Vielleicht ist es dir auch schon aufgefallen:

In Meetings reden immer die gleichen drei Leute.

Die anderen sitzen dabei, hören zu, nicken und sagen eher wenig.

Gerade introvertierte Menschen werden im Arbeitsalltag schnell unterschätzt.

Sie gelten als „still“, „zurückhaltend“ oder „nicht so engagiert“.

Dabei bringen sie oft genau das mit, was Teams dringend brauchen:

gutes Zuhören, Tiefgang, Beobachtungsgabe, Feingefühl für Stimmungen.

In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder:

Wenn Führungskräfte und Kolleg:innen verstehen, wie Introvertierte ticken, wird Zusammenarbeit leichter, entspannter und oft auch erfolgreicher.

Es gibt ein paar einfache Wege, wie du introvertierte Teammitglieder besser einbinden kannst, ohne sie zu verbiegen.

Fünf davon möchte ich dir hier zeigen.

 

Strategie 1: Entspann dich in Besprechungen und Gesprächen

 

Gib den Introvertierten Zeit zum Nachdenken und Reagieren.

Viele stillere Menschen brauchen einen Moment, um ihre Gedanken zu sortieren, bevor sie etwas sagen.

Sie denken erst nach und reden dann.

Extrovertierte sind oft anders unterwegs: Sie denken beim Reden.

Wobei ich aus eigener Erfahrung sagen muss, manchmal denken sie auch erst nach dem Reden.

Wenn du als Führungskraft oder Kollegin sehr schnell sprichst, zackig nachhakst oder Frage auf Frage stellst, kann das für Introvertierte wie ein Kreuzverhör wirken.

Sie ziehen sich dann noch mehr zurück.

Nicht, weil sie nichts zu sagen hätten, sondern weil ihnen der Rahmen zu eng und zu laut ist.

 

Eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Übung für dich:

Lass nach einer Frage einen kurzen Moment Luft.

Zähl innerlich bis drei, bevor du nachlegst oder jemand anders dran nimmst.

Viele Führungskräfte, mit denen ich arbeite, schreiben sich als Erinnerung einen kleinen Satz auf einen Post-it neben den Bildschirm oder ans Telefon:
„Halt kurz inne und hör zu.“

So signalisierst du: Deine Antwort muss nicht in der Sekunde kommen.

Es ist Raum da, um nachzudenken und dann etwas zu sagen.

Das nimmt Druck raus.

Und genau dann kommen oft die Gedanken, die vorher im Kopf stecken geblieben sind.

 

Strategie 2: Introvertierte brauchen Zeit alleine

 

Introvertierte Menschen laden ihre Energie anders auf als Extrovertierte.

Nicht im Trubel, sondern in der Ruhe.

Sie brauchen Phasen, in denen sie ungestört arbeiten können, ohne ständig angesprochen zu werden.

Als Führungskraft oder Kollegin kann es schnell passieren, dass du dieses Bedürfnis falsch deutest:

„Die ist so still.“
„Der ist nicht so gesellig.“
„Die wirkt manchmal distanziert.“

Aber meistens steckt etwas ganz anderes dahinter:
Introvertierte tanken auf, wenn sie in Ruhe denken, arbeiten und ihre Aufgaben erledigen dürfen.

Wenn du das respektierst, hast du ein zufriedeneres und konzentrierteres Teammitglied.

Eine einfache Technik dazu:

Statt immer wieder mal schnell „auf dem Sprung“ etwas zu fragen, sammle deine Anliegen.

  • Bündele Aufgaben und Fragen.
  • Priorisiere, was wichtig ist.
  • Plane dann einen klaren Gesprächstermin – gern mit Ankündigung und Zeitrahmen.

 

So hat die introvertierte Person:

  • eine verlässliche Struktur
  • weniger das Gefühl, ständig rausgerissen zu werden
  • und mehr Energie für gute Arbeit

 

Du zeigst damit:

Ich respektiere deine Arbeitsweise und deine Grenzen.

Und das stärkt auch das Vertrauen.

 

Kleinhenz-Coaching

 

Strategie 3: Lieber schreiben, weniger unterhalten

 

Manche Menschen denken besser mit einem Stift oder an der Tastatur.

Gerade Introvertierte fühlen sich oft wohler, wenn sie Dinge schriftlich klären können, statt spontan am Telefon oder im Flur.

Wenn du selbst eher extrovertiert bist, greifst du vielleicht schnell zum Hörer oder schaust „mal eben“ am Platz vorbei.

Für dich ist das unkompliziert.

Für introvertierte Teammitglieder ist es aber oft anstrengend.

Was du tun kannst:

  • Nutze E-Mail oder Chat, wenn es nicht ultra-dringend ist.
  • Formuliere klar, worum es dir geht und bis wann du eine Rückmeldung brauchst.
  • Gib Raum, um in Ruhe nachzudenken und dann zu antworten.

 

Das heißt aber auch nicht, dass es gar keine Gespräche mehr geben soll.

Aber: Du passt deine Kommunikationsform ein Stück weit an die Menschen an, mit denen du arbeitest.

Gerade bei komplexen Themen ist es für introvertierte Personen oft leichter, ihre Gedanken schriftlich zu sortieren.

So bekommst du:

  • klarere Antworten,
  • weniger Missverständnisse
  • und oft auch durchdachtere Vorschläge.

 

Am Ende gewinnt das ganze Team:
Du musst weniger nachfragen, und dein Gegenüber kann sich auf eine Art zeigen, die zu ihm oder ihr passt.

 

Kleinhenz-Coaching

 

Strategie 4: Besprechungen introvertierten freundlich machen

 

Meetings sind für viele Introvertierte eine Herausforderung: Viele Menschen, viel Input, wenig Zeit zum Nachdenken.

Extrovertierte springen gern spontan rein, werfen Ideen in den Raum, denken laut.

Introvertierte beobachten, hören zu, nehmen auf und sind innerlich oft viel aktiver, als man von außen sieht.

Du kannst ihnen Meetings leichter machen, wenn du zwei Dinge tust:

  1. Ausgewogene Teilnahme fördern
  2. Vorbereitung ermöglichen

 

Frag im Vorfeld nach Themen und Tagesordnungspunkten, statt einfach „drauflos“ zu besprechen.

Was soll geklärt werden?

Wer bringt was mit?

Ich arbeite mit einer Gruppe, die ein schönes System eingeführt hat:
Zu Beginn eines Meetings bekommt jedes Teammitglied eine fest definierte Zeit (z. B. 5 Minuten).
Wenn jemand spricht, hat diese Person in dieser Zeit die volle Aufmerksamkeit, ohne Unterbrechung, ohne „dazwischenquatschen“.

Das passiert dabei:

  • Auch ruhigere Menschen kommen dran.
  • Es entsteht weniger Dominanz durch die Lautesten.
  • Jede Stimme hat einen klaren Platz.

Du kannst auch kleine Runden einführen wie:
„Wir machen eine kurze Runde: Jede:r sagt in einem Satz, was ihm oder ihr zu diesem Punkt wichtig ist.“

So müssen Introvertierte nicht darum kämpfen, endlich auch mal etwas sagen zu dürfen.

Der Rahmen sorgt schon dafür, dass sie gehört werden.

 

Kleinhenz-Coaching

 

Strategie 5: Lass ihnen Zeit, sich vorzubereiten

 

Für Introvertierte ist es ein riesiger Unterschied, ob sie überrascht werden oder ob sie Zeit haben, sich innerlich einzustellen.

Wenn du willst, dass sie ihre besten Ideen einbringen, hilf ihnen mit:

  • einer klaren Tagesordnung für Besprechungen
  • einer Info, was du dir von ihnen wünschst („Bitte bring 2–3 Ideen mit…“)
  • Fragen, die du – wenn möglich – schon vorab stellst

Das kann ganz einfach aussehen:

  • „Im Meeting am Mittwoch geht es um XY. Es wäre super, wenn du dir vorher Gedanken dazu machst, wie wir…“
  • „Ich schicke dir meine Fragen heute schon, damit du sie dir in Ruhe anschauen kannst.“

 

Introvertierte können dann in ihrem Tempo denken, Informationen sortieren und sich dann strukturiert einbringen.

Für dich hat das zwei schöne Effekte:

  1. Die Qualität der Beiträge steigt, weil sie nicht aus dem Bauch heraus kommen müssen.
  2. Die Diskussion wird fokussierter und produktiver, weil viele schon vorbereitet sind.

Du unterstützt damit nicht nur introvertierte Menschen , du machst Meetings generell effizienter.

 

Kleinhenz Coaching

pinit fg en round red 16

Was du für die Zusammenarbeit mit Introvertierten mitnehmen kannst

 

Introvertierte Teammitglieder sind keine „Problemfälle“, die du irgendwie „aktivieren“ musst.

Sie bringen oft Fähigkeiten mit, die in Teams Gold wert sind: Ruhe, Tiefgang, Zuhören, reflektiertes Handeln.

Mit diesen fünf Strategien:

  1. mehr Pause und Raum in Gesprächen
  2. Respekt vor dem Bedürfnis nach Zeit alleine
  3. mehr schriftliche statt spontane Kommunikation
  4. bewusst gestaltete Besprechungen
  5. klare Vorbereitung und Vorab-Infos

schaffst du einen Rahmen, in dem sie genau das zeigen können.

Du musst niemanden verbiegen.

Du passt einfach die Arbeitsweise ein Stück weit so an, dass verschiedene Persönlichkeiten darin Platz finden.

Und genau das ist echte Stärke in der Zusammenarbeit:
Nicht alle gleichmachen, sondern jede Person so einbinden, dass sie auf ihre leise, kraftvolle Art wirken kann.

 

Kleinhenz-Coaching

 

 

Brigitte Kleinhenz
Hallo, ich bin Brigitte,

Stärken Mentorin für berufliche Balance und systemischer Coach. Ich begleite Frauen, die merken, dass ihr Job nicht mehr ganz zu ihnen passt und unterstütze sie dabei, ihre leise, kraftvolle Seite neu zu entdecken. Gemeinsam gestalten wir ein Berufsleben, das Sinn macht, guttut und sich echt anfühlt. Schritt für Schritt, ohne alles auf den Kopf zu stellen.

Kontakt zu mir

Bilder: Canva