Dieser Beitrag ist mein eigener Beitrag zu meiner Blogparade „Was ich mir für mein Berufsleben gewünscht hätte und was ich heute anders mache“. Die Idee dahinter: Frauen erzählen ehrlich von ihrem Berufsleben, ihren Erfahrungen und den Erkenntnissen, die sie heute gerne schon früher gehabt hätten.

 

 

Was ich mir für mein Berufsleben gewünscht hätte: Eine Mentorin, die mich sieht

 

Als ich ins Berufsleben gestartet bin, war ich überzeugt: Wer gute Arbeit macht, wird gesehen.

Ich dachte immer, Fleiß zahlt sich aus und Engagement wird belohnt.

So bin ich von klein auf aufgewachsen. Ich habe gelernt, wer Verantwortung übernimmt, bekommt irgendwann auch mehr Verantwortung übertragen.

Heute weiß ich, dass die Wirklichkeit meistens anders aussieht.

Besonders als Frau.

Ich hatte keinen Menschen an meiner Seite, der mich gefördert hat, niemanden, der gesagt hat:

„Du kannst mehr, als du gerade selbst glaubst.“

Und auch niemanden, der mir gezeigt hat, welche Spielregeln im Berufsleben gelten, der mir erklärt hat, dass Leistung alleine eben nicht immer reicht.

Aber genau das hätte ich mir gewünscht.

Eine Mentorin, keine Lehrerin und keine Chefin, sondern einen Menschen, der mich als Person wahrnimmt, mit meiner Persönlichkeit.

 

Erfolg hatte für mich lange ein männliches Gesicht

 

Ich arbeite seit vielen Jahren in einem Umfeld, das stark von Männern geprägt ist.

Dort gibt es etwas, das viele gar nicht bewusst wahrnehmen: Männer unterstützen Männer.

Sicherlich nicht immer absichtlich, oft ist das ganz selbstverständlich.

Man kennt sich, empfiehlt sich weiter. Man spricht miteinander und Mentoren öffnen Türen.

Früher hätte ich Seilschaften dazu gesagt, heute heißt das Netzwerk.

Damals hab ich einfach nur gedacht: „Die kennen sich halt.“

Mir war lange nicht bewusst, wie viel beruflicher Erfolg auch davon abhängt, wer deinen Namen nennt, wenn du nicht im Raum bist.

Ich dagegen dachte:

„Ich arbeite einfach noch besser.“

Also hab ich Überstunden gemacht, hab Verantwortung übernommen, Projekte im Hintergrund gerettet und ganz leise Probleme gelöst.

Und trotzdem hatte ich oft das Gefühl, immer noch mehr leisten zu müssen.

Heute weiß ich: Ich hab versucht, fehlende Unterstützung mit noch mehr Leistung auszugleichen, aber das funktioniert nur eine gewisse Zeit.

Und irgendwann stehst du vor einem Burnout oder dein Körper zeigt dir seeeehr deutlich, dass es so definitiv nicht weitergehen kann.

Mir hat das mein Körper sehr deutlich gezeigt, als ich innerhalb weniger Monate mehrfach mit einer massiven Grippe flach gelegen war und trotzdem dachte, ohne mich geht es nicht.

Erst als mein Körper den Stecker gezogen hat und ich im Bad von jetzt auf gleich ohnmächtig geworden bin und danach 2 Tage im Krankenhaus gelegen war, bin ich aufgewacht.

 

Frauen waren oft Konkurrentinnen statt Verbündete

 

Etwas hat mich damals, in meinen ersten Berufsjahren besonders traurig gemacht.

Ich hätte mir gewünscht, dass Frauen sich gegenseitig stärken.

Doch häufig hab ich etwas ganz anderes erlebt.

Da gab es Misstrauen und sehr viel Neid unter Frauen.

Kleine Spitzen in der Kaffeeküche und Klatsch und Tratsch über andere, die nicht im Raum waren.

Natürlich waren nicht alle Frauen so, aber oft entstand der Eindruck, dass nur Platz für eine Frau am Tisch ist.

Wenn eine Frau die nächste Stufe der Karriereleiter geschafft hat und weitergekommen ist, hieß es hinter vorgehaltener Hand „Na, womöglich hat sie sich hochgeschlafen“

Frauen konnten damals schon echt grausam sein und manche haben bis heute nichts dazu gelernt.

Aber heute denke ich, es lag weniger an den Frauen selbst, sondern eher an den Strukturen, wenn es nicht vorwärts ging.

Frauen mussten sich ihren Platz im Beruf einfach härter erkämpfen.

Viele hatten gelernt, sich durchzusetzen, indem sie stärker wurden wie ihr Umfeld, statt gemeinsam stärker zu werden.

Das ist schade, denn genau dadurch sind viele Chancen verloren gegangen.

 

Was ich meinem jüngeren Ich heute sagen würde

 

Wenn ich meinem jüngeren Ich begegnen könnte, würde ich nicht sagen:

„Arbeite härter.“

Sondern ich würde mir sagen:

„Suche dir Menschen, die an dich glauben.“

„Hab den Mut, auszusprechen, was du denkst, auch wenn deine Stimme am Anfang zittert.“

Genau das musste ich selbst erst lernen.

Ich erinnere mich noch gut an einen Workshop mit rund 120 Führungskräften.

Das Foyer war voll und vorne saß die Geschäftsleitung.

Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich in den Mittelpunkt drängt, ich sitze lieber erst mal da, höre zu und mache mir meine Gedanken.

Doch an dem Tag wurde etwas gesagt, das ich so nicht stehen lassen konnte.

Mein Herz klopfte bis zum Hals.

Ich hatte sicherlich einen hochroten Kopf und dachte nur: „Was machst du hier eigentlich?“

Trotzdem stand ich auf, ging nach vorne ans Mikrofon und hielt der Runde einen Spiegel vor.

Ich sprach aus, was viele vermutlich dachten, aber niemand sich zu sagen traute.

Als ich es ausgesprochen hatte, schoss mir sofort ein Gedanke durch den Kopf: „Hast du noch alle Tassen im Schrank?“

Ich war überzeugt, dass ich gerade viel zu weit gegangen war.

Aber dann passierte etwas, womit ich niemals gerechnet hätte.

Die Führungskräfte standen auf und applaudierten, Standing Ovations und zwar sehr laut.

Noch Tage später kamen Kolleg:innen auf mich zu und bedankten sich für meinen Mut.

Mehrfach sprach mich danach sogar die Geschäftsleitung an und fragte mich nach meiner Einschätzung zu anderen Themen.

Dieser eine kurze Moment hat für mich mehr verändert, als ich damals ahnen konnte.

Nicht etwa, weil ich plötzlich laut geworden bin, sondern weil ich endlich verstanden habe, dass meine Stimme Gewicht hat.

Heute fällt es mir viel leichter, Dinge anzusprechen, wenn ich merke, dass etwas nicht richtig läuft.

Respektvoll und mit dem Wissen, dass Schweigen selten etwas verändert.

Genau diesen Mut hätte ich meinem jüngeren Ich schon viel früher gewünscht.

 

Heute erlebe ich eine Veränderung

 

Zum Glück verändert sich heute etwas, langsam, aber spürbar.

Immer mehr Frauen erkennen, dass Konkurrenz niemanden weiterbringt.

Sie gründen Netzwerke.

Sie empfehlen sich gegenseitig und feiern Erfolge gemeinsam.

Sie teilen Erfahrungen und öffnen auch für andere Türen.

Genau das hätte ich mir vor vielen Jahren in meinem jungen Berufsleben gewünscht.

Eine Frau, die sagt:

„Komm mit. Ich zeig dir, was ich gelernt hab.“

Vielleicht wäre mein beruflicher Weg dadurch nicht kürzer geworden, aber bestimmt leichter.

 

Genau deshalb begleite ich heute Frauen

 

Heute arbeite ich als Personalentwicklerin und Ausbilderin. Außerdem unterstütze ich Frauen als Mentorin und Coach dabei, ihren beruflichen Weg so zu gestalten, dass er wirklich zu ihnen passt.

Ich möchte aus Frauen keine lauten Menschen machen.

Ich wünsche mir vielmehr, dass sie den Mut finden, ihre Gedanken auszusprechen, für sich einzustehen und sich nicht länger kleiner zu machen, als sie sind.

Warum ich das tue?

Weil ich genau weiß, wie es sich anfühlt, immer alles alleine mit sich zu diskutieren und schaffen zu wollen.

Ich kenne die Zweifel und den Druck, sich ständig beweisen zu müssen.

Und ich weiß auch, wie viel leichter vieles wird, wenn endlich jemand da ist, der einen ernst nimmt und unterstützt.

 

Ich weiß, dass viele Frauen Fragen mit sich herumtragen wie . . .

Bin ich gut genug?

Darf ich mehr wollen?

Warum werde ich übersehen?

Wie finde ich meinen Platz?

 

Diese Fragen haben mich selbst viele Jahre begleitet.

Deshalb geht es in meiner Arbeit nicht darum, Frauen zu sagen, wie sie sein sollen.

Ich möchte ihnen helfen, ihren eigenen, ganz persönlichen Weg zu finden.

Damit sie nicht nur funktionieren, sondern sich im Job wieder zuhause fühlen können.

In einem Job, bei dem sie morgens denken: „Yes. Dafür stehe ich auf.“

Mit mehr Selbstvertrauen und mehr Leichtigkeit.

Und mit Menschen an ihrer Seite, die sie stärken, statt klein zu machen.

Wahrscheinlich bin ich heute genau die Mentorin geworden, die ich selbst damals gebraucht hätte.

 

Mein Wunsch für die nächste Generation von Frauen

 

Ich wünsche mir eine Arbeitswelt, in der Frauen sich nicht mehr gegenseitig beweisen müssen, wer besser ist.

Ich wünsche mir Frauen, die ihr Wissen gerne miteinander teilen, die sich gegenseitig empfehlen und sich feiern und sich auch auffangen, wenn es schwierig wird.

Die sich gegenseitig ehrlich sagen: „Ich glaube an dich.“

Denn Erfolg wird tatsächlich größer, wenn wir ihn teilen.

Und vielleicht schreibt irgendwann eine junge Frau rückblickend:

„Ich hatte das Glück, dass jemand an mich geglaubt hat und mich unterstützt hat.“

Wenn mein Mentoring auch nur einen kleinen Teil dazu beiträgt, dann hat sich mein eigener Weg gelohnt.

 

Brigitte Kleinhenz
Über die Autorin

Brigitte Kleinhenz ist Berufspädagogin und systemischer Coach sowie Karriere Coach und Stärken Mentorin für berufliche Balance. Seit über 25 Jahren arbeitet sie im HR Bereich und der Personalentwicklung – in einem männerdominierten Unternehmen. Sie unterstützt Frauen dabei, ihren Job wieder passend zu machen: mit Neuorientierung, Job Feintuning und stimmigen nächsten Schritten. Sie schreibt über berufliche Balance und Karrierewege und begleitet ihre Kundinnen ausschließlich online.

Kontakt zu mir

Bilder und Grafiken mit einer Canva Pro Lizenz genutzt. ©Canva

Fotos: Sabine Kristan

 

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