Berufsleben führen können, das viel besser zum eigenen Leben passt. Und manchmal erzählt das, was zwischen den Stationen im Lebenslauf passiert ist, viel mehr über einen Menschen als der Jobtitel daneben.
3. Melanie Merz: Erfolg ohne Erschöpfung – geht das in der Baubranche?
Melanie Merz erzählt in ihrem Beitrag von ihren Erfahrungen und einer Arbeitskultur in der Baubranche, in der lange Tage, durchgearbeitete Nächte und ständiges Funktionieren oft als völlig normal gelten. Schon im Studium lernte sie die sogenannten „Ghost Hours“ kennen: Stunden, die niemand erfasst oder bezahlt, die aber stillschweigend erwartet werden. Später erlebte sie als Projektleiterin, wie wenig Platz selbst für schwere private Situationen blieb, sobald Termine und Projekte auf dem Spiel standen.
Lange machte Melanie selbst mit. Viel Arbeit fühlte sich für sie sogar wie ein Zeichen dafür an, beruflich alles richtig zu machen. Bis ihr Körper immer deutlicher motzte. Schlafprobleme, Tinnitus, Kopfschmerzen und ein Rucksack voller kleiner Helfer für den Arbeitstag gehörten irgendwann dazu. Als auch Kolleginnen und Kollegen wegen Burnout ausfielen, wurde ihr bewusst, dass das kein persönliches Versagen ist, sondern viel mit der Arbeitskultur und den Bedingungen in der Branche zu tun hat.
Heute arbeitet Melanie anders. Sie richtet ihre Aufgaben stärker nach ihrem eigenen Energielevel, ihren kreativen Zeiten und ihrem Zyklus aus. Bewegung findet nicht erst nach Feierabend statt. Und wenn die Luft mal wieder raus ist, versucht sie nicht mehr, sich mit Gewalt weiter selbst anzutreiben. Diese Erfahrungen fließen heute auch in ihre Arbeit als Embodiment Coach ein, mit der sie Frauen dabei begleitet, Beruf und eigenes Wohlbefinden besser miteinander zu verbinden.
Melanies Geschichte hat mich sehr an mich erinnert und stellt eine ziemlich tief sitzende Regel infrage: Erfolg muss nicht bedeuten, ständig über die eigenen Grenzen zu gehen. Sie wünscht sich eine Arbeitswelt, in der Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensphasen und Bedürfnissen Platz haben. Denn wer dauerhaft gute Arbeit leisten will, sollte dafür nicht die eigene Gesundheit bezahlen müssen.
Anja Krüger erzählt in ihrem Gastbeitrag von einem Berufsleben, das alles andere als gerade verlief. Eigentlich wollte sie studieren, entschied sich auf Wunsch ihrer Eltern aber für eine Ausbildung zur Speditionskauffrau. Schon mit 22 leitete sie eine Importabteilung, mit 23 gründete sie ihr erstes Unternehmen. Was zunächst wie ein Umweg aussah, gab ihr später Wissen und Erfahrung für ihre Arbeit als Unternehmerin.
Doch auch viele Jahre Berufserfahrung schützten sie nicht vor schweren Brüchen. Nach dem Tod ihres Mannes musste sie ihr Leben mit drei Kindern neu ordnen. Später kostete sie eine Entscheidung aus Vertrauen ihr Unternehmen, ihr Zuhause und zeitweise ihre Gesundheit. Anja macht daraus im Rückblick keine hübsche Erfolgsgeschichte. Ihr Punkt ist ein anderer: Ein Scheitern löscht nicht aus, was man vorher gelernt und geleistet hat.
Mit 53 startete sie 2018 erneut und baute sich ein Online-Business auf. Diesmal wollte sie kein Unternehmen mehr, bei dem sie ständig beweisen musste, wie viel sie aushalten kann. Heute misst sie Erfolg anders. Arbeit soll zum eigenen Leben passen, Raum für Familie und Gesundheit lassen und auf der eigenen Erfahrung aufbauen. Auch Sichtbarkeit bedeutet für sie nicht, ständig auf Social Media präsent zu sein. Eine gute Website, ein hilfreicher Artikel oder ein ehrliches Gespräch dürfen reichen.
Anjas Geschichte zeigt, dass Umwege und Brüche die eigene Berufserfahrung nicht entwerten. Selbst nach großen Verlusten und mit über 50 ist ein beruflicher Neustart möglich. Was vorher war, muss dabei nicht weg. Im Gegenteil: Genau diese Jahre, Fehler und Erfahrungen können die Grundlage dafür sein, beim nächsten Mal bewusster zu entscheiden, wie man arbeiten und leben möchte.
5. Sandra Schwertfeger: Was tun, wenn der Berufsweg nicht geradlinig ist?
Sandra erzählt von einem Berufsweg, der lange von Unsicherheit und den Erwartungen anderer geprägt war. Nach einem mühsam bestandenen Abitur wusste sie nicht, welchen Beruf sie wählen sollte. Auf Empfehlung ihrer Eltern machte sie eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Die war zwar noch nicht ihr berufliches Ziel, gab ihr aber etwas, das ihr nach der Schulzeit fehlte: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Danach folgte ein Osteopathie-Studium, das sie abbrach. Rückblickend sieht Sandra einen Grund darin, dass die Entscheidung stark vom Wunsch ihres Vaters geprägt war, sie solle studieren. Ganz anders fühlte es sich später beim Studium der Medieninformatik an. Dafür entschied sie sich aus eigenem Interesse und schloss es mit der Note 1,4 ab. Für Sandra war das der Beweis, dass ihre früheren schlechten schulischen Leistungen wenig darüber aussagten, was tatsächlich in ihr steckt.
Auch im Berufsleben sammelte sie Erfahrungen, auf die sie gern verzichtet hätte. In kleinen Unternehmen fühlte sie sich unterbezahlt und zu wenig wertgeschätzt. Früher nahm sie vieles hin und zweifelte eher an sich selbst. Heute spricht sie an, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, fragt nach Feedback und zieht Grenzen, wenn eine Situation für sie nicht mehr passt.
Sandras Geschichte zeigt uns ebenfalls sehr schön, dass ein Berufsweg nicht gerade verlaufen muss, um am Ende zum eigenen zu werden. Manche Umwege würde sie heute vermeiden, andere möchte sie nicht missen. Vor allem hat sie gelernt, Entscheidungen weniger nach den Erwartungen anderer zu treffen und stärker darauf zu achten, was sie selbst interessiert und unter welchen Bedingungen sie gut arbeiten möchte.
Und dann ist da natürlich noch mein eigener Blogbeitrag zu meiner Blogparade:
6. Mein eigener Blogbeitrag: Frauen im Berufsleben: Was ich mir früher gewünscht hätte
Natürlich hat mich meine eigene Frage nicht losgelassen: Was hätte ich selbst gern früher über mein Berufsleben gewusst?
Meine Antwort darauf hat viel mit meinen ersten Berufsjahren zu tun. Damals war ich überzeugt: Wenn ich gute Arbeit leiste, Verantwortung übernehme und fleißig bin, wird das gesehen. Dann komme ich beruflich auch weiter.
Heute weiß ich, dass Leistung allein oft nicht reicht.
Was mir damals gefehlt hat, war eine Mentorin. Eine Frau, die mir erklärt, wie manche Dinge im Berufsleben wirklich laufen. Die mich fördert, mir etwas zutraut und vielleicht auch mal sagt: „Brigitte, mach dich sichtbar. Warte nicht darauf, dass jemand von allein merkt, was du kannst.“
Gerade in meinem männergeprägten Arbeitsumfeld habe ich erlebt, wie selbstverständlich Männer sich gegenseitig unterstützten, empfohlen haben und Türen öffneten. Ich hatte eine andere Lösung: noch mehr arbeiten.
Also machte ich Überstunden, übernahm Verantwortung und löste Probleme möglichst still im Hintergrund. Bis mein Körper irgendwann ziemlich deutlich sagte: Schluss jetzt. Nach einer Ohnmacht landete ich für zwei Tage im Krankenhaus.
Auch unter Frauen hätte ich mir damals mehr Miteinander gewünscht. Stattdessen habe ich gerade in meinen ersten Berufsjahren Konkurrenz, Neid und kleine Spitzen erlebt. Umso schöner finde ich es heute zu sehen, wie Frauen sich vernetzen, gegenseitig empfehlen, Wissen teilen und sich Türen öffnen.
Einen Moment aus meinem Berufsleben werde ich dabei wohl nie vergessen.
Bei einem Workshop mit rund 120 Führungskräften stand ich plötzlich auf, nahm das Mikrofon und sagte offen, was meiner Meinung nach gerade schieflief. Das war so gar nicht meine Art. Normalerweise drängte ich mich nicht nach vorne.
Und dann bekam ich Standing Ovations.
Dieser Moment hat etwas mit mir gemacht. Ich merkte: Meine Stimme wird gehört. Aber dafür muss ich sie eben auch benutzen.
Vielleicht ist genau das eine der Sachen, die ich meinem jüngeren Ich heute gern sagen würde: Arbeite nicht einfach noch mehr und hoffe darauf, dass irgendwann jemand deine Leistung bemerkt. Such dir Menschen, die an dich glauben. Vernetze dich. Zeig, was du drauf hast und trau dich, deine Meinung zu sagen.
Heute bin ich selbst Mentorin für Frauen. Und damit bin ich ein Stück weit die Frau geworden, die ich mir zu Beginn meines eigenen Berufslebens an meiner Seite gewünscht hätte.
Diese Blogparade hat mir gezeigt, dass hinter einem Lebenslauf so viel mehr steckt als Jobtitel, Jahreszahlen und Abschlüsse.
Berufswege von Frauen haben Kurven, Sackgassen, Pausen und auch mal Abzweigungen. Manchmal drehen wir sogar um und laufen ein Stück zurück, bevor wir merken, wo es weitergeht.
Und im Alter von 40, 50 oder 60 schauen wir anders auf manche Entscheidung als in den 20ern oder 30ern.
Das heißt aber nicht automatisch, dass unsere frühere Entscheidung falsch war.
Wir haben damals mit dem Wissen entschieden, das wir hatten. Mit den Möglichkeiten, die vor uns lagen. Und manchmal auch mit Erwartungen im Gepäck, von denen wir erst Jahre später merken, dass sie gar nicht unsere eigenen waren.
Über die Autorin
Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach sowie Karriere Coach und Stärken Mentorin für berufliche Balance. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung – in einem männerdominierten Unternehmen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.
Mir gefällt das Format sehr, deshalb bin ich immer wieder gerne dabei.
Heute morgen beim Aufstehen habe ich noch nicht dran gedacht, deshalb gibt es kein Bild von meinem Zwetschenkuchen zum Frühstück.
Ich bin morgens gleich an meinem Arbeitsplatz.
Meine Homepage darf ich an die aktuellen Themen anpassen.
Ohne zweiten Kaffee geht nichts
Mein Mann hat einen Termin, da fahre ich mit und habe eine schöne, alte Mühle entdeckt, als ich auf ihn gewartet habe.
Aber auch hier fehlt das Wasser. Die Mühle steht still.
Zur Zwetschgenzeit ist eine Zwetschgenwähe bei uns Pflichtprogramm.
Und während der Kuchen im Ofen ist, mache ich uns doch gleich mal ein cremiges Joghurt-Eis. Hmmmm… lecker
Dann noch schnell einige Vorbereitungen für meinen Live-Workshop am Freitag.
Wenn du Lust hast, dabei zu sein, kein Problem. Hier geht’s zur Anmeldung.
Nach einem Interview-Termin geht es dann noch etwas in den Schatten am Teich.
Auch wenn ich eigentlich noch bügeln müsste, bei der Hitze habe ich heute keine Lust dazu.
Lieber den Tag im Schatten genießen.
Das waren meine 12 von 12 im August 2026.
Was hast du heute bei den heißen Temperaturen gemacht?
Über die Autorin
Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach sowie Karriere Coach und Stärken Mentorin für berufliche Balance. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung – in einem männerdominierten Unternehmen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.
Gastbeitrag von Anja Krüger zur Blogparade von Brigitte Kleinhenz
Wenn ich heute auf mein Berufsleben zurückblicke, sehe ich keinen geraden Weg. Ich sehe Entscheidungen, die vernünftig wirkten, obwohl sie nicht meine eigenen waren. Ich sehe Unternehmen, die gewachsen sind, und Lebensphasen, in denen fast nichts mehr sicher war. Vor allem sehe ich mehrere Neuanfänge.
Früher hätte ich mir gewünscht, dass mir jemand sagt: Ein Umweg ist kein Gegenbeweis für deine Fähigkeiten. Ein Bruch macht deine Erfahrung nicht wertlos. Und ein Neustart hat kein Ablaufdatum.
Früher glaubte ich, ein guter Berufsweg müsse gerade sein
Ich wollte studieren. Meine Eltern fanden, ich solle lieber schnell auf eigenen Beinen stehen und Geld verdienen. Also machte ich eine Ausbildung zur Speditionskauffrau. Das war solide und vernünftig, aber nicht mein Traum.
Ich war gut in meinem Beruf. Mit 22 leitete ich bereits die Importabteilung einer großen Spedition in Hannover. Von außen sah das nach einem gelungenen Start aus. Innerlich wusste ich trotzdem, dass ich nicht dauerhaft für andere arbeiten wollte. Ich wollte Verantwortung nicht nur übernehmen, sondern selbst entscheiden, was ich aufbaue.
Mit 23 gründete ich mein erstes Unternehmen. Später kamen weitere Firmen hinzu. Ich lernte, zu verkaufen, Mitarbeitende zu führen, Risiken einzuschätzen und auch dann Entscheidungen zu treffen, wenn niemand eine Garantie geben konnte.
Heute weiß ich: Die Ausbildung war kein verlorener Abschnitt. Sie war auch nicht der Beweis, dass ich meinen eigenen Wunsch aufgegeben hatte. Sie gab mir Wissen, Disziplin und Einblicke, die mir später als Unternehmerin halfen. Ein Weg kann anders beginnen, als wir es geplant haben, und uns trotzdem etwas Wertvolles mitgeben.
Erfolg schützt nicht vor Brüchen
Lange dachte ich, Erfahrung müsse irgendwann vor großen Fehlern schützen. Wenn man nur genug gelernt, gearbeitet und aufgebaut hat, müsste man doch an einen Punkt kommen, an dem das Fundament hält.
So funktioniert das Leben nicht.
Ich habe Unternehmen aufgebaut, verkauft und wieder neu angefangen. Ich habe Verantwortung für meine Familie und meine Firmen getragen. Nach dem Tod meines Mannes stand ich schwanger mit meiner Tochter und mit zwei Söhnen vor einem Leben, das von einem Tag auf den anderen anders aussah. Auch danach ging es weiter. Ich gründete neu und baute wieder auf.
Später traf ich aus Vertrauen eine Entscheidung, die mich sehr teuer zu stehen kam. Ich verlor mein Unternehmen, mein Zuhause und zeitweise auch meine Gesundheit. Das war keine inspirierende Wendung, die sich im Moment schon nach einer späteren Erfolgsgeschichte anfühlte. Es war eine harte Zeit, in der ich oft nicht wusste, wie mein Leben weitergehen sollte.
Was ich meinem jüngeren Ich heute sagen würde: Du musst einen Bruch nicht schönreden, damit du daran wachsen darfst. Du darfst traurig, erschöpft oder orientierungslos sein. Aber du bist nicht plötzlich unerfahren, nur weil etwas nicht funktioniert hat. Alles, was du bis dahin gelernt hast, bleibt in dir.
Mein Neustart mit 53
2018 begann ich noch einmal von vorn. Ich war 53 und baute mir ein Online-Business auf. Ein Jahr später zog ich mit zwei meiner Kinder nach Zypern.
Dieser Neustart war anders als meine früheren Gründungen. Ich wollte nicht mehr beweisen, wie viel ich aushalten kann. Ich wollte ein Unternehmen, das zu meinem Leben passt. Ich wollte meine Erfahrung nutzen, ohne mich jeden Tag auf einer Social-Media-Bühne inszenieren zu müssen. Und ich wollte Frauen zeigen, dass Wissen und Lebensleistung eine wirtschaftliche Grundlage sein können.
Mit 53 hatte ich weniger Lust auf Umwege, aber deutlich mehr Klarheit. Ich wusste besser, welche Arbeit ich leisten wollte, mit wem ich arbeiten wollte und was ich nicht mehr bereit war, für Erfolg zu opfern.
Das Alter war dabei kein Nachteil. Es war ein Filter.
Was ich heute anders mache
Ich definiere Erfolg nicht mehr nur über Wachstum
Früher bedeutete Erfolg für mich vor allem: größer werden, mehr schaffen, mehr Verantwortung tragen. Heute frage ich zusätzlich: Wie fühlt sich der Weg dorthin an? Passt das Unternehmen zu meinem Leben? Bleibt Raum für Gesundheit, Familie und eigene Entscheidungen?
Wachstum ist nicht falsch. Aber es ist nicht automatisch ein Gewinn, wenn wir uns selbst dabei verlieren.
Ich verwechsle Verantwortung nicht mehr mit Selbstaufgabe
Verantwortung gehört zum Unternehmertum. Doch nicht jedes Problem muss allein gelöst werden. Nicht jede Belastung ist ein Beweis für Stärke. Und Vertrauen braucht klare Grenzen.
Ich arbeite heute mit einem kleinen Team und achte bewusster darauf, welche Aufgaben wirklich bei mir liegen. Das ist keine Schwäche, sondern gute Führung.
Ich glaube nicht mehr, dass Sichtbarkeit laut sein muss
Viele Frauen mit großer Erfahrung halten sich zurück, weil sie Sichtbarkeit mit Selbstdarstellung verwechseln. Sie wollen nicht täglich posten, tanzen oder ihr Privatleben teilen. Also bleiben sie lieber ganz im Hintergrund.
Für mich bedeutet Sichtbarkeit heute etwas anderes: Menschen müssen verstehen können, wofür ich stehe, welches Problem ich lösen kann und wie sie mit mir arbeiten können. Das darf ruhig, klar und fachlich sein. Eine hilfreiche Website, ein guter Artikel oder ein ehrliches Gespräch können stärker wirken als tägliche Präsenz ohne Richtung.
Ich behandle Erfahrung als Kapital
Viele Dinge, die uns leichtfallen, erscheinen uns nicht besonders. Wir vergessen, wie viele Jahre, Entscheidungen und Fehler darin stecken. Gerade Frauen spielen ihr Wissen oft herunter, weil es für sie selbstverständlich geworden ist.
Heute schaue ich genauer hin: Welche Abkürzung kann meine Erfahrung für eine andere Frau sein? Welche Entscheidung kann sie mit meiner Hilfe klarer treffen? Daraus entsteht ein Angebot, das nicht auf Lautstärke, sondern auf echter Substanz beruht.
Was ich meinem jüngeren beruflichen Ich sagen würde
Du musst nicht den richtigen Lebensplan für die nächsten dreißig Jahre kennen.
Du darfst eine vernünftige Entscheidung treffen und später feststellen, dass sie nicht mehr zu dir passt. Du darfst erfolgreich sein und trotzdem neu wählen. Du darfst nach einem Verlust langsam werden. Und du darfst mit 40, 50 oder später noch einmal anfangen.
Vor allem würde ich sagen: Warte nicht darauf, dass jemand anderes dir die Erlaubnis gibt, deinen eigenen Weg ernst zu nehmen.
Beruflicher Erfolg bedeutet für mich heute nicht, dass alles nach Plan läuft. Erfolg bedeutet, nach einer Veränderung wieder handlungsfähig zu werden. Die eigene Erfahrung nicht gegen sich zu verwenden, sondern mit ihr weiterzugehen. Und ein Berufsleben aufzubauen, das nicht nur von außen gut aussieht, sondern sich auch von innen stimmig anfühlt.
Meine Umwege waren keine Gegenbeweise. Sie waren mein Berufsleben.
Über die Gastautorin
Anja Krüger ist Unternehmerin, Mentorin und Gründerin von Erfolgsladys. Seit mehr als 35 Jahren baut sie Unternehmen auf und begleitet heute vor allem erfahrene Frauen dabei, aus Wissen und Lebensleistung ein klares Angebot sowie einen ruhigen Weg zu passenden Anfragen zu entwickeln.
Stärken Mentorin für berufliche Balance und systemischer Coach. Ich begleite Frauen, die merken, dass ihr Job nicht mehr ganz zu ihnen passt und unterstütze sie dabei, ihre leise, kraftvolle Seite neu zu entdecken. Gemeinsam gestalten wir ein Berufsleben, das Sinn macht, guttut und sich echt anfühlt. Schritt für Schritt, ohne alles auf den Kopf zu stellen.
Viel Spaß hier auf meinem Blog.
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Was brauche ich jetzt wirklich? Mehr Selbstbewusstsein + Motivation + Erfolg + Glück und Wohlbefinden
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