Manchmal braucht es nur eine Frage, und plötzlich kommen Geschichten zum Vorschein, die in keinem Lebenslauf stehen.
Genau das ist bei meiner allerersten Blogparade passiert.
Ich wollte wissen: Was hättest du gern früher über dein Berufsleben gewusst?
Fünf Frauen haben meine Einladung angenommen und ihre ganz persönliche Antwort darauf geschrieben. Beate Mader, Doris Schuppe, Melanie Merz, Anja Krüger und Sandra Schwertfeger haben zurückgeblickt auf Entscheidungen, Umwege, Erfolge, schwierige Zeiten und Neuanfänge.
Und dafür möchte ich euch zuerst ganz lieben Danke sagen.
Denn so einen Beitrag schreibt man nicht mal eben zwischen zwei Terminen. Man schaut zurück, kramt alte Situationen wieder aus dem Gedächtnis, die vielleicht längst in einer hinteren Schublade schlummern. Und man entscheidet ganz bewusst: Ja, darüber möchte ich öffentlich schreiben.
Genau diese Offenheit hat mich beim Lesen eurer Beiträge sehr berührt.
Was ich aus meiner Blogparade mitnehme?
Vor allem die Erkenntnis, dass Berufswege von Frauen eher selten einer geraden Linie folgen und auch wie gut das ist.
Da ist die Entscheidung, die damals richtig war und heute vielleicht anders ausfallen würde. Da ist ein Job mit gutem Titel und gutem Gehalt, der sich trotzdem wie ein goldener Käfig anfühlt. Es sind die Erwartungen von Eltern, die man als Frau nicht enttäuschen möchte.
Aber auch Erwartungen von Vorgesetzten oder dem Umfeld. Es gibt Überstunden, Erschöpfung, fehlende Förderung, Selbstzweifel und berufliche Brüche.
Aber da ist noch viel mehr.
Der Mut, noch mal neu anzufangen. Die Erfahrung, dass ein vermeintlicher Umweg plötzlich doch noch ziemlich nützlich war.
Das Wissen, dass ein Scheitern nicht alles auslöscht, was vorher da war. Und der Moment, in dem eine Frau ihre Stimme erhebt und merkt: „Hoppla, die wird ja gehört.“
Und die Entscheidung, Erfolg irgendwann nach den eigenen Regeln zu messen.
Genau deshalb finde ich die fünf Beiträge so wertvoll. Keine Geschichte gleicht der anderen. Und viele Frauen die sie lesen, werden sich wiedererkennen.
Vielleicht ist das für mich auch einer der schönsten Effekte dieser Blogparade, denn wir lernen neue Sichtweisen kennen und es entsteht ein Netz aus Erfahrungen.
Und vielleicht merkst du beim Lesen auch einfach: Mein eigener Berufsweg ist gar nicht so schräg, wie ich immer dachte.
Genau davon erzählen diese fünf Frauen.
Beate, Doris, Melanie, Anja und Sandra, danke für eure Zeit, eure Offenheit und euren Mut, eure Erfahrungen mit uns zu teilen.
Jetzt bekommen eure Geschichten hier den Platz, den sie verdient haben.
Berufswege von Frauen: 6 Geschichten über Umwege und Neuanfänge
Diese wunderbaren Beiträge sind während der offiziellen Laufzeit entstanden:
1. Beate Mader – Bereue ich meine Entscheidung?
2. Doris Schuppe – Wenn dein Lebenslauf nicht „passt“ – vom Mut noch mal anzufangen
3. Melanie Merz – Erfolg ohne Erschöpfung. Geht das in der Baubranche?
4. Anja Krüger – Dass Umwege kein Gegenbeweis sind
5. Sandra Schwertfeder – Was tun, wenn der Berufsweg nicht geradlinig ist?
1. Beate Mader: Bereue ich meine Entscheidung?
Beate Mader greift in ihrem Beitrag die Frage auf, ob sie in ihrem Leben und vor allem bei ihrer Selbstständigkeit anders entschieden hätte, wenn sie damals schon gewusst hätte, wie sich alles entwickelt. Ihr Fazit: vermutlich meistens nicht. Denn auch Umwege, Fehlversuche und schwierige Phasen haben dazu beigetragen, dass sie heute da steht, wo sie steht.
Besonders prägend war ihr eher ungewöhnlicher Start in die Selbstständigkeit. Sie bekam die Chance, beim Aufbau eines Formel-1-Teams mitzuarbeiten. Dafür musste sie gründen und eigene Rechnungen stellen. Obwohl dieses Abenteuer schon nach weniger als einem Jahr vorbei war, würde sie auf diese Erfahrung nicht verzichten wollen.
Heute geht Beate mit Entscheidungen deutlich gelassener um. Sie entscheidet mit dem Wissen, das ihr in diesem Moment zur Verfügung steht, und steht dazu. Ändern sich die Fakten oder passt der eingeschlagene Weg nicht mehr, trifft sie eben eine neue Entscheidung. Statt sich lange mit der Frage „Was wäre gewesen, wenn …?“ aufzuhalten, sieht sie ihre bisherigen Entscheidungen als Teil ihrer Entwicklung.
Ich finde, Beates Geschichte zeigt sehr schön, dass wir manche Entscheidungen vermutlich gar nicht getroffen hätten, wenn wir vorher alle Schwierigkeiten gekannt hätten. Und genau deshalb wären uns vielleicht auch Erfahrungen, Chancen und Entwicklungen entgangen, die uns heute ausmachen.
Hier geht’s zu Beate’s kompletten Blogartikel.
2. Doris Schuppe: Wenn dein Lebenslauf nicht „passt“ – vom Mut noch mal anzufangen
Im Blogbeitrag von Doris Schuppe erzählt sie von einem Berufsweg, der auf dem Papier nicht immer so schön geradlinig aussieht, wie Personalabteilungen es gern hätten. Nach ihrem Studium der Biologie und Informatik führte ihr Weg über Journalismus und PR bis hin zur Selbstständigkeit. Dabei gab es große Karriereschritte, Neustarts und Erfahrungen, die von außen ganz anders ausschauten, als sie sich für Doris angefühlt haben.
Ein gutes Beispiel ist ihre Zeit als PR-Chefin bei CompuServe. Ein toller Titel, gutes Gehalt, viel Verantwortung. Doch für Doris wurde diese Position zum „goldenen Käfig“. Sie hatte immer weniger Freiraum und merkte, dass der vermeintliche berufliche Erfolg nicht zu der Art passte, wie sie arbeiten und leben wollte. Später machte ihr genau dieser erfolgreiche Lebenslauf den Wechsel schwer: Für andere Stellen galt sie plötzlich als „überqualifiziert“.
Bereut sie deshalb ihre frühere PR-Karriere? Nein. Sie sieht diese Jahre heute als wertvolles Startkapital. Sie lernte viel über Menschen und Kommunikation und nahm vor allem eine Haltung mit: ausprobieren, aus Fehlern lernen und neu anfangen. Das führte sie schließlich auch in die Selbstständigkeit.
Ihrem jüngeren beruflichen Ich würde Doris heute unter anderem raten, weniger Angst vor einer Selbstständigkeit zu haben, mit anderen über die eigene Arbeit zu sprechen, sich ein gutes berufliches Umfeld zu suchen, sichtbar zu werden und nie aufzuhören zu lernen. Beruflichen Erfolg misst sie heute weniger an Titeln. Für sie zählt es mehr, ob Menschen durch die Zusammenarbeit mit ihr weiterkommen und ihre eigene Art zu arbeiten finden.
Ein aalglatter Lebenslauf lässt mich als Personalerin immer erst mal aufhorchen, denn den gibt es nicht. Doris’ Geschichte zeigt, wie vermeintliche Umwege, ein freiwilliger Abschied von angesehenen Positionen und mehrere Neuanfänge zu einem Berufsleben führen können, das viel besser zum eigenen Leben passt. Und manchmal erzählt das, was zwischen den Stationen im Lebenslauf passiert ist, viel mehr über einen Menschen als der Jobtitel daneben.
Zum kompletten Blogartikel von Doris.
3. Melanie Merz: Erfolg ohne Erschöpfung – geht das in der Baubranche?
Melanie Merz erzählt in ihrem Beitrag von ihren Erfahrungen und einer Arbeitskultur in der Baubranche, in der lange Tage, durchgearbeitete Nächte und ständiges Funktionieren oft als völlig normal gelten. Schon im Studium lernte sie die sogenannten „Ghost Hours“ kennen: Stunden, die niemand erfasst oder bezahlt, die aber stillschweigend erwartet werden. Später erlebte sie als Projektleiterin, wie wenig Platz selbst für schwere private Situationen blieb, sobald Termine und Projekte auf dem Spiel standen.
Lange machte Melanie selbst mit. Viel Arbeit fühlte sich für sie sogar wie ein Zeichen dafür an, beruflich alles richtig zu machen. Bis ihr Körper immer deutlicher motzte. Schlafprobleme, Tinnitus, Kopfschmerzen und ein Rucksack voller kleiner Helfer für den Arbeitstag gehörten irgendwann dazu. Als auch Kolleginnen und Kollegen wegen Burnout ausfielen, wurde ihr bewusst, dass das kein persönliches Versagen ist, sondern viel mit der Arbeitskultur und den Bedingungen in der Branche zu tun hat.
Heute arbeitet Melanie anders. Sie richtet ihre Aufgaben stärker nach ihrem eigenen Energielevel, ihren kreativen Zeiten und ihrem Zyklus aus. Bewegung findet nicht erst nach Feierabend statt. Und wenn die Luft mal wieder raus ist, versucht sie nicht mehr, sich mit Gewalt weiter selbst anzutreiben. Diese Erfahrungen fließen heute auch in ihre Arbeit als Embodiment Coach ein, mit der sie Frauen dabei begleitet, Beruf und eigenes Wohlbefinden besser miteinander zu verbinden.
Melanies Geschichte hat mich sehr an mich erinnert und stellt eine ziemlich tief sitzende Regel infrage: Erfolg muss nicht bedeuten, ständig über die eigenen Grenzen zu gehen. Sie wünscht sich eine Arbeitswelt, in der Menschen mit ihren unterschiedlichen Lebensphasen und Bedürfnissen Platz haben. Denn wer dauerhaft gute Arbeit leisten will, sollte dafür nicht die eigene Gesundheit bezahlen müssen.
Hier kannst du den ganzen Blogartikel von Melanie lesen.
4. Anja Krüger: Umwege sind kein Gegenbeweis
Anja Krüger erzählt in ihrem Gastbeitrag von einem Berufsleben, das alles andere als gerade verlief. Eigentlich wollte sie studieren, entschied sich auf Wunsch ihrer Eltern aber für eine Ausbildung zur Speditionskauffrau. Schon mit 22 leitete sie eine Importabteilung, mit 23 gründete sie ihr erstes Unternehmen. Was zunächst wie ein Umweg aussah, gab ihr später Wissen und Erfahrung für ihre Arbeit als Unternehmerin.
Doch auch viele Jahre Berufserfahrung schützten sie nicht vor schweren Brüchen. Nach dem Tod ihres Mannes musste sie ihr Leben mit drei Kindern neu ordnen. Später kostete sie eine Entscheidung aus Vertrauen ihr Unternehmen, ihr Zuhause und zeitweise ihre Gesundheit. Anja macht daraus im Rückblick keine hübsche Erfolgsgeschichte. Ihr Punkt ist ein anderer: Ein Scheitern löscht nicht aus, was man vorher gelernt und geleistet hat.
Mit 53 startete sie 2018 erneut und baute sich ein Online-Business auf. Diesmal wollte sie kein Unternehmen mehr, bei dem sie ständig beweisen musste, wie viel sie aushalten kann. Heute misst sie Erfolg anders. Arbeit soll zum eigenen Leben passen, Raum für Familie und Gesundheit lassen und auf der eigenen Erfahrung aufbauen. Auch Sichtbarkeit bedeutet für sie nicht, ständig auf Social Media präsent zu sein. Eine gute Website, ein hilfreicher Artikel oder ein ehrliches Gespräch dürfen reichen.
Anjas Geschichte zeigt, dass Umwege und Brüche die eigene Berufserfahrung nicht entwerten. Selbst nach großen Verlusten und mit über 50 ist ein beruflicher Neustart möglich. Was vorher war, muss dabei nicht weg. Im Gegenteil: Genau diese Jahre, Fehler und Erfahrungen können die Grundlage dafür sein, beim nächsten Mal bewusster zu entscheiden, wie man arbeiten und leben möchte.
Anja’s Blogbeitrag kannst du hier lesen.
5. Sandra Schwertfeger: Was tun, wenn der Berufsweg nicht geradlinig ist?
Sandra erzählt von einem Berufsweg, der lange von Unsicherheit und den Erwartungen anderer geprägt war. Nach einem mühsam bestandenen Abitur wusste sie nicht, welchen Beruf sie wählen sollte. Auf Empfehlung ihrer Eltern machte sie eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Die war zwar noch nicht ihr berufliches Ziel, gab ihr aber etwas, das ihr nach der Schulzeit fehlte: Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Danach folgte ein Osteopathie-Studium, das sie abbrach. Rückblickend sieht Sandra einen Grund darin, dass die Entscheidung stark vom Wunsch ihres Vaters geprägt war, sie solle studieren. Ganz anders fühlte es sich später beim Studium der Medieninformatik an. Dafür entschied sie sich aus eigenem Interesse und schloss es mit der Note 1,4 ab. Für Sandra war das der Beweis, dass ihre früheren schlechten schulischen Leistungen wenig darüber aussagten, was tatsächlich in ihr steckt.
Auch im Berufsleben sammelte sie Erfahrungen, auf die sie gern verzichtet hätte. In kleinen Unternehmen fühlte sie sich unterbezahlt und zu wenig wertgeschätzt. Früher nahm sie vieles hin und zweifelte eher an sich selbst. Heute spricht sie an, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, fragt nach Feedback und zieht Grenzen, wenn eine Situation für sie nicht mehr passt.
Sandras Geschichte zeigt uns ebenfalls sehr schön, dass ein Berufsweg nicht gerade verlaufen muss, um am Ende zum eigenen zu werden. Manche Umwege würde sie heute vermeiden, andere möchte sie nicht missen. Vor allem hat sie gelernt, Entscheidungen weniger nach den Erwartungen anderer zu treffen und stärker darauf zu achten, was sie selbst interessiert und unter welchen Bedingungen sie gut arbeiten möchte.
Hier geht es zu Sandra’s Blogbeitrag.
Und dann ist da natürlich noch mein eigener Blogbeitrag zu meiner Blogparade:
6. Mein eigener Blogbeitrag: Frauen im Berufsleben: Was ich mir früher gewünscht hätte
Natürlich hat mich meine eigene Frage nicht losgelassen: Was hätte ich selbst gern früher über mein Berufsleben gewusst?
Meine Antwort darauf hat viel mit meinen ersten Berufsjahren zu tun. Damals war ich überzeugt: Wenn ich gute Arbeit leiste, Verantwortung übernehme und fleißig bin, wird das gesehen. Dann komme ich beruflich auch weiter.
Heute weiß ich, dass Leistung allein oft nicht reicht.
Was mir damals gefehlt hat, war eine Mentorin. Eine Frau, die mir erklärt, wie manche Dinge im Berufsleben wirklich laufen. Die mich fördert, mir etwas zutraut und vielleicht auch mal sagt: „Brigitte, mach dich sichtbar. Warte nicht darauf, dass jemand von allein merkt, was du kannst.“
Gerade in meinem männergeprägten Arbeitsumfeld habe ich erlebt, wie selbstverständlich Männer sich gegenseitig unterstützten, empfohlen haben und Türen öffneten. Ich hatte eine andere Lösung: noch mehr arbeiten.
Also machte ich Überstunden, übernahm Verantwortung und löste Probleme möglichst still im Hintergrund. Bis mein Körper irgendwann ziemlich deutlich sagte: Schluss jetzt. Nach einer Ohnmacht landete ich für zwei Tage im Krankenhaus.
Auch unter Frauen hätte ich mir damals mehr Miteinander gewünscht. Stattdessen habe ich gerade in meinen ersten Berufsjahren Konkurrenz, Neid und kleine Spitzen erlebt. Umso schöner finde ich es heute zu sehen, wie Frauen sich vernetzen, gegenseitig empfehlen, Wissen teilen und sich Türen öffnen.
Einen Moment aus meinem Berufsleben werde ich dabei wohl nie vergessen.
Bei einem Workshop mit rund 120 Führungskräften stand ich plötzlich auf, nahm das Mikrofon und sagte offen, was meiner Meinung nach gerade schieflief. Das war so gar nicht meine Art. Normalerweise drängte ich mich nicht nach vorne.
Und dann bekam ich Standing Ovations.
Dieser Moment hat etwas mit mir gemacht. Ich merkte: Meine Stimme wird gehört. Aber dafür muss ich sie eben auch benutzen.
Vielleicht ist genau das eine der Sachen, die ich meinem jüngeren Ich heute gern sagen würde: Arbeite nicht einfach noch mehr und hoffe darauf, dass irgendwann jemand deine Leistung bemerkt. Such dir Menschen, die an dich glauben. Vernetze dich. Zeig, was du drauf hast und trau dich, deine Meinung zu sagen.
Heute bin ich selbst Mentorin für Frauen. Und damit bin ich ein Stück weit die Frau geworden, die ich mir zu Beginn meines eigenen Berufslebens an meiner Seite gewünscht hätte.
Meinen kompletten Blogbeitrag kannst du hier lesen.
Fazit
Diese Blogparade hat mir gezeigt, dass hinter einem Lebenslauf so viel mehr steckt als Jobtitel, Jahreszahlen und Abschlüsse.
Berufswege von Frauen haben Kurven, Sackgassen, Pausen und auch mal Abzweigungen. Manchmal drehen wir sogar um und laufen ein Stück zurück, bevor wir merken, wo es weitergeht.
Und im Alter von 40, 50 oder 60 schauen wir anders auf manche Entscheidung als in den 20ern oder 30ern.
Das heißt aber nicht automatisch, dass unsere frühere Entscheidung falsch war.
Wir haben damals mit dem Wissen entschieden, das wir hatten. Mit den Möglichkeiten, die vor uns lagen. Und manchmal auch mit Erwartungen im Gepäck, von denen wir erst Jahre später merken, dass sie gar nicht unsere eigenen waren.
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