Du funktionierst im Job, aber innerlich wächst dein Wunsch nach Veränderung. Nur wohin? KI kann dir helfen, deine Gedanken zu sortieren und Möglichkeiten zu entdecken. Schau dir an, wie du sie nutzt, ohne deine Zukunft gleich aus der Hand zu geben.

 

Berufliche Neuorientierung mit KI: Wie du herausfindest, was zu dir passt

 

Nach einem langen Arbeitstag sitzt du mal wieder auf dem Sofa. Heute hast du mal wieder Aufgaben erledigt, die dringend waren, aber mit dem, was du eigentlich gerne machst, wenig zu tun hatten. Du hast manchmal das Gefühl, so müsste es sich im Schleudergang deiner Waschmaschine anfühlen. Und morgen geht das Ganze von vorne los.

Deshalb öffnest du ChatGPT und tippst einfach mal ein: Welcher Beruf passt zu mir?

Die Antwort kommt meistens sehr schnell, denn „Chatty“ will dich ja unterstützen und dir gefallen. Da taucht dann möglicherweise Projektmanagement, Beratung, Vertrieb, vielleicht auch was Kreatives auf. Du liest die Vorschläge und denkst: Ja, könnte sein. Aber woher weiß ich, ob es mir dort wirklich besser geht?

Genau dann lohnt es sich tatsächlich, mal genauer hinzuschauen.

Berufliche Neuorientierung mit KI kann dir zunächst helfen, deine Gedanken zu sortieren und neue Möglichkeiten zu entdecken.

Damit daraus aber eine wirklich passende Richtung entsteht, die auch zu dir und deiner Persönlichkeit passt, braucht es weit mehr als eine Liste mit Jobtiteln.

 

Warum eine Liste mit Berufen deinen Jobfrust noch nicht wirklich löst

 

Wenn du unzufrieden in deinem Job bist, kommen viele schnell auf den Gedanken „ich brauch was anderes“. Vielleicht schaust du deshalb schon regelmäßig in die Stellenanzeigen und hoffst, dass bei einer davon endlich was für dich dabei ist und dich so anspringt, dass du sagst, ja, genau das ist es.

Doch was suchst du eigentlich?

Hast du schon mal drüber nachgedacht? Sind es andere Aufgaben? Mehr Ruhe beim Bearbeiten? Eine Führungskraft, die dich ernst nimmt? Oder mehr Möglichkeit, deine Stärken zu nutzen, die in deinem jetzigen Job so gar nicht gefragt sind?

Das macht einen gewaltigen Unterschied, denn du kannst das Unternehmen einfach wechseln und trotzdem wieder in einer Rolle landen, in der du für alles zuständig bist und kaum etwas selbst entscheiden darfst.

Und dann stellst du fest „Ich bin vom Regen in die Traufe gekommen, und hab nichts gewonnen.“

Stell dir eine Projektkoordinatorin vor, die ihren Beruf inzwischen nur noch anstrengend findet. Sie organisiert gerne, behält Zusammenhänge im Blick und arbeitet sich mit viel Elan auch in schwierige Themen ein. Was sie jedoch belastet, sind die kurzfristigen, ständigen Änderungen, widersprüchliche Vorgaben von Kunden oder Vorgesetzten und die Erwartung, auch noch jederzeit erreichbar zu sein.

Eine Empfehlung für einen völlig anderen Beruf würde an ihrem eigentlichen Problem tatsächlich vorbeigehen. Vielleicht braucht sie ein Umfeld mit verlässlichen Absprachen und einer besser abgegrenzten Rolle.

Bevor du nach neuen Berufen suchst, lohnt sich deshalb die Frage: Was genau passt an meinem jetzigen Arbeitsalltag nicht mehr zu mir?

 

Was KI bei der beruflichen Neuorientierung trotzdem kann

 

Du kannst KI nutzen, um deine Beobachtungen zu ordnen, deine Fragen zu sammeln oder verschiedene Möglichkeiten gedanklich durchzugehen.

Gerade wenn in deinem Kopf alles durcheinanderfliegt wie im Schleudergang, kann ein strukturierter Austausch ein hilfreicher erster Anfang sein.

 

Schau dir deinen Arbeitsalltag genauer an

 

Schreib dir zuerst mal drei konkrete Situationen auf:

  • eine, die dich geärgert hat,
  • eine, die dich viel Kraft gekostet hat,
  • und eine, bei der du gerne gearbeitet hast.

 

Bitte die KI anschließend, dir Fragen dazu zu stellen. Zum Beispiel:

Hilf mir, diese drei Arbeitssituationen genauer zu analysieren.

Stelle mir jeweils eine Frage und warte auf meine Antwort. Unterscheide zwischen Aufgaben, Zusammenarbeit und Arbeitsbedingungen. Schlage zunächst keine Berufe vor.

 

Vielleicht merkst du dabei auch, dass dich deine Aufgaben trotzdem noch interessieren. Was dir fehlt, ist Zeit, sie ordentlich zu erledigen.

Oder du merkst, dass du deinen Job zwar gut machst, aber schon lange nicht mehr gerne zur Arbeit gehst.

Deshalb lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Brauchst du bessere Bedingungen, um wieder gerne zu arbeiten, oder möchtest du andere Aufgaben übernehmen?

 

 

Stärken, Wünschen und Arbeitsbedingungen für einen passenden Job

 

 

Wie du Fähigkeiten hinter alltäglichen Aufgaben entdeckst

 

Was du gut kannst, kommt dir möglicherweise völlig selbstverständlich vor. Du bereitest Besprechungen vor, hältst Termine zusammen oder erklärst Kolleginnen ein kompliziertes Thema so, dass sie damit weiterarbeiten können.

Für dich gehört das einfach zu deinem Job dazu. Dabei nutzt du Fähigkeiten, die auch bei anderen Aufgaben oder in einem anderen Beruf gefragt sein könnten.

 

Beschreib der KI einfach mal eine Aufgabe aus deinem Arbeitsalltag und erzähle, wie du dabei vorgehst. Frag sie dann dann:

Welche Fähigkeiten nutze ich bei dieser Aufgabe? Erkläre mir anhand meines Beispiels, wie du darauf kommst. Wenn dir etwas fehlt, frag bitte nach.

Schau dir die Antworten in Ruhe an: Passt das zu dir? Und machst du das wirklich gerne oder kannst du es einfach nur gut?

 

Nur weil du etwas gut kannst, heißt das auch noch lange nicht, dass du es gerne machst.

 

Wenn du immer wieder einspringst und alles hinbekommst, und auch Chaos zuverlässig auffängst, möchtest du deshalb noch lange keinen Job, in dem genau das jeden Tag von dir erwartet wird.

 

Berufliche Möglichkeiten weiterdenken

 

Wenn du weißt, welche Aufgaben du gerne machst und was du brauchst, um dich im Job wohlzufühlen, kannst du viel gezielter schauen, was beruflich für dich infrage kommt.

Eine Mitarbeiterin im Vertriebsinnendienst hilft zum Beispiel gerne Kunden weiter, arbeitet gründlich und kann Abläufe gut erklären.

Aber sie möchte nicht mehr ständig unter Druck stehen, noch mehr zu verkaufen, und bei jeder Beschwerde alleine dafür sorgen müssen, dass die Kunden wieder zufrieden sind.

Sie könnte die KI fragen, in welchen anderen Berufen sie ihre Erfahrung und Fähigkeiten nutzen kann.

Die Vorschläge schaut sie sich dann genauer an:

Was würde sie dort jeden Tag machen?

Was bringt sie dafür schon mit und was müsste sie noch lernen?

Und würde ihr dieser Arbeitsalltag überhaupt gefallen?

Mehr dazu findest du auch in meinem Beitrag Jobwechsel mit KI.

 

Wo du KI-Antworten genauer prüfen solltest

 

Wenn die KI dir eine ausführliche Antwort gibt, klingt die meistens erst mal richtig gut und durchdacht. Doch sie weiß nur das über dich, was du ihr geschrieben hast. Vielleicht fehlt etwas Wichtiges, vielleicht stimmt eine Aussage überhaupt nicht. Deshalb kann ein Berufsvorschlag auf den ersten Blick passend erscheinen, obwohl er mit deinem Arbeitsalltag und deinen beruflichen Wünschen wenig zu tun hat.

Nur weil du gerne anderen Menschen hilfst, ist ein Beruf in der Beratung noch lange nicht das Richtige für dich. Vielleicht unterstützt du deine Kolleginnen gerne, brauchst aber auch Zeit, in der du in Ruhe vor dich hinarbeiten kannst. Oder du möchtest dich gar nicht jeden Tag mit den Sorgen und Problemen anderer beschäftigen.

 

Und selbst wenn dir die KI mögliche Weiterbildungen, Gehälter oder offene Stellen nennt, solltest du genauer nachschauen, ob die Angaben stimmen und noch aktuell sind.

Das gilt genauso für die Frage, welche Ausbildung oder Erfahrung du für einen Beruf brauchst. Lass dir die Links dazu geben und lies selbst durch, bevor du deine nächsten Schritte planst.

Ein Tipp noch dazu: Frag die KI auch, was gegen einen Vorschlag sprechen könnte:

Was könnte an diesem Beruf für mich schwierig sein?

Was hast du über mich vermutet, ohne es zu wissen?

Und was sollte ich noch herausfinden, bevor ich mich näher damit beschäftige?

So kannst du danach besser einschätzen, ob der Vorschlag wirklich zu dir passt oder sich einfach nur mal wieder gut anhört, weil dir „Chatty“ gefallen will.

 

Warum persönliche Begleitung trotzdem wertvoll ist

 

Manchmal weißt du schon, was dich belastet, aber trotzdem fällt dir der nächste, erste kleine Schritt noch schwer.

Du möchtest deinem Chef sagen, dass die Aufgabenmenge inzwischen zu groß geworden ist, aber wenn du dir das Gespräch nur vorstellst, bekommst du Herzrasen und denkst an deine Kolleginnen, die dann womöglich mehr übernehmen müssten.

Oder dir springt eine interessante Stellenanzeige ins Gesicht und wischt die Anzeige weg, weil du noch nicht jede der aufgelisteten Anforderung mitbringst, obwohl du dich immer schnell in neue Aufgaben einarbeitest.

Dabei geht es auch darum, was du dir zutraust, wofür du dich verantwortlich fühlst und welche Horrorszenarien sich in deinem Kopf abspielen.

In einem persönlichen Coaching können wir solche Gedanken gemeinsam anschauen, schauen, wo sie herkommen, nachfragen und unterschiedliche Wege beurteilen. Dabei zählt aber immer deine gesamte Situation. Also einerseits dein Arbeitsalltag, aber auch deine Wünsche und das Leben außerhalb des Büros.

Für deine Neuorientierung finde ich es viel hilfreicher, dass du dir die Frage stellst, welche Unterstützung du gerade brauchst, damit du wirklich weiterkommst?

 

Berufliche Neuorientierung mit KI, drei Schritte für deinen Anfang

 

Sammle konkrete Beispiele aus deinem Alltag

 

Notiere eine Woche lang, welche Aufgaben dir Freude machen, wann du dich selbst mal wieder übergehst und was dir Energie zieht. Zehn Minuten am Abend reichen dafür vollkommen aus.

Achte aber auf konkrete Situationen. Aus dem Satz Ich werde nicht wertgeschätzt mach besser beispielsweise ein: Mein Vorschlag wurde im Meeting übergangen und später von einem Kollegen in anderer Form vorgestellt.

Damit kannst du genauer draufschauen, was dir fehlt und was sich verändern müsste.

 

Formuliere deine persönlichen Bedingungen die du brauchst

 

Aus deinen Beobachtungen kannst du für dich die ersten Kriterien festlegen. Vielleicht möchtest du mehr Verantwortung, weniger spontane Zusatzaufgaben übernehmen oder Entscheidungen nachvollziehen können.

Stell dir dazu einen ganz normalen Dienstag vor.

 

Welche Aufgaben erledigst du?

Wie stimmen sich die Kollegen mit dir ab?

Wann endet dein Arbeitstag, und wie viel Energie bleibt danach für dich noch übrig?

 

Eine Teamleiterin merkt dadurch vielleicht eher, dass sie gerne noch mehr Verantwortung tragen möchte. Was sie dazu braucht, sind ein größerer Entscheidungsspielraum und eine Führungskraft, die ihr das zutraut, aber auch bei schwierigen Themen erreichbar ist.

Das ist wesentlich greifbarer als der Wunsch nach einem besseren Job.

 

Mach einen ersten Schritt vom Nachdenken zum Ausprobieren

 

Vielleicht ist bei den Vorschlägen der KI etwas dabei, das dich neugierig macht. Dann schau dir diese Möglichkeit in Ruhe genauer an.

Du könntest mit einer Frau sprechen, die in diesem Beruf arbeitet, oder auch in deinem Unternehmen nachfragen, ob es Aufgabenbereiche gibt, die noch besser zu dir passen. Auch das Sichten von Stellenanzeigen können dir helfen, besser einzuschätzen, ob du dort das findest, was dir heute fehlt.

Frag beim Interview der Frau ruhig, was ihr an der Arbeit Freude macht und was sie anstrengend findet. Denn ein Jobtitel kann sich noch so gut anhören, entscheidend ist, wie dein Alltag dort aussehen würde und ob du dich damit wohlfühlst.

Du brauchst also noch keine fertige Entscheidung. Mit jedem Gespräch und jeder neuen Information kannst du besser einschätzen, was dir gefallen könnte und was du lieber nicht mehr möchtest.

Hier liest du warum der nächste kleine Schritt reicht.

 

Dein Job darf auch zu dir und deinem Leben passen

 

Vielleicht hast du lange gedacht, dass du dich einfach noch mehr anstrengen musst, damit es im Job besser läuft. Du hast zusätzliche Aufgaben übernommen, dich noch gründlicher vorbereitet und gehofft, dass es irgendwann weniger anstrengend wird.

Dabei ist die Frage, was du selbst brauchst und gerne möchtest, womöglich immer wieder und auch immer weiter in den Hintergrund verdrängt worden.

Dafür darfst du dir jetzt Zeit nehmen.

KI kann dir helfen, deine Gedanken zu sortieren und Ideen zu entdecken.

Ob diese Ideen letztendlich auch zu dir passen, findest du heraus, indem du genauer hinschaust:

Würde ich das gerne machen?

Passt das zu meinem Leben?

Und was möchte ich darüber hinaus noch erfahren?

Wenn du merkst, dass du alleine immer wieder bei denselben Fragen hängen bleibst, schauen wir im Balance-Gespräch gemeinsam hin:

Was macht dir gerade zu schaffen, was möchtest du verändern und wie kann ich dich dabei unterstützen?

 

Karriere Coaching für Frauen

Mein Balance-Gespräch ist kostenfrei und unverbindlich.

Hier kannst du dein Balance-Gespräch buchen.

 

 

Brigitte Kleinhenz
Über die Autorin

Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.

Kontakt zu mir

Bilder und Grafiken mit einer Canva Pro Lizenz genutzt. ©Canva

Fotos: Sabine Kristan

 

Fragen zur beruflichen Neuorientierung mit KI

 

Wie kann KI bei der beruflichen Neuorientierung helfen?

KI kann dir helfen, Erfahrungen zu ordnen, mögliche Fähigkeiten zu beschreiben und berufliche Optionen zu erkunden. Die Ergebnisse dienen als Grundlage zum Weiterdenken und sollten anhand deines Alltags und verlässlicher Quellen geprüft werden.

 

Kann ChatGPT herausfinden, welcher Beruf zu mir passt?

ChatGPT kann auf Basis deiner Angaben Vorschläge entwickeln. Ob ein Beruf zu dir passt, prüfst du anhand seiner tatsächlichen Aufgaben, deiner Wünsche, deiner Fähigkeiten und deiner Lebenssituation.

 

Welche Informationen braucht KI für hilfreiche Berufsvorschläge?

Hilfreich sind konkrete Beispiele aus deinem Arbeitsalltag, deine Interessen, Fähigkeiten und gewünschten Arbeitsbedingungen. Beschreibe außerdem, was dich belastet und was du künftig verändern möchtest.

 

Kann KI ein persönliches Karrierecoaching ersetzen?

Für einzelne Aufgaben kann KI eine Unterstützung sein. Persönliche Begleitung bietet Raum, um Unsicherheit, innere Hindernisse und Entscheidungen im Zusammenhang mit deiner gesamten Situation zu bearbeiten.

 

Wie gehe ich mit persönlichen Daten im KI-Chat um?

Verwende für erste Übungen anonymisierte Beispiele ohne Namen, Kontaktdaten oder vertrauliche Unternehmensinformationen. Prüfe vor dem Teilen persönlicher Inhalte die Datenschutzbedingungen und Einstellungen des jeweiligen Anbieters.

 

Was ist ein sinnvoller erster Schritt zur beruflichen Neuorientierung?

Sammle konkrete Situationen, die dir im Job Freude machen oder Kraft kosten. Daraus lassen sich erste Kriterien dafür ableiten, welche Aufgaben und Arbeitsbedingungen künftig besser zu dir passen könnten.